Claus Fischer lässt sich im Wohnzimmer an der Gitarre die Stimmung nicht vermiesen.
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Claus Fischer lässt sich im Wohnzimmer an der Gitarre die Stimmung nicht vermiesen.

Musik:

Hornau: "Die Zigeuner-Mentalität muss man im Blut haben"

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Claus Fischer spielt seit 44 Jahren in der "Beatles Revival Band"- und ist nun auch durch Corona am Scheideweg.

Hornau. 1976 riefen die vier Frankfurter Amateurmusiker Robby Matthes (Bass und Gesang, in der Rolle von Paul McCartney), Klaus Larisch (Lead-Gitarre und Gesang, als George Harrison), Richard Kersten (Rhythmus-Gitarre und Gesang, als John Lennon) und Christian Engel (Schlagzeug und Gesang, als Ringo Starr) die "Beatles Revival Band" ins Leben. Fast wäre das Projekt nicht zustande gekommen, weil die ehemalige Plattenfirma der "Beatles" die Verwendung des Namens verbieten wollte. Die Presse feierte die Gruppe trotzdem, und nach einem Auftritt im Frankfurter "Sinkkasten" im März 1976 wurde die Gruppe zur professionellen deutschen Coverband.

Das ist nun mehr als 44 Jahre her. Der Kelkheimer Claus Fischer wird aufatmen, dass ein Verbot des Namens damals nicht durchkam. Denn 1983 schlüpfte er in die Rolle von Gitarrist und Sänger George Harrison, weil sein Vorgänger das Studium beenden wollte und der große Erfolg damals ja so noch nicht absehbar war. Für Fischer war es ein Glücksfall. Er tourte als Musiker durch amerikanische Clubs, spielte vor allem Country-Musik - der große Durchbruch gelang aber mit der "Beatles Revival Band". Das war "wie ein Sechser im Lotto", sagt der heute 64-Jährige.

Auch sein Vater sei eine Zeitlang Berufsmusiker gewesen. Bis die Mama ihn dazu drängte, doch mit dem eher unsteten Leben aufzuhören. Auf den Bub färbte das dennoch ab. Fischer hatte schon früh mit der Mutter die "Beatles" im Fernsehen angeschaut. "Da war ich hin und weg", und er habe sich gesagt: "Das willst du auch machen." Bei seinen Eltern sei das nicht gut angekommen, "eine Katastrophe", so Fischer über die Zeit, als er nach der Lehre zum Bauzeichner mit 18 Jahren professionell zur Gitarre griff. Als er später mit der "Beatles Revival Band" im Fernsehen und in vielen Zeitungen zu sehen war, habe die Mutter doch schmunzelnd gesagt: "Junge, ich bin froh, dass du was Anständiges gelernt hast."

Der 64-Jährige denkt an "Vorruhestand"

So langsam könnte nun aber diese große Karriere eine andere Richtung bekommen. Fischer, einer von zwei Oldies in der Formation, denkt daran, kürzer zu treten. Corona hat einen Teil dazu beigetragen. Nach einem sehr guten Jahresbeginn für die "Beatles Revival Band" sei nichts mehr gelaufen. 40 bis 50 Konzerte spielte die Formation. Früher seien es bis zu 120 Auftritte im Jahr in Deutschland und Europa gewesen. Bis nach Moskau ins Olympiastadion vor 50 000 Zuschauern reisten die Musiker in besseren Zeiten. Dort wurden sie aus der Heimat zum Musiker-Treffen geschickt, Seite an Seite mit Michael Jacksons Schwester La Toya. Später spielte die heimische Formation für Jennifer Rush und ist mit anderen Größen wie "Smokie" oder "Rattles" gut bekannt.

Nun haben es alle Künstler schwer. Fischer ist gut aufgestellt, Überbrückungshilfen sind für ihn kein Thema. Er versucht, sich für Kollegen einzusetzen und weiß: "Wir haben keine Lobby." Normalerweise stünden Musiker immer in Konkurrenz um Auftritte, eine richtige Interessenvertretung gebe es nicht. Das laufe "zäh", weiß Fischer, sei aber auch mit Demos ins Rollen gekommen.

Natürlich hat die "Beatles Revival Band" Videos aufgenommen, darunter eins mit dem Titel "Don't Let Me Down", das unter dem Hashtag "Alarmstufe Rot" zur Solidarität beitragen soll. Konzerte im Studio für die Fans zu spielen, das ist für Fischer indes nur eine Notlösung. "Musik ist doch ein Gemeinschaftserlebnis", sagt er. Ein Video aufzunehmen und danach gebe es keinen Applaus, das sei "doof". Komisch findet er, dass Marek Lieberberg ein Konzert mit allen Auflagen habe organisieren wollen, doch es wurde nicht genehmigt. "Und am Tag danach durfte die Bundesliga wieder spielen."

"Die Band wird weiter existieren"

Fischer selbst weiß derzeit nicht, wie es mit seiner Karriere weitergeht. In den kompletten Ruhestand aber will er nicht gehen. Er manage ja ohnehin bereits die Band. Vielleicht mache er das dann, ohne auf der Bühne zu stehen. Er weiß aber auch: "Die Band wird weiter existieren, und irgendwann mal ohne mich." Außer dem Keyboarder "können ja alle meine Söhne sein", sagt er schmunzelnd.

Für 2021 blickt die "Beatles Revival Band" ebenso wie die Kollegen ins Ungewisse. "Im Moment geht keiner das Risiko ein, etwas Großes zu machen." Einige Termine gibt es zwar für die Formation, die in Frankfurt probt. Doch das seien erst einmal verschobene Konzerte aus diesem Jahr, so Fischer.

Er überschlägt, dass er in seiner Karriere wohl rund 3000 Auftritte gehabt habe. Darunter für "fast alle Parteien außer der NPD", in Österreich an der Skipiste und oben auf dem Berg, aber auch in der Kelkheimer Heimat beim Markplatz-Fest. Fischer, der mit der Kelkheimer Kommunalpolitikerin Ivaloo Schölzel verheiratet ist, möchte sein Leben als reisender Musiker nicht missen. Einmal sei er in zwei Monaten nur einen Tag zu Hause gewesen, erzählt er. "Die Zigeuner-Mentalität muss man im Blut haben."

Vor allem aber kann er den Fans seine Musik präsentieren. Die "Beatles" sind seine Band. Sie seien einfach abwechslungsreich. "Es gibt keine Band, die so eine Bandbreite spielte." Auch Rock hört Fischer gerne, hingegen sieht er in der heutigen Musik "nichts Gewagtes mehr". Das "Betroffenheits-Gesinge der deutschen Jungs" sei seine Sache nicht. "Aber nur, weil mir Musik nicht gefällt, muss sie ja nicht schlecht sein." Die Klänge seiner Band hingegen kommen bei einem Publikum von 8 bis 80 an, weiß Fischer, der 40 Gitarren hat und vier mit zu Konzerten nimmt. So gut, dass andere Gruppen den Namen der Band verwendeten. Längst ist der Titel rechtlich geschützt - und die Formation will als nächsten Schritt sicher die 50 voll machen. Ob mit oder ohne Claus Fischer - das steht noch in den Sternen des Musiker-Himmels.

Das waren noch Zeiten: Die Band vor einem vollen Haus.

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