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Diese Maschine ist im Park im Einsatz.

Naturschutz:

Kelkheim: 17-Tonnen-Koloss "MUD" fischt nun im Trüben

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Weiher im Mühlgrundpark wird mit High-Tech-Gerät entschlammt, Gassigeher engagieren sich.

Hornau. Er heißt "MUD 2" nach dem englischen Wort für Schlamm, wiegt gut 17 Tonnen und ist mehr als 10 Meter lang: Ein solcher Koloss parkt derzeit in Kombination mit anderem schweren Gerät am Eingang zum Mühlgrundpark. Zwar wird der Rasen in Mitleidenschaft gezogen, doch das können die Kelkheimer wohl verkraften: Denn dank der modernen Technik wird der trübe Weiher jetzt entschlammt.

Fachfirma hat kurzfristig Kapazitäten

Es ist ein Projekt, das seit Jahren im Gespräch ist. Noch in Erinnerung ist der Auftritt von Sebastian Borst von der UKW, der im September 2018 eine Flasche Schlammwasser aus dem Weiher ins Stadtparlament mitgebracht hatte. Damit wollte die Fraktion ihren Antrag unterstreichen, dass Handlungsbedarf besteht. Nun hat die Stadt nach längerer Zeit eine Lücke der Fachfirma Amodis aus Frankfurt genutzt. Insgesamt zwei Wochen werde das Projekt dauern, sagt Bauleiter Kris Leers, während er mit Steffen Zander von einer Maschinenbaufirma am Koloss tüftelt. "MUD 2" hat es in sich: Über ein kleines Amphibienfahrzeug wird der Schlamm im Teich angesaugt und per Schlauch in die Maschine befördert. Dort durchläuft die Masse eine Dünnschlammpumpe. In zwei riesigen Behältern wird der Matsch mit biologisch abbaubaren Polymeren eingedickt und setzt sich ab. Über die Dickschlammpumpe und ein Förderband gelangen die festeren Schlammpakete zum Abtransport auf Lastwagen. Sie enthielten immer noch rund 50 Prozent Wasser, erklärt Leers. Aber könnten so vernünftig entsorgt werden.

Das Kelkheimer Projekt ist für Amodis eher ein kleiner "Fisch". Leers rechnet hier vielleicht mit rund 120 Tonnen Schlamm. Beim Auftrag zuvor in einem Seitenarm der Donau bei Regensburg seien etwa 10 000 Tonnen entnommen worden, vergleicht er. Die Kinder der Kita "St. Franziskus", die gerade im Garten ein Lied singen, interessiert dieser Technik-Koloss nicht so sehr. Die Bürger schon eher. Ein Herr kommt vorbei und wundert sich. Der Teich werde entschlammt, erfährt er und findet: Das sei bitter nötig. Gleicher Meinung ist auch Elfriede Lindner. "Was war das früher mal so schön", erzählt sie. Da habe es sogar einen Springbrunnen im Weiher gegeben.

Lindner ist dort jeden Morgen mit Hund Toni unterwegs. Dort treffen sie auf andere Vierbeiner namens Willi, Linus, Anton, Betta, Bandit, Odin, Bootsmann und Emma. Nur die verstorbene Maggy ist nicht mehr dabei. Die Gassigeher am anderen Ende der Leine haben den Weiher sehr genau im Auge, weiß Sigrun Horn, die lange Zeit selbst früh morgens dabei war. Claudia und Ulf aus der Runde hätten sich sogar regelmäßig getroffen, um den oft verstopften Zulauf von Dreck und Ästen zu befreien. Als im Sommer der Weiher mal wieder austrocknete, initiierte die Hundegruppe eine Sammelaktion für frisches Wasser. Den Spezial-Einsatz der Feuerwehr bezahlte die Stadt, während sich die Brandschützer über 250 Euro Spende von den Gassigehern freuten. "Hauptsache, der Teich wird gerettet", findet Sigrun Horn, die sich ebenso die Reaktivierung eines Springbrunnens wünschen würde. Der ramponierte Rasen werde sich bis zum nächsten Frühjahr wieder erholen. Dann wird sich wieder allerlei Getier hier tummeln: neben den Hunden, die sich untereinander gut verstehen und selbst laut Horn "sozialisieren", die Gänse als unmittelbare Teichbewohner, die Fische im Wasser und der silberfarbene Reiher Alfred. Froh sind alle, dass die Nilgans-Störenfriede nicht mehr da sind. Sogar ein Waschbär sei mal auf dem Baum gesichtet worden.

Die Stadt ist froh, das Projekt jetzt dank kurzfristiger Kapazitäten der Firma umsetzen zu können. Laut Bürgermeister Albrecht Kündiger werde das schon viele Jahre gefordert. Gelder standen bereits zur Verfügung, er rechnet mit Kosten von rund 85 000 Euro. Der saubere Weiher sei eine wichtige "Grundlage für die Attraktivierung" des Parks, betont Kündiger. Die Gärtner der Stadt werden das mit einer neuen Bepflanzung begleiten, auch abgestorbene Bäume sollen gefällt werden. Es gebe viele weitere Ideen wie einen Bürgergarten, weiß der Rathauschef, sagt aber dazu: "Bitte überfrachtet mir den Park nicht. Ein schöner Park als Naherholung, das würde mir reichen." Einen Springbrunnen im Teich sieht er aktuell wegen der hohen Unterhaltungskosten nicht.

Die Enten fühlen sich am trüben Weiher wohl.

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