Der Starenkasten am Gagernring in Richtung B 8 hat so manchem Autofahrer das Leben schwer gemacht. Doch jetzt ist er nicht mehr "scharf".
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Der Starenkasten am Gagernring in Richtung B 8 hat so manchem Autofahrer das Leben schwer gemacht. Doch jetzt ist er nicht mehr "scharf".

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Kelkheim: Auch der Blitzer am Gagernring hat nur noch eine "Schreck-Wirkung"

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Stadt zahlt bei Jahresbilanz drauf. Es gibt keine Eichung für den bekannten Starenkasten in Hornau.

Kelkheim. Die Stadt bekommt bald zwei neue Blitzersäulen an der B 519 in Höhe der Ausfahrt Kelkheim, die in beide Richtungen messen. Dass dies nötig ist, zeigten zuletzt die Kontrollen der Polizei, bei denen zahlreiche Verstöße festgestellt wurden. Unter anderem passierte ein Raser die Stelle mit "beachtlichen" 161 Kilometern pro Stunde, obwohl dort Tempo 60 gilt. In Richtung Königstein wurde dieses Limit nach einem schweren Unfall mit einem Todesopfer Anfang 2019 eingeführt. Danach stellte die Polizei ein mobiles Kontrollgerät auf und ermittelte, dass dort nahezu jeder zweite Fahrer zu schnell unterwegs sei. Deshalb einigten sich alle beteiligten Behörden auf die Installation eines Blitzers. Der soll nach Verzögerungen mit dem Stromanschluss eigentlich noch im Juni kommen.

Während die Stadt an der Stelle also neue Kontrollgeräte hinzu bekommt, hat sie an zwei anderen Orten Blitzer verloren. Bekannt ist, dass die beiden Starenkästen an der Fischbacher Straße nicht mehr in Betrieb sind. Nach der Sanierung der Fahrbahn im Jahr 2012 "wurden dort aus Kostengründen keine neuen Messstreifen mehr eingebaut", heißt es wieder im Jahresbericht von Ordnungsamtsleiter Torsten Kleipa zu Ergebnissen der Geschwindigkeitsmessungen in Kelkheim. Die Blitzer an der Fischbacher Straße werden wohl nicht mehr in Betrieb gehen, weil "keine befürwortende Stellungnahme der Polizeiakademie vorliegt".

Zudem ist auch ein dritter Starenkasten in der Stadt nicht mehr aktiv. Die Messstelle am Gagernring hat höchstens noch abschreckende Wirkung. Das Problem: Die Eichung sei aufgrund von Verformungen in der Fahrbahn nicht bestanden worden, teilt Kleipa mit. Neue Sensoren und die Eichung würden Kosten von rund 10 000 Euro verursachen. "Zuletzt wurden nur 0,26 Prozent aller Fahrzeuge dort ,geblitzt'. Daher wurde vom Einbau neuer Sensoren abgesehen."

Gut 88 000 Wagen mobil erfasst

Die anderen Starenkästen im Stadtgebiet sind hingegen "scharf". An der Langstraße in Fischbach wurden 502 Verstöße gegen die Einfahrt aus Richtung Unterdorf festgestellt. Zudem waren 133 Fahrer um mehr als 8 Kilometer pro Stunde zu schnell. Am Haingraben fuhren weitere 206 Autos in die verbotene Einfahrt. Vor der Rossert-Schule in Ruppertshain wacht ebenfalls ein fester Blitzer. Er kontrollierte die Fahrzeuge vor allem bergab an 161 Betriebstagen, wobei 741 Fahrer zu schnell waren. Bergauf nahm der Starenkasten die Autos zwar nur an 47 Tagen unter die Lupe - doch da wurden sogar 869 Verstöße registriert.

Mit ihrer mobilen Messanlage wiederum hat die Stadt im Vorjahr mehr als 88 000 Fahrzeuge erfasst - in 324 Stunden und an 89 Orten. Knapp sieben Prozent, gut 6000 Fahrer, waren jeweils zu schnell unterwegs und bekamen ein "Knöllchen". Für 652 Personen wurde es teurer, weil sie mit mehr als 23 Sachen über dem erlaubten Limit an der Kontrollstelle vorbeirasten. Die meisten Messungen gab es an der B519 und der B455, wo jeweils auch einige der extremen Raser erwischt wurden. Die Ordnungspolizei hat zudem noch 4521 Strafzettel verteilt, so dass die Stadt bei diesen Verwarnungsgeldern im vergangenen Jahr knapp 213 000 Euro eingenommen hat. Weitere gut 13 500 Euro kommen aus Kassel vom Regierungspräsidium anteilig hinzu, wo die extremen Tempo-Überschreitungen und Handyverstöße gelandet sind.

Dass eine Kommune mit "Knöllchen" Geld verdienen kann, ist meist ein Märchen. Die Stadt Kelkheim jedenfalls legt im Sinne der Sicherheit drauf. Denn sie hat für diesen Bereich im vergangenen Jahr gut 305 000 Euro ausgegeben, darunter allein fast 275 000 Euro an Personalkosten für 3,25 Stellen der Ordnungspolizei, für 40 Prozent der beiden Stellen für die Nachtstreife sowie für eine Kraft im Rathaus zur Nachbearbeitung.

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