Kommunalwahl

Guders Prüfsteine: „Schlämmer“ und Golfplatz raus

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Der Naturschützer fühlt die Politikern vor Wahlen auf den Zahn. Nun nimmt er sich den Flächennutzungsplan vor.

Seit 35 Jahren verschickt Manfred Guder kurz vor der Kommunalwahl Post an alle politischen Gruppierungen. Der Maler und Naturschützer fühlt ihnen mit seinen „Wahlprüfsteinen“ auf den Zahn. Im Mittelpunkt stehen für den Vorsitzenden des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Ortsgruppen Kelkheim-Liederbach, „grüne“ Themen. So hat er nun vier Fragen formuliert.

Das zentrale Thema ist dabei für Guder die im Flächennutzungsplan (FNP) verankerte Wohnbaufläche „Schlämmer“ entlang der Königsteiner Straße. Er macht deutlich, dass für ihn die daran angrenzenden drei Hektar, das sogenannte Gladiolenfeld (siehe „Info“), unproblematisch sind. Dort sei eine Bebauung zum Beispiel mit Sozialwohnungen denkbar – ähnlich sieht es die Politik. Die kritischen 5 Hektar des „Schlämmers“ an das frei stehende Haus anschließend, sind für Guder hingegen absolut unantastbar – als Regionaler Grünzug, Kaltluftschneise und Biotopverbundsystem. Deshalb möchte er dieses Areal aus dem FNP wieder streichen lassen und hat die Parteien dazu abgeklopft. Das Resultat: UKW, SPD und Freie Wähler sind strikt gegen eine Bebauung, die FDP will es künftigen Generationen überlassen, die CDU geht nicht explizit darauf ein. „Ich hoffe, dass sich nach der Wahl eine Mehrheit findet, die diese Fläche herausnimmt“, sagt der BUND-Vertreter.

Zwei weitere Flächen will Guder aus dem Regionalplan nehmen lassen: ein Areal am Rande der Sindlinger Wiesen, das mal für die Feuerwehr Münster im Gespräch war, sowie eine landwirtschaftliche Nutzfläche von gut 34 Hektar, auf der eine Golfplatzerweiterung gescheitert war. Hier sind sich alle einig, dass diese Grundstücke nicht bebaut werden sollen, eine Streichung wird befürwortet. Schließlich hat Guder noch eines seiner Lieblingsthemen aufgenommen: ein kleines Baufenster am Liederbach, das ihm ein Dorn im Auge ist. Er regt an, einen unabhängigen Sachverständigen prüfen zu lassen, ob die Fläche ordnungsgemäß aus dem FNP entwickelt worden ist. Doch das lehnen die Politiker ab, der Bebauungsplan habe Rechtskraft und die Umlegung laufe.

Mit seinen Prüfsteinen wolle er den Bürgern „eine Entscheidungshilfe“ an die Hand geben. Zudem möchte er mögliche Initiativen anstoßen, so wie es ihm schon mal gelungen ist. Damals sei eine Querspange unter der Bahn, über die Frankfurter Straße und durch die Sindlinger Wiesen im Generalverkehrsplan vergessen worden. Nach Guders Initiative verschwand sie endgültig aus den politischen Köpfen und städtischen Unterlagen.

Zur aktuellen Diskussion über bezahlbaren Wohnraum hat der Kelkheimer eine klare Sicht der Dinge: Er würde das alte Feuerwehrgrundstück in Münster zuerst dafür nutzen. Auch das Gladiolenfeld und Teile von Hornau-West am Berliner Ring seien geeignet. Nicht bebauen würde er die „Künstlerwiese“ – das zerstöre eine Blickachse. Ein Veto des BUND-Mannes, kommt übrigens zu einer möglichen Umgehungsstraße: Nicht nur aus naturschutzrechtlicher Sicht – „das kann auch überhaupt keiner bezahlen“, betont Guder.

(wein)

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