Gratulation am Wahlabend, künftig wohl doppelte Zusammenarbeit: Dirk Hofmann (CDU, r.) ist Teil der Koalition und soll Erster Stadtrat werden. Bürgermeister bleibt aber Albrecht Kündiger (UKW).
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Gratulation am Wahlabend, künftig wohl doppelte Zusammenarbeit: Dirk Hofmann (CDU, r.) ist Teil der Koalition und soll Erster Stadtrat werden. Bürgermeister bleibt aber Albrecht Kündiger (UKW).

Politik:

Kelkheim: "Auf der Grundlage kann man zusammenarbeiten"

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Bürgermeister sieht viele Schnittmengen mit neuer Koalition, kritisiert aber die Kommunikation.

Kelkheim. Vor wenigen Tagen hat Bürgermeister Albrecht Kündiger ein Gespräch mit Alexander Furtwängler geführt. Die beiden Herren haben die Politik in den vergangenen Wochen bestimmt. Kündiger ist für die UKW als Bürgermeister wiedergewählt worden, CDU-Parteichef Furtwängler hat Regie geführt bei der Bildung einer Koalition - die allerdings nicht mit der UKW, sondern mit SPD und FDP besiegelt wurde. Natürlich haben beide auch über das Bündnis gesprochen. Doch vor allem hat Kündiger Furtwängler auf seine neue Rolle vorbereitet. Denn der CDU-Mann bleibt nicht nur Stadtrat, sondern ist auch offiziell der Stellvertreter des Rathauschefs.

Dieses Thema wäre also geklärt. Doch mit Blick auf die neue Koalition äußert sich der Bürgermeister nun erstmals öffentlich über offene Dinge. Das Wahlprogramm, das er bisher nur in dieser Zeitung habe lesen können, enthalte ja auch sehr viele UKW-Positionen und einige alte Anträge (Text rechts). "Auf der Grundlage kann man zusammenarbeiten." Letztlich sei die Koalition mit seinen Positionen und denen der UKW "sehr übereinstimmend". So dass nun Kündiger die Partner dazu einlädt, seinen Weg weiter mitzugehen. "Wenn das gilt, kommen wir in Kelkheim ein Stück voran", sagt Kündiger.

Allerdings übt der seit 2015 amtierende Rathauschef auch Kritik. Vor allem am derzeitigen Vorgehen. Außer dem Gespräch mit Furtwängler, das eigentlich einen anderen Hintergrund hatte, habe noch kein Koalitionär, kein Fraktionschef das Treffen mit ihm gesucht. In der Vereinbarung von CDU, SPD und FDP heißt es: Dem Bürgermeister werde ein "kameradschaftliches Miteinander auf Augenhöhe" angeboten. Das möchte Kündiger auch. "Ich bin gerne bereit, mit ihnen zusammenzuarbeiten und zu jedem Gespräch offen." Doch bislang wurde dieser Kontakt nicht gesucht, wundert sich der Rathauschef schon etwas. Schließlich bestehe die Koalition nicht nur aus CDU-Parteichef Furtwängler, sondern vor allem aus den Fraktionsvorsitzenden des Trios, mit denen er vor allem künftig arbeiten werde.

Im Vertrag hat Kündiger ansonsten zunächst zwei Punkte ausgemacht, bei denen er nicht mit dem Trio auf einer Wellenlänge liegt. Klar war, dass Bürgermeister und UKW eine offene "Gagern-Spange" als neue Straße nicht unterstützen. CDU, SPD und FDP halten sie als Umgehung des Nadelöhrs am Bahnübergang aber für wichtig. Kündiger sagt indes deutlich: "Ich rechne damit, dass es ein Bürgerbegehren geben wird." Eine Initiative auch gegen die Bebauung des Areals "Hornau-West" gibt es bereits. Der Bürgermeister geht davon aus, dass letztlich die Kelkheimer über diese Projekte entscheiden werden.

Widerstand gegen Personalie Falk

Knackpunkt zwei muss aber politisch gelöst werden und birgt Zündstoff. Die Koalition strebt eine neue Stadtmarketinggesellschaft an, in der FDP-Parteichef Patrick Falk eine Führungsrolle spielen soll. "Da wird es Widerstand geben", kündigt der Bürgermeister bereits an. Er wolle die Politik aus den kommunalen Gesellschaften im Tagesgeschäft heraushalten, diese Zeiten seien in Kelkheim lange vorbei, redet der UKW-Mann Klartext. Es könne ja nicht erst der Posten besetzt und dann die Aufgabe einer solchen Gesellschaft definiert werden.

Ob FDP-Mann Falk dafür dann geeignet sei, diese Frage könnte nicht mehr geprüft werden. Brisant ist die Sache auch, weil Falk als Bürgermeisterkandidat gegen Kündiger angetreten war. Der UKW-Vertreter hatte hier nicht immer einen fairen Wahlkampf gesehen. Spannend also, wie es mit der Personalie weitergeht. Kündiger sieht auch diese Gesellschaft an sich noch nicht, denn bei der Wirtschaftsförderung habe sich mit steigenen Gewerbesteuereinnahmen und bis zu 40 an Kelkheim interessierten Firmen schon einiges getan.

Unter dem Strich ist Kündiger schon überrascht, dass die CDU als stärkste Fraktion den Weg mit SPD und FDP gewählt habe. Die Mehrheit mit der UKW wäre deutlich stabiler gewesen - das wäre gerade bei unpopulären Entscheidungen von Vorteil gewesen. Zudem sei eine Zusammenarbeit von Schwarz und Grün ja zum Beispiel auch auf Kreisebene seit 2015 gut gelaufen.

Direkt mit einem CDU-Mann zusammenarbeiten wird der UKW-Rathauschef wohl in absehbarer Zeit. Denn die Koalition will Unions-Bürgermeisterkandidat Dirk Hofmann zum hauptamtlichen Ersten Stadtrat machen. Das Angebot, hier auf Augenhöhe zu wirken, hat Kündiger für den Fall einer Koalition mit der UKW schon ausgesprochen. Es gelte weiterhin, bekräftigt er. Allerdings koste der neue Posten einiges Geld. "Geld, das eigentlich nicht da ist", so Kündiger.

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