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Das Schild am Museumsgebäude an der Frankfurter Straße macht es deutlich: Hier ist der Betrieb vorerst geschlossen.

Konsequenzen nach Votum

Helfer treten zurück, Museum kurzzeitig geschlossen

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Nach dem politischen Votum hat der Museumsverein ein „Zeichen“ gesetzt. Wenn die Ehrenamtler geschult sind, kann der öffentliche Museumsbetrieb aber normal fortgesetzt werden.

Nur zwei Tage nach dem politischen Votum für einen Verbleib des Museums an der Frankfurter Straße sorgte am Mittwochabend der Museumsverein für die nächsten Paukenschläge. Bei der Mitgliederversammlung verkündete Vorsitzender Jürgen Moog, dass der Verein das Museum kurzfristig und kurzzeitig aus Brandschutzgründen geschlossen habe. Zudem kündigte der seit einem Jahr amtierende Vereinschef seinen Rücktritt an. Ebenso wie sein Vorgänger Rüdiger Kraatz, der sich als Historiker um die Museumsarbeit und Forschung verdient gemacht hat. Ob auch die weiteren Vorstandsmitglieder Andrea Hillebrecht-Schulte (Zweite Vorsitzende) und Edelgard Kleemann (Schatzmeistern) aufhören, ist noch offen. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung wird es aber geben.

„Wir müssen eine Antwort geben“, sagt Moog mit Blick auf das politische Votum, das den Verein schockiert habe. „Skandalös“ findet der Noch-Vorsitzende vor allem, dass niemand auf die Warnungen des Vereins reagiert habe. Im Januar hatte die Gruppe die Politik ins Museum eingeladen und auf viele Mängel – von der Barrierefreiheit über den Brandschutz bis zu den sanitären Anlagen – hingewiesen. Eine lange Liste wurde erstellt. Sie sei „offensichtlich ignoriert“ worden. Moog: „Trotz der beschriebenen Mängel setzten UKW und FDP ihren Antrag durch, der das Museum an den bisherigen ungeeigneten Standort bindet.“

Und nun hat der Verein die erste Reißleine gezogen: Das Kelkheimer Bauamt habe ihn Mitte der Woche über den Sachstand zu den Brandschutz-Problemen informiert. Demnach müssen im Treppenhaus Möbel und andere Dinge verschwinden, die den Fluchtweg einschränken. Das war erstmal kein Problem. Allerdings müssen auch die ehrenamtlichen Helfer geschult werden, „um im Gefahrenfall ein geordnetes Verlassen der Räumlichkeiten sicherzustellen“, sagt Moog und hat Konsequenzen gezogen: „Da das Aufsichtspersonal – in der Regel eine einzige, ältere Person – während der Öffnungszeiten die Verantwortung für die Besucher übernimmt, kann ich es als Vorsitzender des Museumsvereins nicht verantworten, dass das von uns beauftragte Aufsichtspersonal ohne Schulung die in der Aufgabe beinhaltete Garantenpflicht übernimmt. Deshalb werden wir in Absprache mit dem Kulturreferat den Museumsbetrieb während der Öffnungszeiten zunächst einstellen.“ Nächste Woche soll die Schulung sein, dann könne das Museum wieder öffnen. Somit handelt es sich vermutlich nur um einen Schließtag – diesen Sonntag.

Mit beiden Entscheidungen – der kurzzeitigen Schließung und dem Rücktritt – „wollen wir ein Zeichen setzten“, so Moog: „Wir müssen dort raus.“ Der Verein wolle damit das Museum nicht kaputt machen. Auch viele der genau 222 Mitglieder (45 Neulinge kam im vergangenen Jahr dazu) betonten laut Moog bei der Jahreshauptversammlung: „In der Diskussion waren sich alle einig, dass Kelkheim ein Museum braucht, insbesondere, um seine Besonderheiten mit dem Möbelhandwerk und dem Beitrag zum Demokratisierungsprozess durch die Familie von Gagern sowie die Stadtgeschichte zu bewahren. Wir sollten uns alle dafür einsetzen, besonders in unserem Museumsverein.“ Bisher habe der Verein die Mängel „in der Hoffnung auf eine besser geeignete Liegenschaft mit viel gutem Willen kompensiert“. Das hat nun Grenzen. Wichtig sei es aber, fachkundige Historiker als Nachfolger für Rüdiger Kraatz zu finden. Und Moog fasst das Theater so zusammen: „Da das alte Museum nun tatsächlich ohne Zukunft ist, muss sich die Stadt um ein neues Museum bemühen. Denn wir brauchen selbstverständlich ein Museum – getreu dem von Ortwin Kloß immer wieder verwandten Zitat: ,Wer keine Geschichte hat, hat auch keine Zukunft!‘“

Bürgermeister Albrecht Kündiger sieht im Brandschutzproblem „eine wichtige, aber nicht allzu große Sache“. Dieses Problem sei jetzt in der Diskussion offensichtlich geworden. Die Rücktritte haben ihn schon überrascht. Damit sei Kelkheim beim Museum mehr denn je „von einer zufriedenstellen Lösung weit entfernt“. Es sei die Aufgabe aller, sich Gedanken zu machen“. Er wolle mit dem Vermieter über einen kürzeren Mietvertrag reden. „Wir müssen schauen, dass die Emotionen zurückgefahren werden.“ Nur so könnten sich alle „ohne Gesichtsverlust“ bewegen.

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