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Hornau: Wenn der Lokführer nicht mehr hupen muss

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Von: Frank Weiner

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Zwei Mal gehupt, nun rauscht der Zug am Bahnübergang "Kühtrieb" oberhalb von Hornau vorbei. Das Pfeifen stört viele Bürger und soll spätestens ab 2024 Geschichte sein.
Zwei Mal gehupt, nun rauscht der Zug am Bahnübergang "Kühtrieb" oberhalb von Hornau vorbei. Das Pfeifen stört viele Bürger und soll spätestens ab 2024 Geschichte sein. © wein

Pfeifen an zwei Bahnübergängen stört Hornau - ein Ort wird zugemacht, einer technisch gesichert - erst 2024?

Hornau. "Das Pfeifen ist absolut notwendig. Das werden wir jetzt gleich sehen." Bürgermeister Albrecht Kündiger muss nach diesem Satz nicht mehr allzu lange warten, da ertönen bereits zwei schrille Signale. Ein Zug kommt aus Richtung Königstein und rauscht über den Bahnübergang "Kühtrieb" hinweg, an dem der Rathauschef mit einem kleinen Tross an Presseleuten und Offiziellen steht. Kaum ist er durch, drückt der Lokführer den Knopf zum Pfeifen noch zwei Mal für etwa drei Sekunden. Denn der nächste Übergang mit dem Namen "Obere Kinchäcker" folgt nur wenige Meter dahinter.

So geht das jeden Tag, 16 Pfeiftöne in der Stunde bei jeweils vier Zug-Durchfahrten. Die erste Bahn ist morgens um 4.45 Uhr unterwegs, die letzte nachts um 1.15 Uhr, weiß Kündiger aus dem Kopf, da er direkt in Hornauer Bahnhofsnähe wohnt. Und er weiß auch: Der halbe Stadtteil leide seit Jahren unter dem Pfeifen. Gerade den Berg hinauf zur Adolfshöhe seien die Töne laut zu hören - eben auch nachts. Und dort habe sich sogar eine kleine Bürgerinitiative gebildet.

Grundstückskauf für Umleitung

Das Thema ist in der Stadt nicht neu, politisch wird es alle Jahre wieder angesprochen. Doch nun gibt es auch die passende Lösung dazu, wie Kündiger sehr zufrieden und "dankbar" beim Ortstermin berichtet. Die Stadt habe schon 2013 damit begonnen, Grundstücke oder Anteile zu erwerben. Über die soll die Fläche oberhalb des Übergangs "Kinchäcker" künftig erschlossen werden. Die Bahnstelle existiere schon seit gut 120 Jahren, weiß Jochen Fink, Eisenbahnbetriebsleiter bei der Hessischen Landesbahn (HLB). Denn die Nutzer wollten ja immer auf ihre Wiesen kommen. Eine Böschung verhindert den Zugang von oben. Die Flächen für einen neuen Zugang oberhalb des Übergangs "Kühtrieb" hat die Stadt nun nach einem langen Prozess zusammen, für die Kooperation der Eigentümer ist Kündiger dankbar. In einem Fall gibt es ein Wegerecht über einen Dauerpachtvertrag.

Diese Lösung öffnet den Weg, dass der kleine Übergang geschlossen werden kann. Damit würde dort das zweimalige Pfeifen schon entfallen. Die Andreaskreuze und der Belag unter den Schienen werden entfernt, sagt Fink. Dass der Übergang "Obere Kinchäcker" auch heute schon kaum genutzt wird, zeigt der Ortstermin: Wildschweine haben die Wiese davor derart umgegraben und zur Schlammwüste gemacht, dass ein Zugang sauberen Fußes unmöglich ist.

Doch es bleibt immer noch das Nadelöhr "Kühtrieb", an das Kündiger auch weniger gute Erinnerungen hat: 1976 sei die Bahnstrecke regelrecht zugemauert worden. Es sei die Zeit der Anschläge auf die Bahn gewesen. Letztlich ging es glimpflich aus. Am "Kühtrieb" habe die HLB nun zugesagt, den Übergang technisch zu sichern, berichtet Fink. Für Halbschranken reiche der Platz aber nicht aus, Vollschranken müssten videoüberwacht werden - um auszuschließen, dass kein Fahrzeug dazwischen stehen bleiben kann. Die Stelle wird daher mit einer Lichtzeichenanlage sowie einem akustischen Signalgeber künftig gesichert. Somit kann laut Fink das Pfeifen wegfallen.

"Ich kann mir vorstellen, in Hornau wird das gut aufgenommen", sagt Kündiger. "Unsere Lokführer werden auch froh sein, wenn sie nicht mehr pfeifen müssen", ergänzt Fink. Allerdings müssen sich alle zusammen noch sehr gedulden. Denn das Prozedere wird aufwendig. Laut Kelkheims Ordnungsamtsleiter Torsten Kleipa ist ein Planfeststellungsverfahren notwendig. Da der Kreis der Betroffenen nicht genau abgrenzbar sei, müssten Stadt und Bahn diesen Weg gehen, um die Öffentlichkeit angemessen zu beteiligen. "Wir wären froh, wenn wir es noch 2023 schaffen würden", sagt Kündiger. Fink geht eher im Jahr 2024 vom Ende des Pfeifens aus, da noch Vereinbarungen dazu getroffen werden müssen. Unter anderem ist ein so genannter Kreuzungsvertrag zwischen den an der Stelle beteiligten Institutionen nötig - also der Bahn für die Gleise und der Stadt für den von Wanderern, Joggern und Radfahrern doch sehr frequentierten Weg hoch zur Sportanlage "Am Reis".

Kosten tragen Land und Bahn komplett

Die Kommune hat Glück, dass sie sich an den Kosten nicht mehr beteiligen muss. Bis 2021 galt eine Drittelregelung von Stadt, Land und Bahn. Inzwischen übernehme Hessen den Anteil der Kommune mit, berichtet Fink, der die Kosten noch nicht beziffert. In jedem Fall müssen jeweils zwei Lichtsignalmasten auf jeder Seite am "Kühtrieb" montiert, zudem Kabel gelegt werden. Zeitaufwendig sei der Umbau an sich nicht, weiß Fink. Vermessungen habe es dafür bereits gegeben. "Das Pfeifen hört auf, und die Übergänge sind besser gesichert", fasst Kündiger das Ergebnis zusammen und macht deutlich: Bisher sei die Maßnahme der Bahn aus Sicherheitsgründen notwendig und alternativlos. Ebenso wünschen sich die Bürger attraktive Bahn-Verbindungen - bis in die Nacht hinein und am frühen Morgen.

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