Eichendorffschule

Kammerorchester unterstützt ein ungewöhnliches Projekt in Namibia

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Es wird eine ganz besondere Klassenfahrt: Im kommenden Jahr werden einige Mitglieder des Kammerorchesters der Eichendorffschue nach Namibia fliegen. Dort beteiligen sie sich an einem internationalen Jugendprojekt.

Olaf Heim ist in Sachen Musik schon viel herumgekommen. Der Lehrer und Fachbereichsleiter an der Eichendorffschule (EDS) war mit dem Sinfonieorchester unter anderem schon in Spanien. Doch das aktuelle Projekt ist auch für den erfahrenen Pädagogen und Dirigenten Neuland. So neu, dass er in diesem Sommer erst einmal auf Tuchfühlung ging. Sein Ziel war Namibia.

Doch Heim wollte nicht deutsche Eindrücke sammeln, sondern vielmehr „Yona“ besuchen. Diese Abkürzung steht für „Youth Orchestras of Namibia“ („Jugendorchester von Namibia“). Es handelt sich dabei um ein besonderes Projekt, bei dem junge Afrikaner in einer Schule zusammengebracht werden und erstmals auf einem Musikinstrument üben können. Die Grundschüler stammen aus den ärmsten Gegenden des Landes. Ein Ziel sei es, „dass sie aus ihrem Sumpf herauskommen“, weiß Heim, der sich das Quartier mit einem Guide angeschaut hat. Wenn die Kinder zum Musikunterricht gehen, sei dies ein Weg nach draußen.

Unter welch schweren Bedingungen „Yona“ Musik macht – das will Olaf Heim im nächsten Jahr dem Kammerorchester der EDS zeigen. Die Kelkheimer Schüler dürfen eine außergewöhnliche Reise antreten: zwei Wochen zu einem Projekt nach Namibia. In der ersten Woche sollen sie als „Lehrer“, als Mentoren den noch unerfahrenen „Yona“-Kindern helfen, zudem werden sie mit dem Orchester der „Deutschen Höheren Privatschule Windhoek“ üben. Die drei Gruppen werden dann in der Hauptstadt wohl drei Konzerte geben, zudem ist laut Heim ein Auftritt während Kulturprogramms in der zweiten Woche in der Küstenstadt Swakopmund geplant.

„Ich weiß jetzt, was mich erwartet“, sagt Heim. In seinem Wohnzimmer hat er den betroffenen Familien die Möglichkeiten einer solchen Reise präsentiert – nun sind alle

Feuer und Flamme

. Allerdings gibt es noch eine Hürde: So eine „Klassenfahrt“ der etwas anderen Art ist nicht ganz billig. Deshalb sammeln Heim und das Kammerorchester Spenden. Ein Baustein war hier das Benefizkonzert vergangen Donnerstag in der Evangelischen Kirche in Liederbach (siehe Text rechts). Weitere Auftritte der 18 Schüler im Alter von 13 bis 17 Jahren sollen folgen. Auch das Goethe-Institut soll eine Aufnahme des Konzertes erhalten – für eine mögliche Unterstützung. Das Institut hat auch den „Yona“-Kindern vor zwei Jahren die ersten Instrumente gegeben. Wenn die EDS nächstes Jahr fliegt, sollen ebenfalls einige Musikgeräte aus dem eigenen Bestand im Gepäck sein.

Das Projekt „Yona“ orientiert sich an dem Konzept „El Sistema“ aus Venezuela. Dort werde schon seit 1975 der soziale Wandel durch Musik aktiviert und finde inzwischen weltweit Nachahmer. „Yona“ habe die Vision, „das Leben der Jugend durch Musik, das Gefühl der Zugehörigkeit mit Selbstbewusstsein, die Bedeutung von Teamarbeit und einer starken Arbeitsmoral zu entwickeln“, so Heim. Leiterin des Projektes ist Gretel Coetze, eine Sängerin aus Südafrika. Von dort stammt auch Leana Alkema, eine Cello-Lehrerin in Frankfurt, die schon für „Yona“ unterrichtet hat. Über sie kam auch der Kontakt zur EDS zustande. Bereits im vergangenen Advent hat die Münsterer Schule ein Benefizkonzert für die Kinder in Namibia gegeben. Da die EDS Teil des städtischen Netzwerks „Kommune goes international“ ist, wurde aus dem Schritt nach Afrika schnell mehr als nur eine Idee. Es darf gerne noch mehr daraus werden: Im Unterricht könnten auch die Fächer Politik und Geschichte eingebunden werden. Und Heim denkt schon weiter: „Schön wäre es, wenn das ein Austausch werden würde.“

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