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Er hat auch privat den Schalk im Nacken: Hans-Joachim Heist in der Heinz-Erhardt-Rolle.

Interview

Hans-Joachim Heist mimt im Bühnenprogramm Heinz Erhardt

Heute in zwei Wochen kommen zwei bekannte Unterhaltungskünstler nach Kelkheim: Heinz Erhardt und Hans-Joachim Heist, der die Gedichte, Sprüche und Lieder des legendären Komikers mitbringt. Kreisblatt-Redakteur Frank Weiner hat sich vorab mit Südhesse Heist unterhalten.

Beginnen wir doch gleich mal im Sinne von Heinz Erhardt mit einem Gedicht: „In nur vier Zeilen was zu sagen – erscheint zwar leicht, doch ist es schwer . . .“ Wie geht es weiter?

HANS-JOACHIM HEIST: „…man braucht ja nur mal nachzuschlagen. Die meisten Dichter brauchten mehr.“ Ich habe ja eine ganze Menge Gedichte in meinen zwei Stunden Programm. Auch Lieder wie „Immer wenn ich traurig bin, dann trinke ich ’nen Korn“.

Welches ist denn Ihr Lieblingsgedicht?

HEIST: Es gibt mehrere tolle Vierzeiler. Wie diesen: „Es gibt Gerüchte, dass Hülsenfrüchte – in Mengen genommen – nicht gut bekommen. Das macht ja nichts, ich finde das fein, warum soll man nicht auch mal ein Blähboy sein.“

Woher kommt die Liebe zu einem Komiker, der schon vor vielen Jahrzehnten wirkte?

HEIST: Das hat sich entwickelt. Im Bücherschrank der Eltern habe ich das große Heinz-Erhardt-Buch gesehen und darin als Schüler gestöbert. Das hat sich weiter entwickelt. Ich habe Texte rezitiert und all seine Filme gesehen. Als ich dann auf die Bühne strebte, habe ich in der Moderation den Heinz Erhardt immer wieder eingebaut – bis hin zum gesamten Abendprogramm.

Er war eben ein Meister der Wortverdrehungen. Man dachte: Das Interesse lässt nach. Im Gegenteil: Es ist ungebrochen. Das wirkt sich auf meine Erhardt-Abende aus. Wobei die Popularität meiner Figur Gernot Hassknecht sicher dazu beigetragen hat. Viele junge Leute kommen inzwischen. Selbst unter den 20-/25-Jährigen findet Heinz Erhardt heute noch Fans. Die finden es geil, was er gemacht hat.

Heinz Erhardt mit seiner Gestik, Mimik und auch mitunter Tollpatschigkeit zu kopieren oder nachzuahmen – das ist eigentlich fast unmöglich. Warum wagen Sie sich da trotzdem ran?

HEIST: Anfangs habe ich ihn ja nur rezitiert. Und mein Bestreben ist ja nicht, ihn zu parodieren, ihn aber zu spielen. Nachdem ich auf der Bühne seine Vita noch als Hans-Joachim Heist erzählt habe, drehe ich mich um, setze die Hornbrille auf nehme die Haltung und die Sprache an und bin Heinz Erhardt. Den Duktus Erhardt rüber zu bringen: Das muss man einfach üben.

Sie loben ihr Idol als einen „der bekanntesten und nachhaltigsten Comedians“. Warum ist sein Witz aktuell? Was unterscheidet ihn von den Komikern, die es ja wie Sand am Meer gibt?

HEIST: Da gibt es viele Merkmale. So ist er regelmäßig auf Platz eins oder zwei unter den beliebtesten deutschen Komikern zu finden. Er hat mit der deutschen Sprache gespielt – und er ist nie unter die Gürtellinie gegangen. Natürlich sind auch Kalauer dabei – aber die haben die heutigen Comedians auch. Sie wiederum werden nie Kult werden wie Erhardt. Das wird nie so nachhaltig sein. Ich kenne ja mittlerweile viele persönlich. Anschauen würde ich mir da schon gerne mal ein Programm von Michael Mittermeier.

Kommen wir zu Hans-Joachim Heist. Sie sind in Seeheim-Jugenheim geboren, wohnen in Pfungstadt. Wie hessisch ist ein Künstler, der im ganzen Land unterwegs ist?

HEIST: Ich bin ein waschechter Hesse, kann den Dialekt natürlich noch. So habe ich ein Jahr mit Liesel Christ im Frankfurter Volkstheater gespielt, unter anderem „Urfaust“ für den hr auf hessisch. Ich bin sehr verwurzelt in Hessen, das ist meine Heimatsprache, die verleugne ich nicht. Auf der Schauspielschule bekommt man den Dialekt aber auch abgewöhnt.

Was fällt Ihnen zu Kelkheim ein?

