Ganz oben am Hühnerberg mit dem kleinen Gewerbegebiet (Hintergrund) beginnt das Areal, wo das Feuerwehrhaus entstehen könnte.
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Ganz oben am Hühnerberg mit dem kleinen Gewerbegebiet (Hintergrund) beginnt das Areal, wo das Feuerwehrhaus entstehen könnte.

Politik in Kelkheim

Was das "Ja" zur Fusion der Feuerwehren bedeutet

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Ohne Diskussion hat die Stadtverordnetenversammlung einen Grundsatzbeschluss zur Zusammenlegung der Feuerwehren in Kelkheim, Hornau und Fischbach gefasst. Den Stadtbrandinspektor und den Bürgermeister freut es. Nun wird geplant.

Der Tagesordnungspunkt in der Stadtverordnetenversammlung bot jede Menge Zündstoff: „Zusammenlegung der Feuerwehren Kelkheim-Mitte, Hornau und Fischbach an einem gemeinsamen Standort“ war da zu lesen. Doch überraschenderweise tauchte dieses Thema später nur noch einmal kurz auf: Es wurde in die Punkte einsortiert, die ohne Aussprache einfach abgestimmt werden – und fast alle Stadtverordneten hoben die Hand.

Hört sich nach einer klaren, einfachen Sache an – hat aber eine wesentliche höhere Bedeutung. Denn mit diesem Beschluss haben die Kelkheimer Politiker das wohl größte Bauprojekt des kommenden Jahrzehnts auf den Weg gebracht und grundsätzlich signalisiert: Ja, wir wollen ein gemeinsames Feuerwehrhaus der drei Wehren von Kelkheim-Mitte, Hornau und Fischbach. Wie das Kreisblatt Anfang September berichtet hat, arbeitet die Feuerwehr schon seit einiger Zeit an diesem Plan. Nachdem es durch die internen Gremien ging, wurden alle Brandschützer und die Fraktionschefs informiert. „Es sind alle in spannender Erwartungshaltung“, sagt Stadtbrandinspektor Alexander Kolata, der 2017 noch einmal antreten will (siehe „Info“). Wirklich ablehnende Stimmen habe er bisher nicht vernommen. Natürlich gebe es unterschiedliche Gefühlslagen – von den älteren Wehrleuten, die bereits mit Wehmut an eigene Mannschaften und Häuser zurückdenken, bis zu den Jüngeren, die am liebsten sofort umziehen würden.

Doch soweit ist es längst noch nicht. Die nun ohne großes Aufsehen beschlossene Vorlage ist erst mal ein Grundsatzbeschluss, dieses Projekt weiter voranzutreiben. Das befürworten die Stadtverordneten und wollen den Magistrat nun Details prüfen lassen. Sicher ist auch im Falle einer Fusion: Der Standort wird im Gebiet „Hühnerberg“ oder „Hornau West“ liegen. Mit Blick auf die Hilfsfristen, die Erreichbarkeit, die verkehrstechnische Anbindung, Städteplanung und die Finanzen soll die Verwaltung nun ein Konzept ausarbeiten.

„Ich war mittelmäßig erstaunt, dass es durchgewunken wurde“, sagt Kolata zum schnellen Beschluss. „Das ging geräuschlos. Ich bin absolut positiv überrascht.“ Auch die CDU habe überlegt, einen solchen Antrag zu stellen, sagt der Feuerwehrchef, der zudem Stadtverordneter für die Union ist. Doch Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) ist es wichtig, dieses bedeutende Thema in den Händen der Verwaltung und der Feuerwehr zu belassen. Ihn habe es aber ebenso „gewundert“, dass überhaupt keine Diskussion gewünscht wurde. „Ich halte es für absolut lohnenswert, es voranzubringen.“ Gerade die aktiven Feuerwehrleute sehen die Zusammenlegung als Chance. Denn kurz- bis mittelfristig müssen alle drei Gerätehäuser saniert werden, zudem können natürlich mit einem Gebäude einige Synergien erzielt werden.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg – für den es aber immerhin „grünes Licht“ gibt. Kündiger nennt einen Zeitplan von zehn Jahren, Kolata könnte sich das ein wenig schneller, vielleicht in acht Jahren, vorstellen. In jedem Fall hofft er, dass Ende 2017 ein Papier vorliegt, das Möglichkeiten einer Umsetzung aufzeigt. Dann könnte es 2018 einen Gebäudeplan und erste konkretere Angaben zu Kosten geben. Dem Kreisblatt hat Kolata mal „eine Summe zwischen 13 und 15 Millionen Euro“ für ein Haus mit rund 15 Fahrzeug-Stellplätzen auf etwa 10 000 Quadratmeter Fläche genannt.

Kolata wie Kündiger wissen, das trotz aller bisherigen Einigkeit noch ein schwerer Brocken im Weg liegt: das Verkehrsthema. „Das wird den meisten Diskussionsbedarf haben und einiges an Pulverdampf verursachen“, glaubt der CDU-Mann und Feuerwehrchef.

Die Union hat sich schon positioniert und möchte auf diesem Wege die „Gagernspange“ als Verbindung zwischen Fischbach und Hornau prüfen und umsetzen lassen. Eine Summe von 100 000 Euro sollte dafür im Haushalt 2017 reserviert werden. Dafür gab es zwar keine Mehrheit im Haupt- und Finanzausschuss, aber Kolata geht schon davon aus, dass die Stadt die erforderlichen Mittel für eine Verkehrsprüfung einsetzen wird.

„Die Verkehrsanbindung ist das A und O“, misst auch der Bürgermeister der Sache große Bedeutung bei. Wohl wissend, dass es gerade in seiner UKW-Gruppe Bedenken in Sachen Naturschutz gibt. Bauen im Außenbereich in dieser Dimension – „das ist für einige ein gewaltiger Schritt“, sagt Kündiger.

Der Bürgermeister und der Stadtbrandinspektor wissen, dass dieses Großprojekt nicht übers Knie gebrochen werden kann, aber auch nicht in der Schublade verstauben soll. „Es ist eine historische Chance“, sagt Kolata. Kündiger nennt es „eine große Nummer“. Die das Stadtparlament mit ziemlich kleinem Aufwand nun auf eine weite Reise geschickt hat.

(wein)

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