Nisthilfe an Neubauten

Heimat für Mensch und Fledermaus

  • vonManfred Becht
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Bereits in diesem Jahr könnte am Gagernring gebaut werden. Insgesamt 60 Wohnungen sollen entstehen. Die Stadt erhält mindestens 3,5 Millionen Euro.

Wie viele potenzielle Bauherren ein Angebot für die Grundstücke am Gagernring abgegeben haben, weiß Bürgermeister Thomas Horn gar nicht. Denn Abgabestelle ist die Kanzlei eines Frankfurter Notars. Die Stadt Kelkheim wolle sicher gehen, dass es später keine Ansatzpunkte dafür gibt, die Vergabe der Grundstücke rechtlich anzufechten, erläutert Horn.

Der Notar wiederum ist im Interesse seines Kunden, der Stadt, zur Verschwiegenheit verpflichtet und kann somit keine Auskünfte geben. Aber sehr viele Interessenten hätten sich das Exposé im Rathaus abgeholt, berichtet Horn. Das ist keine übermäßige Überraschung. Die Zinsen sind niedrig, die Nachfrage nach Wohnungen ist groß – optimale Bedingungen für alle, die investieren wollen. Dazu kommt, dass Kelkheim ein begehrter Wohnstandort ist. Und im Exposé wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Einkaufsmöglichkeiten, zwei Grundschulen, ein Kindergarten, ein Privatgymnasium und zwei Bahnhöfe zu Fuß zu erreichen sind.

Geschossbau

Nachdem in Kelkheim in Baugebieten, die von der Stadt angestoßen wurden, zumeist Doppel- oder Reihenhäuser entstanden sind, ist am Gagernring sogenannter Geschosswohnungsbau geplant: Gebaut werden können sieben dreigeschossige Häuser mit zusammen 60 Wohnungen. Zwar gibt es keinen Bebauungsplan, aber da ähnliche Gebäude in der Nachbarschaft stehen, kann die Stadt ihre Einwilligung zu allem verweigern, was davon wesentlich abweicht.

Insgesamt also ist damit zu rechnen, dass ein Investor genau diese sieben Häuser baut. Ein Kriterium bei der Auswahl sei auch, berichtet Horn, dass der Käufer ähnliche Projekte schon realisiert hat. Die Stadt schreibt außerdem vor, dass sie die Belegungsrechte für zehn Wohnungen unterschiedlicher Größe über 20 Jahre bekommt. Die Hälfte soll als Sozialwohnungen anlegt werden. Kelkheim begegnet auf diese Weise auch der Kritik, zu den Kommunen im Main-Taunus-Kreis zu gehören, die sich in der Vergangenheit zu wenig um sozialen Wohnungsbau gekümmert haben. Der Kreisbeigeordnete Johannes Baron hatte noch im vergangenen Jahr angekündigt, die Städte und Gemeinden im Kreis in diesem Jahr zu mehr Engagement im sozialen Wohnungsbau drängeln zu wollen. Die Opposition im Parlament hatte für die sieben Häuser zudem noch mehr dieser Wohnungen gefordert.

Mindestens 450 Euro

Dass die Verpflichtung zum Bau von Sozialwohnungen und zur Abgabe von Belegungsrechten auf den Grundstückspreis drückt, liegt auf der Hand. Umgekehrt können potenzielle Investoren ihr Angebot nicht zu sehr nach unten senken, wenn sie zum Zuge kommen wollen. Denn der Kaufpreis ist der entscheidende Faktor neben dem Nachweis, in der Branche bereits tätig zu sein. Das Mindestangebot müsse 450 Euro pro Quadratmeter betragen, hat die Stadt bereits festgelegt.

Rechnerisch wird auf diese Weise eine Einnahme von 3,5 Millionen Euro zusammenkommen – Geld, das die Stadt gut gebrauchen kann. Ohne solche Einnahmen seien neue Investitionen nicht möglich, sagt Bürgermeister Horn. Er möchte daher auch gar nicht trödeln, sondern den Verkauf der Grundstücke baldmöglichst über die Bühne bringen. Die Stadtverordnetenversammlung trifft sich am 23. Februar zu ihrer nächsten Sitzung. Ob es zu schaffen ist, das Parlament dann schon über den Verkauf abstimmen zu lassen, lässt sich noch nicht sagen.

Grundsatzdiskussionen dürfte es nicht mehr geben, hofft Horn, denn die entscheidenden Dinge sind besprochen. Dazu gehört auch, dass die sieben Häuser in Ost-West-Richtung angeordnet werden sollen, also senkrecht zum Gagernring und zur Bahnstrecke. In der Mitte bleibt eine Fläche frei für eine mögliche Straßenverbindung über die Gleise hinweg zu einem neuen Baugebiet, das irgendwann jenseits der Bahn entstehen könnte.

Kasten für Mauersegler

Gebaut wird am Gagernring übrigens nicht nur eine neue Heimat für zweibeinige Bewohner. Vorgeschrieben ist, dass in jedes Haus mindestens ein Fledermausquartier, ein Einbaukasten für Mauersegler und ein Niststein integriert wird, der für Meisen, Spatzen und andere Höhlenbrüter geeignet ist. Außerdem muss der Bauherr die von der Stadt an der Bahn gerodeten Hecken wieder herstellen und zu diesem Zweck verschiedene Arten von Gebüschweiden pflanzen.

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