Doppelte Karambolage

Gleiches Auto zweimal beim Ausparken angestoßen - Fahrerin hat nichts bemerkt

Dass beim Ausparken anderer Leute Autos beschädigt werden und sich der Rempler aus dem Staub macht, kommt vor. Leider zu oft. Dass ein Auto aber zweimal gerammt wird, und der Verursacher immer noch nichts merkt, gehört sicher zu den selteneren Erscheinungen von Unfallflucht. So passiert in Kelkheim.

Die 65 Jahre alte Kelkheimerin schwor Stein und Bein, dass sie bei der Park-Karambolage nichts bemerkt hat; beim ersten Mal nicht und auch nicht beim zweiten Mal. Deshalb sei sie ja auch „mit gutem Gewissen ganz normal“ weggefahren. In der Tat, und das ist wohl unstrittig, hat die Frau mit ihrem Fiesta am 7. Februar 2018 an der Frankfurter Straße in Kelkheim gegen 14.30 Uhr beim Ausparken einen hinter ihr stehenden Opel Astra zwei Mal gerammt und dabei einen Schaden von 2273 Euro angerichtet.

Ungewöhnlich: Remplerin bemerkt die Anstöße nicht

Das Königsteiner Amtsgericht, wo der Fall jetzt verhandelt wurde, musste die Frau freisprechen. Laut Richterin konnte ihr nicht mit der für eine Verurteilung notwendigen Sicherheit nachgewiesen werden, dass sie den Unfall bemerkt hat. Der Freispruch in „dubio pro reo“ ergebe sich allein daraus, dass einerseits Fahrerflucht Vorsatz voraussetzt, die Frau andererseits aber ein Hörproblem zu haben scheine. Hinzu komme in diesem eher ungewöhnlichen Fall noch, dass sich die beiden Anstöße selbst der Geschädigten in ihrem Opel nicht taktil mitgeteilt haben.

40-Tonner könnte Geräusch beim Auffahren überlagern

Der Freispruch, betonte die Richterin in Königstein, bedeute allerdings nicht, dass sie die Expertise des Sachverständigen für Unfallanalyse in Zweifel ziehe. Der war absolut sicher, dass ein solcher Zusammenstoß aufgrund mehrerer Faktoren bemerkt worden sein muss, nicht visuell, aber akustisch und taktil. Das Gleichgewichtsorgan im Ohr registriere selbst kleinste, von solchen Anstößen hervorgerufene Massenträgheitsbewegungen des Körpers.

Der Gutachter machte aber selbst die Einschränkung, dass die Person dafür über eine normale gesundheitliche Verfassung verfügen muss. Theoretisch könne das Anstoßgeräusch auch von einem im selben Moment vorbeifahrenden 40-Tonner überlagert und neutralisiert worden sein. Auf diesen imaginären, aber nicht sicher auszuschließenden Laster hatte sich der Verteidiger kapriziert. Auch argumentierte er, dass sich seine Mandantin in erster Linie darauf konzentriert habe, eine Lücke im fließenden Verkehr zu finden. Dabei könne ihr der Anstoß gegen den Opel entgangen sein.

Geräusch der losgelösten Stoßstange erkannt

Viel weiter brachte das Gericht auch die Befragung der geschädigten Opel-Fahrerin nicht. Die hatte angegeben, sie sei hinter den Fiesta gefahren, als dessen Fahrerin schon am Ausparken war. Sie habe im Auto nach ihrer Parkscheibe gesucht, mit der Zündung noch einmal die Borduhr eingeschaltet und ein dumpfes Geräusch wahrgenommen – so wie es entstehe, wenn eine Stoßstange aus ihrer Befestigung am Kotflügel gerissen werde. Zur Überraschung des Gutachters kannte die Frau offenbar dieses Geräusch. Bemerkt habe sie den Unfall allerdings nur indirekt: Die an ihrem Rückspiegel hängende Kette mit einem Amulett daran sei, wohl durch den Aufprall der Massenträgheit folgend in eine Pendelbewegung versetzt worden. Sie habe noch gehupt, aber auch dass müsse der fortfahrenden Fordfahrerin wohl entgangen sein.

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