Neues, aufmerksames Duo: Der Sensor (r.) registriert die Autofahrer an der B 519, der Blitzer (Mitte) fotografiert Raser unter ihnen.
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Neues, aufmerksames Duo: Der Sensor (r.) registriert die Autofahrer an der B 519, der Blitzer (Mitte) fotografiert Raser unter ihnen.

Verkehr

Neuer Blitzer an der B519 in Kelkheim hat überall Augen

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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An der Bundesstraße B519 bei Kelkheim steht ein neuer Blitzer. Die Anlage hat einige Tricks auf Lager. Die ersten Raser hat sie schon erwischt.

Kelkheim – Gestern Vormittag um Punkt 9.11 Uhr hat eine neue Zeitrechnung begonnen. Rechnung im wahrsten Wortsinn, denn es geht um Zahlen. Mit 83 Kilometer pro Stunde rast ein Auto aus Richtung Königstein auf der B 519 in den neuen Blitzer. Der steht seit Mittwoch auf Höhe der Ausfahrt Kelkheim und ist seit gestern Morgen nun "scharf". Jasmin Jäckel, Nicola Schlauß, Tarik Dardour und Ade Chouetar vom Kelkheimer Ordnungsamt nehmen die Anlage mit wenigen Wochen Verspätung in Betrieb und schauen auch gleich mal eine Zeit lang nach dem Rechten.

Neuer Blitzer in Kelkheim: Acht Raser in der ersten Stunde

Gleich zu Beginn müssen sie sogar kurz die Autos anhalten, um die Fotolinie zu testen. Auf ihrer Höhe wird der Fahrer von sechs kleinen Lichtsensoren im Herzstück der Anlage registriert. Ist er dort zu schnell, lösen die beiden Blitzer in der jeweiligen Fahrtrichtung aus und machen ein Foto der Raser. In der ersten Stunde gibt es deren acht davon - drei in Richtung Königstein bei 168 Fahrzeugen insgesamt, fünf während der Fahrt nach Hofheim bei 180 kontrollierten Wagen.

Doch das Quartett weiß: Es werden in den nächsten Tagen sicher mehr. Weil die vier Kräfte des Ordnungsamtes und ihre Fahrzeuge gut zu sehen sind, könnten viele Fahrer jetzt noch auf die Bremse treten. "Ich glaube, dass es relativ viele Treffer geben wird, bis sich die Leute dran gewöhnt haben", vermutet Jasmin Jäckel, die im Ordnungsamt unter anderem für die Auswertung der Zahlen zuständig ist.

Blitzer in Kelkheim: Mobiles Gerät der Stadt wandert

Am Mittwoch ist die Anlage aufgebaut worden. Die Kontrollstation hat eine Besonderheit: Die Stadt hat nur die beiden Säulen und den Kasten des Sensors anschaffen müssen, die Technik liefert ihr bereits bewährter mobiler Blitzer. Das bedeutet, diese Anlage ist nicht nur in den neuen Gehäusen zu finden. Am Anfang werde sie dort aber erst einmal bleiben, kündigt Jäckel schon an. Und auch später kann ein Autofahrer also niemals sicher sein, eine leere Hülse vor sich zu haben.

Schon beim Aufbau seien die Kelkheimer Kräfte beschimpft worden, ärgern sich die vier Mitarbeiter über wenig einsichtige Fahrer. "Da kommen die Schimpfworte von A bis Z, wobei A wie Abzocke noch das harmloseste ist", sagt Nicola Schlauß. Dabei tun sie nur ihre Arbeit.

Und sie setzen vor allem das in die Tat um, was von allen Seiten gewollt ist. Die Stadt, die Kommunalpolitik, der Kreis, das Land und die Polizei - sie alle haben sich für diesen Blitzer stark gemacht. Ausgangspunkt war ein Unfall Anfang 2019, bei dem ein junger Motorradfahrer aus Kelkheim ums Leben kam. Danach ordnete der Kreis eine Reduzierung von Tempo 80 auf 60 in Richtung Königstein an (nach Hofheim galt diese Begrenzung bereits), und die Polizei stellte ein mobiles Messgerät auf. Das erschütternde Ergebnis: Gut jeder Zweite war hier zu schnell unterwegs. So einigten sich alle Seiten schnell auf den Blitzer, wobei in der Kelkheimer Politik auch ein Kreisel diskutiert wurde. Nach einigen Verzögerungen, etwa durch die Verlegung des Stroms in den Außenbereich, ist die Anlage nun in Betrieb gegangen. Die Mitarbeiter werden trotz der Technik auch immer wieder nachschauen, ob alles in Ordnung ist, kündigt Nicola Schlauß aber an.

Blitzanlage in Kelkheim: Angehörige begrüßt Installation

Mit großem Interesse beobachtet gestern Morgen auch eine Kelkheimerin das Geschehen. Sie steht auf der Grüninsel an der Kreuzung und gießt die Blumen an der kleinen Gedenkstelle für den verunglückten Motorradfahrer. Sie sei eine Angehörige, möchte aber nicht mit ihrem Namen in die Zeitung. Klar ist für sie hingegen: Es sei gut und wichtig, dass es den Blitzer nun gebe. Auch die Familie habe sich dafür eingesetzt. Ein wenig tröstend sei das nun. Doch sie hat auch schon beobachtet: "Die fahren hier erst langsam, danach wird wieder Gas gegeben. Denn sie können ja bald wieder 80 fahren."

Blitzanlage hat besondere Fähigkeiten: Motorrad-Fotos und Alarmsicherung

In der Tat ist das Fahrverhalten an diesem Morgen interessant: So mancher kommt angebraust - jeder denkt: Gleich blitzt es. Doch dann geht er in die Eisen, nichts passiert. Eine Person zuckelt mit "44" vorbei. "Ganz schön langsam", findet Jasmin Jäckel. Nicola Schlauß ist überzeugt, dass viele Fahrer durch Lichthupe gewarnt werden. Zwei Raser haben Riesenglück: Sie sind viel zu schnell, doch zeitgleich überquert auf der anderen Seite ein weiteres Auto die Fotolinie. "Das kann er nicht messen", sagt Jäckel zur Rarität.

Zwei besondere Fähigkeiten hat die Anlage noch: Einmal macht sie zwei Fotos, so dass Motorradfahrer auch samt ihrem Kennzeichen von hinten erwischt werden können. Und dann sind die Kästen alarmgesichert. Sollte sich also ein verärgerte Fahrer an der Technik vergreifen wollen, schlägt diese sofort Alarm. Somit bleibt den Leuten also nur eine Möglichkeit, dem Knöllchen zu entgehen: Sich künftig an dieser ohnehin kniffligen Stelle an Tempo 60 zu halten. Und ein bisschen Toleranz gibt es ja immerhin dabei auch noch . . . (Von Frank Weiner)

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