Tolle Atmosphäre, aber dichtes Gedränge: der Weihnachtsmarkt am Kirchplatz Münster.
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Tolle Atmosphäre, aber dichtes Gedränge: der Weihnachtsmarkt am Kirchplatz Münster.

Main-Taunus-Kreis

Kelkheim: Alle Weihnachtsmärkte fallen wegen Corona aus

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Die Standorte der Weihnachtsmärkte in Kelkheim sind zu schlecht zu kontrollieren, um einen Corona-konformen Ablauf zu gewähren.

Kelkheim – Kriftel will es mit einem Budenzauber im Advent versuchen, aus vielen anderen Orten im Main-Taunus-Kreis kamen noch keine Signale. Wohl aber jetzt aus der Möbelstadt: Wie eine Anfrage dieser Zeitung ergeben hat, sind die drei großen Weihnachtsmärkte in Fischbach, Kelkheim und Münster abgesagt. Es wird also weder Buden am ersten Adventswochenende rund um die Fischbacher Kirche, noch eine Woche später in der Stadtmitte Süd und auch nicht am 3. Advent am Kirchplatz in Münster geben.

Kelkheim: Organisator des Ortsteils Münster Kunz - „Wir sind ja löchrig wie ein Schweizer Käse“

Die drei Austragungsorte sind jeweils das Problem für die Veranstalter. Die Flecken für die Weihnachtsmärkte, von vielen Bürgern wegen ihrer besonderen Atmosphäre sehr geschätzt, haben einfach zu viele Zugänge, die nicht kontrolliert werden können. „Wir sind ja löchrig wie ein Schweizer Käse“, sagt zum Beispiel Heinz Kunz, der die Fäden in Münster zieht. „Wie sollen wir das zu machen?“ Und einige Tausend Besucher auf engstem Raum zwischen den Buden – das sei selbst in abklingenden Pandemie-Zeiten nicht zu verantworten.

Kunz sieht das Risiko für Ehrenamtliche und Besucher als zu hoch an. „Wir wollen nicht schuld sein, dass hier irgendwas ausbricht.“ Auch sei es nicht möglich, einen bestimmten Personenkreis auf dem Festgelände einzuschließen und andere vor den Türen stehenzulassen. Letztlich sei ein Gedränge beim Weihnachtsmarkt ja durchaus gewollt und mache die Atmosphäre mit aus.

Weinachtsmarkt in Kelkheim-Stadtmitte ebenfalls abgesagt: „Es hat dieses Jahr noch keinen Sinn“

Kunz fasst zusammen: „Der Weihnachtsmarkt ist für die Bürger, für die Kinder.“ Wenn Kleine mit leuchtenden Augen vielleicht nicht zum Nikolaus dürfen - das könne es nicht sein. „Die Leute wollen feiern, aber so hat es keinen Sinn.“ Deshalb haben sich der Vereinsring und die Bürgervereinigung Alt-Münster jetzt entschieden, den Markt abzusagen. Vorstellen kann sich Kunz vielleicht das Weihnachtsbaum-Schmücken der Kinder in kleiner Runde oder ein Karussell für Kleine zu spendieren.

„Es hat dieses Jahr noch keinen Sinn“, stimmt Norbert Ackerstaff in die Absage-Runde mit ein. Er hat den Hut im Vereinsring für den Kelkheimer Weihnachtsmarkt in der Stadtmitte Süd auf. „Wir wissen ja nicht, was am 2. Advent ist“, sagt er mit Blick auf die offene Corona-Entwicklung. Und auch an diesem Standort gibt es zig Zugänge, die kontrolliert, zudem wegen Terror-Vorbeugung abgeriegelt werden müssten. Hier Security-Personal zu beauftragen, das würde viel Geld kosten, was nicht auf die Standbetreiber umgelegt werden solle, so Ackerstaff. Um es ehrenamtlich stemmen zu können, fehlen Helfer.

Die Kelkheimer Veranstaltung sei ein Markt vor allem der Vereine, „sie legen sonst noch drauf“, fürchtet der Mitorganisator. Fragen wie 2 G oder 3 G, kostenpflichtige Tests und andere Rahmenbedingungen schweben als dunkle Wolken über einem solchen Fest. Und Ackerstaff findet: „Wenn, dann wollen wir es hundertprozentig machen.“

Kelkheim-Fischbach: Kosten für Corona-Maßnahmen bei Weihnachtsmarkt zu hoch

In Fischbach klingt das ähnlich. Ralf Fischer, Vorsitzender des ausrichtenden Kerbevereins, hat mit seinem Team vor wenigen Tagen die Absage beschlossen. „Wir waren wirklich guter Hoffnung, dass wir das machen können“, sagt er. Lange habe der Verein gewartet, doch keine Lösung für die Standort-Problematik gefunden. Der kleine Verein könne doch nicht das Gelände rund um die Kirche komplett einzäunen. Und selbst wenn, dann fehle ihm das Personal dafür. Laut Fischer stemmen die Kerbeleute den Weihnachtsmarkt mit acht Personen. Ein Sicherheitsdienst wäre zudem nötig, aber kaum bezahlbar.

Das nächste Problem für den Vorsitzenden: Die Leute dürfen an den Ständen nicht stehen bleiben, was ja gerade die Atmosphäre ausmache. Für viele weitere Sitzgelegenheiten hinter der Kirche reiche der Platz nicht. Auf die Langstraße ausweichen, das sei schwierig, weil diese dann mehrere Tage gesperrt werden müsste. „Du steckst da in einer Zwickmühle drin. Aber es ist die vernünftigste Lösung im Moment“, fasst Fischer die Lage zusammen.

Kelkheim – Kerbeverein Fischbach zu Kritikern: „Sie dürfen selbst mal helfen“

Ganz und gar nicht verstehen kann er, dass die ehrenamtlich engagierten Helfer aus dem Kerbeverein für die Entscheidung vor allem in den Sozialen Netzwerken im Internet noch kritisiert und zum Teil angemeckert werden. So heißt es dort zum Beispiel: „Ich verstehe das nicht, mit Bändchen am Arm - am Eingang kontrolliert (geimpft, getestet, genesen) sollte es gelingen. Wir machen uns selbst das Leben schwer.“

Fischer ärgern solche und zum Teil heftigere Kommentare. So manchen Schreibern habe er angeboten, „sie dürfen selbst mal helfen“. Für den Verein ist das Thema durch. An diesem Wochenende wäre Kerb gewesen, die wurde auch abgesagt. Bei einem internen Treffen können die Mitglieder aber vielleicht die Pläne für 2022 schmieden. (Frank Weiner)

Kelkheim ist einer der sichersten Orte im Main-Taunus-Kreis. Diese Pläne hat die neue Leiterin der Kelkheimer Ordnungshüter.

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