HEIST: Der Taunus ist eine großartige Landschaft. In Kelkheim war ich schon als Besucher. Daher ist es sozusagen ein Heimspiel. Ich freue mich auf das Publikum in Kelkheim nach der Aufzeichnung der „Heute Show“ einen Tag vorher.

Als Multitalent sind Sie im Fernsehen und auf der Bühne als Regisseur, Schauspieler, Moderator, Parodist, Humorist und Sprecher unterwegs. Was davon favorisieren Sie?

HEIST: Ich liebe es, wenn es so grundverschiedene Dinge sind. Derzeit mache ich ein Hörbuch mit Texten unter anderem von Kurt Tucholsky – das ist auch eine tolle Sache. Oder einen Film auf Island – auch das ist gut. Aber natürlich bin ich Schauspieler und komme von der Bühne. Und ohne die Bühne – das geht nicht. Denn der Kontakt und die Nähe zum Publikum sind mir wichtig. Auf das andere könnte ich schon verzichten.

Können Sie eigentlich privat auch mal so aus der Haut fahren wie Ihre bekannteste Figur Gernot Hassknecht? Und was bringt Sie auf die Palme?

HEIST: Ja. Aber ich bin kein Choleriker. Vom Typ her eher ein Heinz Erhardt mit Schalk im Nacken. Aber ich kann laut werden. Ich bin im Jahr 60 000 Kilometer unterwegs. Wenn ich auf den Autobahnen fahre, kann ich zum Hassknecht werden. Was ich in meinem Programm ja liebe, wenn Leute zu spät kommen. Da sind ganz witzige Dialoge entstanden. Aber ich hole keine Zuschauer auf die Bühne.

Nervt es mitunter, auf die Hassknecht-Figur reduziert zu werden?

HEIST: Nein, es nervt nicht. Und ich hoffe nicht, dass ich nur darauf reduziert werde. Die Rolle hat mich bundesweit prominent gemacht, ich habe dafür viele Preise bekommen und bin dankbar dafür.

Haben Sie von einer solchen Popularität jemals zu träumen gewagt?

HEIST: Natürlich strebt das jeder Schauspieler an. Und ich wollte ja immer Fernsehen machen. Es ist toll, wenn man dann in der 1. Liga angekommen ist. Das ist ein Erlebnis. Man hofft, dass es passiert.

Was sagt Hans-Joachim Heist aktuell den deutschen Politikern? Was würde Gernot Hassknecht ihnen mitgeben?

HEIST: Als ehemaliger Stadtverordneter im Pfungstädter Stadtparlament (für die SPD, Anm. der Red.) habe ich großen Respekt vor Leuten, die sich in der Kommunalpolitik engagieren. Gernot Hassknecht sagt dazu in seinem Programm auch etwas: „Ich könnte das nicht. Demokratie ist gottverdammt langweilig und anstrengend. Diskutieren, Kompromisse eingehen, gemeinsame Lösungen finden. Nach fünf Minuten Diskussion in irgendeinem Ortsverein einer Partei wäre ich drogensüchtig und gewalttätig.“

Als Hans-Joachim Heist sage ich: Es gibt keine Volksparteien mehr. Die SPD muss aus der Großen Koalition raus, und mit Andrea Nahles kann es keinen Neuanfang in der Partei geben. Sie ist schon zu lange im System drin. Wie es geht, zeigen uns die Grünen mit ihrem kompletten Personalwechsel.

Nächstes Jahr werden Sie 70. Welche Projekte haben Sie noch im Köcher?

HEIST: Es gibt viele Dinge. Ich möchte gerne die „Heute Show“ machen, so lange sie läuft. Dann gerne mehr Spielfilme drehen fürs Fernsehen und das Kino. Und ich wünsche mir mehr Zeit, Regie am Theater zu machen. Für 2020 habe ich mir da ein Zeitfenster reserviert. Insgesamt möchte ich ein bisschen weniger machen. In Rente gehen will ich aber nicht. Solange man mich will, mein Gesicht und meine Stimme gefordert wird, stelle ich mich zur Verfügung.

"Noch ’n Gedicht":

Den Heinz-Erhardt-Abend „Noch’n Gedicht“ mit Hans-Joachim Heist präsentiert die Kulturgemeinde am Samstag, 24. November, um 20 Uhr im Bürgerhaus Fischbach, Rathausplatz 3. Seine Mimik, seine Gestik – das macht Erhardt einzigartig. Unnachahmlich? Hans-Joachim Heist setzt die Brille auf, nimmt die Haltung an: Schon steht Erhardt da. Heist ist als cholerischer Gernot Hassknecht aus der „Heute-Show“ bekannt. Karten für 23 Euro (Mitglieder 21) in der Buchhandlung Herr, Frankenallee 6, unter 01 52/08 93 45 82 oder an der Abendkasse.

( wein)

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