Die K-Bahn fährt meist mit zwei Zug-Teilen nach Frankfurt.
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Die K-Bahn fährt meist mit zwei Zug-Teilen nach Frankfurt.

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Kelkheim: Pro Bahn und BUND mit falschen Zahlen

  • vonMatthias Pieren
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Fakt ist: Wasserstoffzüge verbessern Platzkapazitäten auf Taunusbahn.

Kelkheim. Einer Binsenweisheit nach, soll man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Die Redaktion ist schon immer bemüht, so zu berichten, dass ihre Leser eine gesellschaftliche oder politische Entwicklung richtig einordnen können. In der Arbeit ist es umso wichtiger, auch Sachverhalte und Behauptungen aus Pressemitteilungen immer wieder zu überprüfen - auch, wenn diese von ausgewiesenen Experten stammen.

"Weniger Kapazität auf der Bahnlinie Frankfurt-Königstein" titelte der BUND zuletzt in einer Mitteilung. Vor dem Hintergrund der seit langem geäußerten Kritik an völlig überfüllten Zügen auf der RMV-Linie RB 12 zwischen Kelkheim und Frankfurt, macht diese Überschrift natürlich hellhörig. Demnach sollen sich die bereits jetzt schon unzureichenden Platzverhältnisse mit Betriebsstart der neuen Wasserstoffzüge im Dezember 2022 weiter verschlechtern - so Stephan Baumann vom BUND Main Taunus und Gabriele Franz vom Ortsverband Kelkheim-Liederbach und verweisen dabei auf eine Studie des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Die Lobby der ÖPNV-Kunden habe in einer aktuellen Studie vom August 2020 festgestellt, dass die bestehenden Bahnsteige entlang der Bahnlinie zu kurz seien, als dass ab dem Planwechsel 2022 drei aneinandergekoppelte Wasserstoffzüge vom Typ Coradia-i-Lint 54 dort Station machen können.

"Das bedeutet, dass sich das Platzangebot von bisher maximal möglichen 780 auf 640 Plätze pro Fahrt reduziert, was einer Reduzierung der Platzkapazitäten um fast 20 Prozent gleichkommt", zitiert der BUND die Studie des Fahrgastverbandes Pro Bahn, um zugleich den RMV zu kritisieren. "Der RMV hatte im Februar auf einer Öffentlichkeitsveranstaltung in Kelkheim die neuen Wasserstoffzüge von Alstom präsentiert, die pro Zugeinheit über mehr Plätze verfügen sollen als die alten Dieseltriebwagen."

Diese Zeitung wurde stutzig und unterzog die Behauptungen sogleich einem Faktencheck. "Bedingt durch die bestehenden Bahnsteiglängen an den Bahnhöfen und Haltepunkten, können künftig nur noch zwei der 54 Meter langen Wasserstoffzüge dort halten", schreibt Pro Bahn in seiner Studie. "Heute ist der Halt von drei 41 Meter langen Triebfahrzeugen vom aktuellen Zugtyp LINT 41 möglich." Pro Bahn hat in seiner Studie alsdann folgende Rechnung aufgestellt, wie Autor Wilfried Staub auf Anfrage bestätigt: Der LINT41 verfügt über 260 Plätze (134 Sitz-, 126 Stehplätze). Drei aneinander gekoppelte LINT41 bieten also 780 Fahrgästen Platz. Die neuen Wasserstoffzüge vom Typ Coradia-i-Lint 54 bieten 320 Fahrgästen Sitz- und Stehplätze. Zwei gekoppelte Wasserstoffzüge verfügen tatsächlich nur über eine Platzkapazität von 640.

Doch jetzt kommt der Fehler in der Studie von Pro Bahn, den Staub als Urheber der Studie bestätigt: "Weil die Hessische Landesbahn aktuell nicht über ausreichend Triebfahrzeuge verfügt, sind schon lange auf der Regionalbahn-Linie von Königstein über Kelkheim nach Frankfurt bis auf eine Ausnahme nur Doppel-Traktionen des Fahrzeugtyps Lint41 unterwegs." Ergo: Beim künftigen Einsatz von zwei gekoppelten Wasserstoffzügen können pro Fahrt bis zu 640 Fahrgäste befördert werden. Weil seit langem nur zwei aneinander gekoppelte Züge vom Typ Lint41 tatsächlich auf der Strecke rollen, können heute lediglich bis zu 520 Fahrgäste befördert werden. Das künftige Plus von 120 Fahrgästen bedeutet so eine Kapazitätssteigerung von 23 Prozent.

Gabriele Franz räumt das Missverständnis ebenfalls ein, sagt aber: "Nach wie vor finde ich es bedenklich, dass die Strecke der RB12 über eine Infrastruktur, (Gleis- und Signalanlagen, Bahnsteige), verfügt, die weder in der Vergangenheit, noch aktuell noch in der Zukunft voll ausgenutzt wird." Aktuell fehlten für eine optimale Ausnutzung Triebwagen, ab 2022 seien die bestellten Wagen nicht an die Länge der Bahnsteige angepasst.

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