SPD-Vorsitzender Michael Hellenschmidt gratuliert der neuen Stadtverordnetenvorsteherin Julia Ostrowicki (SPD)
+
SPD-Vorsitzender Michael Hellenschmidt gratuliert der neuen Stadtverordnetenvorsteherin Julia Ostrowicki (SPD)

Konstituierende Sitzung des Stadtparlaments

Julia Ostrowicki neue Stadtverordnetenvorsteherin

Die neue Koalition aus CDU, SPD und FDP besteht die Feuertaufe im Kelkheimer Parlament. Es gab aber auch zehn Gegenstimmen. Die neue Stadtverordnetenvorsteherin Julia Ostrowicki richtet eine klare Botschaft an die Parlamentarier.

Kelkheim -Sie will eine Stadtverordnetenvorsteherin für alle sein. Das bestätigte Julia Ostrowicki am Montagabend gleich nach ihrer Wahl in der Stadtverordnetenversammlung. Sie begrüßte nämlich alle Neulinge in der Politik und namentlich die Mitglieder des Ausländerbeirats. Was ihr sofort den ersten Applaus einbrachte und ein deutlicher Fingerzeig auf die Politik-Kultur der kommenden fünf Jahre sein könnte.

Denn Ostrowicki stellte rasch klar, welche Philosophie sie verfolgt. Sie habe stets für "ihre" SPD Partei ergriffen. Nun sei ihre neue Rolle als Erste Bürgerin "neutral und überparteilich". Ehrlich räumte die 53-Jährige ein: "Wer mich kennt, der weiß: Das ist nicht einfach. Da muss ich ab und zu noch ein bisschen üben." Doch sie werde als neue Stadtverordnetenvorsteherin und Nachfolgerin von Wolf-Dieter Hasler (UKW) Partei ergreifen, "wenn es um unsere parlamentarische Demokratie, um unser Ansehen, um unsere Würde geht". Und sie werde sich für Anstand und einen "guten Umgang miteinander" in diesem hohen Haus einsetzen. Ostrowicki schloss ihre kurze, aber klare Ansprache mit dem Versprechen: "Dieses Partei-Ergreifen werde ich ab sofort tun", auch wenn sie am Anfang sicher noch Fehler machen werde.

In der ersten konstituierenden Sitzung bekamen die vielen Mandatsträger und Besucher aber schon einen Vorgeschmack, dass Ostrowicki hier ihre lange Erfahrung als ehrenamtliche Kommunalpolitikerin einfließen lassen wird. Souverän, bestimmt, aber auch mit einer Portion Lockerheit führte sie sich bestens ein in die starke Riege ihrer Vorgänger, die sie mit dem verstorbenen Klaus Fischer (20 Jahre Parlamentschef), Alexander Furtwängler und Hasler namentlich lobte. Sie selbst hatte "eine andere Lebensplanung", trat Ostrowicki gleich Gerüchten entgegen, sie wollte dieses Amt "um jeden Preis" haben. Der Posten in dieser Tradition, "so etwas lehnt man nicht ab". Es sei "Ehre und Verpflichtung" zugleich. Aber sie sehe es nicht nur als Pflichtaufgabe, sondern auch als Muss, die Stadt und ihre Menschen "nach außen zu vertreten". Ihr Vorgänger Hasler hatte in dieser Zeitung von der "Kür" dieses Amtes gesprochen.

Ostrowicki selbst kann nun auf breite Rückendeckung setzen. Die neue Koalition aus CDU, SPD und FDP, die sie auserkoren hatte, bestand den ersten Test. 26 Stimmen hat das Trio zusammen, aber 30 erhielt Ostrowicki. Zwei Zettel der von der UKW beantragten, geheimen Abstimmung waren ungültig. Denkbar, dass die Freien Wähler mit ihren drei Sitzen die SPD-Frau unterstützten, die UKW aber zum großen Teil dagegen votierte. Am Rande der Sitzung wurde später daran erinnert, dass vor fünf Jahren die CDU den UKW-Vertreter Hasler mitgewählt hatte. Ein kleines, erstes Grummeln, das auch direkt nach der Wahl für Ostrowicki zu erkennen war: Denn nur vier von fünf Fraktionen kamen sichtbar gleich zur Gratulation an ihren Platz.

Von Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) erhielt sie aber auf der Stadthallen-Bühne noch einen Blumenstrauß, um dann die Sitzungsleitung zu übernehmen. So wurden ihre Stellvertreter mit Doris Salmon (UKW), Thomas Kirst (CDU), Patrick Falk (FDP), Lisa Henties (SPD) und Ivaloo Schölzel (Freie Wähler) schnell bestimmt. "Auf eine gute Zusammenarbeit im Präsidium", sagte Ostrowicki, die dieses wichtige vorbereitende Gremium ebenso intensiv wie ihr Vorgänger nutzen möchte.

Intensiv waren auch die weiteren Personalien (Bericht folgt), allen voran des Magistrats. Der besteht nun aus Alexander Furtwängler, Thomas Weck, Wolfgang Zengerling und Neuling Michael Jung (alle CDU), Stefan Thalheimer, Rückkehrer Wolf-Dieter Hasler, Sabine Mündlein-Dosch und Eusebia Talavera-Lopez (alle UKW), aus Neuling Thomas Zellhofer (SPD, Text unten), Heinz Kunz und Neuling Kay Möller von den Freien Wählern. Dass hier bei der Wahl alles glatt ging, ließ Ostrowicki aufatmen. "Es ist anders als vor fünf Jahren. Ich bin fast erleichterter als bei meiner Wahl", sagte die Parlamentschefin. Damals gab es eine ungültige Stimme, die Freien Wähler verloren ihren einzigen Magistratssitz an die UKW, das Theater gleich zum Auftakt war groß.

Geboren ist die neue Stadtverordnetenvorsteherin in Frankfurt-Höchst, der Liebe wegen zog sie nach Kelkheim und blieb. Sie ist Diplom-Verwaltungswirtin und arbeitet an der Verwaltungsfachhochschule Wiesbaden, als Referentin International Teacher Education an der Universität Frankfurt. Nebenbei ist sie Fachtrainerin für Kommunikation und Business-Moderatorin. Ostrowicki ist seit 35 Jahren politisch aktiv, seit 11 Jahren im Parlament, war seit 2016 Fraktionsvorsitzende, ist 20 Jahre Kreistagsabgeordnete und Abgeordnete beim Landeswohlfahrtsverband. Zudem ist sie Vorsitzende des VdK-Ortsverbandes, Landessprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland, Stellvertretende Vorsitzende der Akademie für Kommunalpolitik Hessen und Mitglied im Vorstand der Politischen Bildungsgemeinschaft Hessen. In ihrer Freizeit schreibt sie Gedichte, Liebesgeschichten und entwickelt Podcasts. 2013 trat sie als SPD-Bürgermeisterkandidatin im benachbarten Eppstein an, holte bei ihrer Premiere 31,9 Prozent und Platz zwei hinter Amtsinhaber Alexander Simon von der CDU.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare