Nur am Wohngebiet gibt's Schönheitsfehler

Gewässerschau bringt Bestnoten für Schmiehbach

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In Kelkheim ist das Rinnsal naturbelassen, am Liederbacher Friedhof wird etwas gegen die Überschwemmungsgefahr getan.

„Links oder rechts?“ Ein Vertreter aus dem Tross fragt Wolfgang Praefcke vom Bauamt der Gemeinde nach dem richtigen Weg. Der Liederbacher Fachmann kennt sich aus, es gehe nur rechts herum, zeigt er der Gruppe, die fast komplett mit Gummistiefeln ausgerüstet ist, die Richtung an. Die Gewässerschau am Schmiehbach, bekannt auch als Kelkheimer Graben, kann weitergehen. Allerdings bleibt den Fachleuten von der Unteren Wasserbehörde des Kreises, von Naturschutzorganisationen und Kommune sowie den interessierten Bürgern immer wieder Zeit für einen Plausch. Denn der Zustand des Bächleins ist bestens, wie immer wieder zu hören ist. An einer Stelle, wo sich das Rinnsal in einer Kurve seinen eigenen Weg gesucht hat, lobt Claudia Kötzer von der Kreis-Behörde den naturbelassenen Verlauf des Schmiehbachs.

Davon hat sich der Tross bereits einige Kilometer weiter vorne überzeugen können. Denn gerade auf Kelkheimer Gemarkung sei es Natur pur. Hier hat die Untere Wasserbehörde überhaupt nichts zu beanstanden. Claudia Kötzer spricht von „paradiesischen Zuständen“. Dass sich der Bach so freizügig entwickeln könne, das sei auf jeden Fall so gewollt, betont sie. Gerade im Kelkheimer Naturschutzgebiet gelinge das bestens, aber auch in weiteren Teilen auf Liederbacher Areal. Doch je näher die Fachleute in Richtung Wohnbebauung kommen, desto mehr kurze Stopps legen sie ein. Unterhalb des Reiterhofs haben sich die Pferde Platz am Bach geschaffen, um dort zu trinken. Das sei aber kein Problem, betont Claudia Kötzer. Auch andere Wasserentnahmen von Menschen seien durchaus erlaubt, sofern sich der Charakter des kleinen Gewässers nicht verändere und der Wasserstand dadurch nicht merklich sinke, erklärt sie.

Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings eine Parzelle unterhalb der Heidesiedlung. Dort stehen eine Hütte und ein Zaun direkt am Bachrand im Außenbereich. Naturschutzrechtlich sei das durchaus in Frage zu stellen und „nicht schön anzusehen“, sagt Claudia Kötzer. Zum Teil sei der Bach sogar verrohrt, hat sie festgestellt. Konsequenzen werden diese seit Jahrenzehnten so gewachsenen Strukturen allerdings nicht haben. Die Mitarbeiterin der Unteren Naturschutzbehörde appelliert aber an die Anwohner, doch selbst für eine weitgehende naturnahe Gestaltung des Schmiehbachs auf ihren Flächen zu sorgen. „Wir werden da gerne beraten und unterstützen“, sagt sie.

Am Friedhof am Königsteiner Weg müssen sich die Spaziergänger dann vom Schmiehbach verabschieden. Von dort aus fließt er im Rohr weiter. Allerdings soll es in diesem Jahr eine größere Umbaumaßnahme der Gemeinde geben, wie Wolfgang Praefcke ankündigt. Die Kommune will ein neues Einlaufgitter installieren lassen, bei dem das Wasser im Notfall auch noch oberhalb am Rand vorbeifließen kann. Dafür stehen 10 000 Euro im Haushalt. Einen solchen Ernstfall hatten die Liederbacher schon im Jahr 2014, als der Schmiehbach an dieser Stelle bei starkem Regen über die Ufer trat und die Straße dann überschwemmt wurde. Diese Maßnahme begrüßt die Wasserbehörde, die alle fünf Jahre mit anderen Fachleuten an den Bächen nach dem Rechten schaut. 2018 ist dann der Liederbach dran, der im Sommer immer mal wieder trockenfällt. Zudem werde der Rückschnitt dort stets genau beobachtet, weiß Praefcke um die derzeit einzigen Themen an diesem Rinnsal.

(wein)

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