Der Entwurf von Hans-Joachim Gauger.
+
Der Entwurf von Hans-Joachim Gauger.

Neubau:

Kelkheim: Atzelbergturm: Politik lässt "Rakete" starten

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
    schließen

Trotz Initiativen: Verfahren wird nicht aufgerollt.

Kelkheim. Am Montag, 31. Mai, um 19.30 Uhr wird im Parlament noch einmal über den Atzelbergturm beraten. Deutlich wird auf Nachfrage dieser Zeitung, dass die Politik das Verfahren nicht noch einmal neu aufrollen will. Es gibt Initiativen für eine Umplanung, darunter eine Petition sowie Gegen-Entwürfe (Text unten). Aber zudem einen Entwurf des Kelkheimer Architekten Detlef Schreiber, der auch "Rakete" genannt wird und schon lange in der Planung ist.

Die CDU beabsichtigt, "der jetzt vorliegenden und beschlossenen Entwurfsplanung in der geänderten Form zuzustimmen", teilt Fraktionschef Stephan Laubereau mit und meint damit den Verzicht auf das Dach. Dass dieses Thema "noch einmal so hochkocht", sei "etwas überraschend". Der Entwurf sei Anfang 2020 in einer Bürgerversammlung unter großer Beteiligung vorgestellt worden. "Über Ästhetik lässt sich bekanntermaßen streiten", betont Laubereau. Wichtig ist ihm: "Die Einwände zur Sicherheit und zum Thema Mobilfunkmasten wurden von uns geprüft und für nicht stichhaltig befunden. Die Sicherheit ist ein Thema der Bauaufsicht." Mobilfunkmasten seien nicht geplant. Neu aufrollen will die CDU das auch wegen der rund 90 000 Euro nicht, die womöglich umsonst ausgegeben wären.

Die UKW hat sich mit den Initiatoren der Petition getroffen und findet die Aktivitäten gut. Sie werde die "grundsätzliche Entscheidung aber nicht revidieren", so Fraktionschefin Doris Salmon. Bedenken zur Sicherheit seien ausgeräumt, auch bei der Bürgerversammlung habe kaum jemand Widerstand geäußert. Das nun zu äußern, sei nicht "zielführend". Die Politik habe auch "eine Verpflichtung gegenüber den Besuchern der Versammlung", ergänzt Maximilian Alter, der mit Salmon die Fraktions-Doppelspitze bildet. Letztlich sei die Gestaltung immer Geschmacksache. Offen sei die UKW aber für kleinere Veränderungen, etwa eine Umhüllung in Kupferfarben. Funkantennen kommen für sie nicht in Frage.

SPD-Fraktionschef Michael Hellenschmidt sagt, mit keinem Entwurf werde es die Stadt allen recht machen. "Insofern ist die SPD-Fraktion dafür, den jetzt sich schon im Fortschritt befindlichen Prozess weiter zu verfolgen und das Verfahren nicht von Neuem zu starten." Bei den Sicherheitsbedenken (Begehbarkeit, Bergungsmöglichkeiten, Rettungswege im Brandfall) "haben wir Vertrauen in Architekt, Feuerwehr und den Main-Taunus-Kreis, dass hier die notwendigen Bauvorschriften und Kontrollen beachtet bzw. durchgeführt werden". Den Verzicht auf Mobilfunk-Antennen habe die Stadt zugesichert, sie seien wegen des benachbarten Funkturms auch nicht nötig. Zur Optik fügt er an: "Bis 1976 gab es einen Stahlfachwerkturm, danach zwei Versionen aus Holz, die in Flammen aufgingen. Eine neue Stahlkonstruktion ist damit nicht außerhalb der Tradition."

"Wir sind überrascht, dass erst jetzt an der Planung Kritik geübt wird und verschiedene Gegenvorschläge gemacht werden", teilt Fraktionschef Michael Trawitzki mit. Deshalb werde die FDP am Montag zustimmen. "Die vielen Hinweise, Vorschläge und Wünsche, die wir in letzter Zeit von den Kritikern erhielten, haben inhaltlich nicht ausgereicht, damit wir unsere Meinung zu dem Projekt noch einmal überdenken." Da bereits die 90 000 Euro angefallen sind, wäre es den Bürgern "wohl auch schwer zu erklären, auf welcher Grundlage man das Verfahren nun noch einmal komplett neu aufrollen will". Trawitzki: "Wir sind sicher, dass sich der neue Atzelbergturm in kurzer Zeit wieder zu einem beliebten Ausflugsziel entwickeln wird."

Auch die Freien Wähler hätten sich gewünscht, "diese Debatte wäre rechtzeitig geführt worden". Die "kompetenten Vorschläge" kämen "sehr spät", die Fraktion sieht "zurzeit kein verbindliches Signal der Politik, das Turmprojekt neu zu starten". Kleine Maßnahmen seien denkbar, etwa das glänzende Sicherheitsnetz aus Stahl gegen Kupfer einzutauschen. Das könnte das "Raketen-Design" etwas "mildern und an die Waldumgebung anpassen", so Fraktionschefin Ivaloo Schölzel. Ein Dank gehe aber an die Initiative, die die Bedeutung des Turms ins Bewusstsein gerufen habe.

Gegen-Entwurf von Architekt Gauger

Acht Ecken könnte er im Grundriss haben, gut 33 Meter hoch sein, mit einer geräumigen Aussichtsplattform oben, breiten Treppen samt Zwischen-Plateaus darunter: So stellt sich Hans-Joachim Gauger den neuen Atzelbergturm in Eppenhain vor. Der Fischbacher ist bekannt als Baumeister des "Kleeblatt-Hauses" in seinem Wohnort und hat dort mehr als 50 Jahre als Architekt gewirkt. Nun schaltet sich Gauger noch in die Diskussion um den Turm ein. "Ich habe die Vorschläge nicht erstellt, um den Auftrag zu bekommen, da ich mein Büro aus Altersgründen schon vor einiger Zeit geschlossen habe, bin aber als Architekt und Kelkheimer Bürger daran interessiert, dass ein solches Bauwerk nach Vollendung von allen als ,gelungen' anerkannt wird", schreibt er an Bürgermeister Albrecht Kündiger und seinen Architekten-Kollegen Detlef Schreiber. Dessen Entwurf ist vor allem aus Sicherheitsgründen in die Kritik geraten, es gibt eine Petition mit Unterschriften für eine Neugestaltung sowie einen weiteren Entwurf des Ruppertshainer Künstlers Christian Hack. Gauger betont: Die geplante schmale Wendeltreppe berge "eine erhebliche Unfallgefahr bei der Begegnung der Auf- und Abwärtsbegehung". Der Test einer solchen Treppe am Rettershof sei nicht geeignet, handele es sich doch nur um einen Fluchtweg. Der Atzelbergturm solle ein Ausflugsziel werden. Gauger schlägt geradläufige Treppenteile, mindestens 1,25 Meter breit mit Podesten, eine Art vertikaler "Baumwipfelpfad", vor - und rät zur Umplanung.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare