Anfang 2019 passierte der Unfall auf der B 519 bei Kelkheim.
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Anfang 2019 passierte der Unfall auf der B 519 bei Kelkheim.

Prozess

Unfall-Drama auf der B 519 in Kelkheim: War es fahrlässige Tötung? Jetzt steht das Urteil fest

  • vonMatthias Gerhart
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Der Unfall sorgte weit über Kelkheims Grenzen hinaus für Bestürzung. Ein 21-jähriger Motorradfahrer starb auf der B 519, zwei Autofahrer waren wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Jetzt ist das Urteil gefallen.

  • Anfang 2019 führte ein Missverständnis zu einem tödlichen Unfall in Kelkheim.
  • Die zwei beteiligten Autofahrer wurden wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht angeklagt.
  • Das Frankfurter Amtsgericht hat jetzt ein Urteil gefällt.

Kelkheim - Geldstrafen von jeweils 6000 Euro (150 Tagessätze) und ein Fahrverbot von je vier Monaten - mit diesem Urteil ist gestern vor dem Frankfurter Amtsgericht die juristische Aufarbeitung des schweren Verkehrsunfalls abgeschlossen worden, bei dem am 19. Januar 2019 an der Einmündung der Frankenallee auf die B 519 ein 21 Jahre alter Motorradfahrer ums Leben gekommen war. "Der Unfall war auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurückzuführen", hieß es in der mehrstündigen Verhandlung immer wieder. Dass gleich zwei Autofahrer wegen fahrlässiger Tötung auf der Anklagebank sitzen, kommt äußerst selten vor.

Kelkheimer Unfall: Missverständnis hat tödlichen Ausgang

Der 48 Jahre alte Fahrer eines Kleintransporters war an jenem Tag von Königstein nach Hofheim unterwegs. Die Straße war einigermaßen frei, was den Geschäftsmann und Handwerker dazu veranlasste, auf Tempo 87 zu gehen - auch im Abschnitt rund um die Einmündung der Straße, in dem eine Begrenzung von 60 Stundenkilometern gilt. Von Kelkheim aus wollte die 38 Jahre alte Mitangeklagte auf die B 519 abbiegen. Dort stand auf der Abbiegespur bereits der Motorradfahrer, der seinerseits nach Kelkheim wollte. Zwischen der Frau, die ursprünglich an dem Stoppschild ordnungsgemäß gehalten hatte, und dem vorfahrtsberechtigten Kradfahrer muss es dann ein Missverständnis gegeben haben.

Die Frau fuhr plötzlich los und übersah dabei den von links herankommenden Kleintransporter. Beim Zusammenstoß rutschte der Laster gegen den Motorradfahrer. Der Mann wurde zu Boden geschleudert, noch von einem entgegenkommenden "SUV" erfasst und 20 Meter mitgeschleift. Rettungskräften gelang eine Reanimation vor Ort, doch im Krankenhaus starb der Kelkheimer.

Schon bald nach dem verheerenden Unfall kam es zu Kontakten zwischen den beiden Unfallfahrern und den Hinterbliebenen. Vor Gericht waren die Zwillingsschwester des Toten und dessen Mutter in der Nebenklage vertreten. Beide Angeklagten litten psychisch stark an den Folgen. Der Mann, nach einem beruflichen Schiffbruch als selbstständiger Elektroingenieur finanziell arg gebeutelt, nahm an einer verkehrspsychologischen Beratung teil. Beide legten natürlich Geständnisse ab und räumten auch ihr jeweiliges "Augenblicksversagen" ein.

Staatsanwalt fordert Freiheitsstrafe: Richter sieht davon ab

Für den Staatsanwalt kamen gleichwohl nur Freiheitsstrafen von jeweils acht Monaten zur Bewährung in Frage. Auf Fahrverbote aber wollte der Anklagevertreter ganz verzichten. Amtsrichter Paul Dienstbach aber erinnerte daran, dass es - bei allen schweren Folgen für das Opfer und dessen Familie - doch immer in solchen Verfahren auf die persönliche Schuld des oder der Angeklagten ankomme. Und die sei in diesem Fall nicht derart groß, um gleich Freiheitsstrafen verhängen zu müssen. Die Fahrverbote aber sah das Gericht für geboten, "im Sinne der Rechtsordnung". Vor allem den Handwerker werden die vier "autofreien" Monate treffen. Die Verteidiger hatten Geldstrafen beantragt von unter 90 Tagessätzen, die nicht im polizeilichen Führungszeugnis erschienen wären. Ob das Urteil rechtskräftig wird, war zum Prozessende unklar. (Von Matthias Gerhart)

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