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Kahlschlag in Kelkheim

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Von: Manfred Becht

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Ein trister, weil blattloser Anblick, der bald noch trostloser wird: Allein in der Johann-Strauß-Straße müssen 37 Bäume abgeholzt werden. „Die Straße wird ihr Gesicht gewaltig ändern“, bedauert Bürgermeister Albrecht Kündiger.
Ein trister, weil blattloser Anblick, der bald noch trostloser wird: Allein in der Johann-Strauß-Straße müssen 37 Bäume abgeholzt werden. „Die Straße wird ihr Gesicht gewaltig ändern“, bedauert Bürgermeister Albrecht Kündiger. © Manfred Becht

Mehr als 70 Bäume müssen in den kommenden Wochen aufgrund von Sicherheitsbedenken gefällt werden. Bürgermeister Albrecht Kündiger rechnet mit zahlreichen Protesten.

Kelkheim. Auf den Termin hätte Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) nach eigenem Bekunden gerne verzichtet. Kein Rathauschef verkündet gerne, dass in seiner Stadt in großem Stil Bäume abgesägt werden sollen. Schon gar keiner, der der Partei der Grünen angehört. Wobei Kündiger betont, dass es unter den Parteien unumstritten sei, dass Bäume in der Stadt erhalten und möglichst noch zusätzliche angepflanzt werden sollen.

Manchmal muss allerdings doch die Kettensäge zum Einsatz kommen, so wie in den kommenden Wochen. In der ganzen Stadt geht es um etwas mehr als 70 Bäume, alleine 37 davon in der Johann-Strauß-Straße. „Die Straße wird ihr Gesicht gewaltig ändern“, ist Kündiger jetzt schon klar, ebenso wie die Tatsache, dass es zahlreiche Proteste geben wird.

Pilzbefall sorgt für Baumbruchgefahr

Den Zierkirschen, um die es in der Johann-Strauß-Straße vor allem geht, sieht man derzeit von außen gar keine Probleme an. Die Verwaltung hat daher Fotos mit zum Ortstermin gebracht, auf denen man die Fruchtkörper von Pilzen sieht, die dort im Sommer an den Stämmen wachsen. Die haben den Pflanzen im Innern so zugesetzt, dass sie nicht mehr stabil sind. Wenn es schlecht läuft, können bei starkem Wind ganze Bäume umstürzen. Aber schon ein herabstürzender Ast kann erhebliche Folgen für den Verkehr haben. Es seien auch Schulkinder dort unterwegs, betont Kündiger.

Er habe sich lange dagegen gewehrt, dass die betroffenen Bäume weg sollen, sagt der Bürgermeister. Aber die Stadt habe die Verkehrssicherungspflicht. „Wir müssen uns dieser Verantwortung schon stellen“, sieht er keinen anderen Ausweg. Verschwinden müssen auch einige der Birken, während die in Richtung Gewerbegebiet stehenden Platanen bleiben können.

Dass an manchen Stellen die Wurzeln der Bäume die Bürgersteige angehoben haben, sei ausdrücklich nicht der Grund für die Aktion. Letztlich seien von Anfang an die falschen Bäume gepflanzt worden, denn die Zierkirschen ragen in zu niedriger Höhe auf die Fahrbahn. Auch kommen sie mit den sehr kleinen Baumscheiben und dem stark verdichteten Untergrund dort nicht klar. Den Rest gegeben habe den Bäumen die Trockenheit der vergangenen Sommer.

Neue Bäume werden gepflanzt, aber Anzahl noch offen

Im Übrigen werden Zierkirschen ohnehin selten älter als 50 Jahre. Sie stehen jetzt schon fast 40 Jahre in der Johann-Strauß-Straße - aus Sicht der Verwaltung ist das an diesem schwierigen Standort, immer wieder auch dem Streusalz ausgesetzt, schon ein ordentliches Alter. Sie seien damals zwar in bester Absicht gepflanzt worden, aber eben die falsche Wahl gewesen, so Kündiger.

Natürlich will die Stadt es jetzt besser machen. Denn es werden neue Bäume gepflanzt. In welcher Zahl genau, das steht noch nicht fest, denn es sollen nicht wieder falsche Standorte gewählt werden. Die Pflanzen brauchen mehr Platz - wobei in der Johann-Straße-Straße die Fahrbahn so breit ist, dass ein Teil davon auch für das Grün verwendet werden könnte.

Das alles muss genau geprüft werden, Rücksicht nehmen müssen die Planer auch darauf, dass unter den Bürgersteigen einige Kabel liegen. Deshalb wird es mit den Neupflanzungen wohl auch noch bis zum Herbst dauern. Fest steht, dass Bäume ausgesucht werden, die mit dem Klimawandel und mit den besonderen Standortbedingungen besser zurechtkommen. Von Rot-Eschen und Rot-Ahorn ist die Rede.

Nicht überall, wo Bäume gefällt werden müssen, sei das Nachpflanzen einfach möglich, so Kündiger. Aktiv wird die beauftragte Firma etwa auch im Fischbacher Unterdorf. Besonders leid getan habe ihm die Fällung einer alten Trauerweide an der Theresienstraße, sagt Kündiger. Er hofft, dass dort eine zweite erhalten werden könne; sicher ist das nicht. Sicher ist dagegen, dass die Stadt nicht für jeden Baum so viel Geld ausgeben kann wie für eine alte Eiche am Schlosshotel Rettershof. Dort wurde schon ein höherer vierstelliger Betrag in Pflegemaßnahmen investiert mit dem Ziel, dass der Baum stehen bleiben kann. Freilich ist die Bedeutung der Zierkirschen an der Johann-Strauß-Straße nicht mit der einer solchen Eiche zu vergleichen.

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