Studenten-Vision: Bahnsteige links und rechts der Gleise, zentrale Unterführung, zwei neue Wohngebäude an der Altkönigstraße.
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Studenten-Vision: Bahnsteige links und rechts der Gleise, zentrale Unterführung, zwei neue Wohngebäude an der Altkönigstraße.

Stadtplanung

Kelkheim: Wie der Bahnhof der Zukunft aussehen könnte

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Studenten haben eine Vision entwickelt. Der Bahnübergang wird zu gemacht, es gibt Wohnhäuser mit Tiefgarage und eine Personen-Unterführung.

Kelkheim - Die Ruppertshainerin, die in Frankfurt arbeitet, fährt mit dem Auto zum Kelkheimer Bahnhof, parkt in der Tiefgarage unter dem neuen Wohn- und Geschäftshaus an der Altkönigstraße, fährt mit dem Aufzug zum Seitenbahnsteig, mit dem Zug zum Job. Der Fischbacher, der lieber den Wagen zur Arbeit in Frankfurt nimmt, muss künftig nicht mehr über das Nadelöhr Bahnübergang, sondern kann über die neue „Gagern-Spange“ und die B 8 ohne längeren Stau abfahren. Und der Kelkheimer Senior aus der Gundelhardtstraße, der morgens seine Brötchen in der Stadtmitte holt, kann die neue Unterführung am Bahnhof nehmen, entweder zu Fuß oder per Rad auf getrennten Wegen.

Kelkheim bietet „Leben im Garten der Metropolregion“

So oder so ähnlich könnte es rund um den Kelkheimer Bahnhof in vielleicht zehn oder mehr Jahren aussehen. Ihre Ideen von einem neuen Knotenpunkt haben jetzt die fünf Studenten Sonja Brenig, Dominikus Fischer, Lars Riach, Tobias Schumacher und Maximilian Vogt der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern in der Stadthalle vorgestellt. „Es ist eine Vision, in welche Richtung es laufen kann“, sagte Bürgermeister Albrecht Kündiger. In jedem Fall gebe es einige „Anhaltspunkte, es weiterzudenken“. Kurzfristige Lösungen könne die Arbeit in diesem Masterprojekt im kompletten fünften Semester als Vorstufe zur Masterarbeit indes nicht bieten. Dafür aber hat die Stadt den Studenten auch nur eine Aufwandsentschädigung gezahlt und nicht ein Honorar an ein beauftragtes Ingenieurbüro überwiesen. Ein Büro, mit dem die Stadt schon zusammenarbeitet, hatte den Vorschlag gemacht.

Das Modell zeigt die Gebäude rechts der Gleise.

„Gesamtstädtisch zu denken, das ist wichtig“, sagte der verantwortliche Professor Martin Berchtold. „Für Sie ein Gedankenexperiment. Sie können viel mitnehmen, wie man damit umgeht.“ Zunächst einmal warfen die fünf Kommilitonen aus der Pfalz den Blick auf Kelkheims Rolle in der Region. Sie kannten die Stadt vorher nicht. Für Hofheim sehen sie die Medizin als Markenzeichen, für Eppstein die Burg, für Sulzbach das MTZ, aber für Kelkheim hätten sie „nichts charakteristisches“ gefunden, erklärten sie zum Schmunzeln einiger Besucher. Aber die Stadt habe sofort ein „sehr grünes Gesicht gezeigt“. So entwickelten die Studenten ihr Leitbild mit dem Titel: „Leben im Garten der Metropolregion“.

Dieser grüne Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeit. Sie wollen die Parks besser miteinander vernetzen, dadurch Identitäten schaffen. Kurze Wege sind ihnen wichtig, sie möchten den Rad- und Fußverkehr stärken. Der ÖPNV spiele die überörtliche Rolle, in Kelkheim denken die Studenten an einen Stadtbus, der links und rechts vom Bahnübergang alle Quartiere unabhängig voneinander bedienen könnte. Den Übergang als Nadelöhr wollen die jungen Planer mittelfristig schließen, den Pkw-Verkehr über die neue „Gagern-Spange“ abfließen lassen.

Gezielter Blick auf Bahnhofsareal in Kelkheim

Den gezielten Blick richteten die Studenten in ihrer Master-Studie dann auf das Areal des Bahnhofs, dass ihr Professor als „Filetstück“ bezeichnet. Die Station sei „nicht gut zugänglich“, habe „nicht das attraktivste Erscheinungsbild“, sei „ungeordnet“, der Park gegenüber mache keinen wirklich schönen Eindruck, so ihre Einschätzungen, die vielen Kelkheimern bekannt vorkommen. Die Studenten wollen daher den Boden zum Teil entsiegeln, mehr Grün schaffen. Die Autos würden sie langfristig direkt am Bahnhof verbannen. Sie sollen in einer Tiefgarage unter zwei Neubauten auf den bisherigen Schotterflächen an der Altkönigstraße stehen. 80 Plätze für die Bewohner und Geschäftsleute, weitere 80 für die Pendler und eine Fahrrad-Garage auf den zwei Parkgaragen denken die jungen Leute an. Weniger für Pendler als bisher. Langfristig wollen sie auch grüne Verbindungsachsen in Richtung Rathaus und Stadtmitte schaffen.

Den Bahnhof an sich würden sie umbauen, das Gebäude stehe aber unter Denkmalschutz und müsse bleiben. Den Mittelbahnsteig auflösen, stattdessen zwei Seitensteige schaffen. So sei endlich der lang gewünschte Zugang von Westen her möglich. Die Busse sollen im Norden halten, ebenso Taxen. Ein Herzstück ihrer Vision ist eine neun Meter breite Unterführung zwischen Friedrichstraße und Gundelhardtstraße mit zwei getrennten Spuren für Radfahrer und Fußgänger, rund 30 Meter Rampen-Länge bei 12 Prozent Steigung. Über zwei Aufzüge geht es zu den Gleisen. Das zweite Herzstück sollen die beiden Häuser an der Altkönigstraße werden, den Raumkanten den Bestands angepasst, die sie als „Tor des Westens“ bezeichnen. 66 Wohneinheiten können sie sich dort vorstellen, zudem Gastronomie zum Verweilen am Bahnhof, weiteres Gewerbe. Sogar einen Vorentwurf für einen Bebauungsplan haben sie als i-Tüpfelchen der Arbeit erstellt, der „Flexibilität zulassen“ soll.

Guter Außenblick für Kelkheim, aber auch Kritik

Bürgermeister Kündiger hält die Bezeichnung „Garten der Metropolregion“ für „ein tolles Wort“ und die Studie für eine „sehr interessante Sache“. Der „Blick von außen“ sei bei dem festgefahrenen Bahnhofs-Thema wichtig. Andere Untersuchungen hätten vor allem teure Lösungen, aber keinen Fortschritt gebracht. Der Bahnhof sei in den 80er Jahren so umgebaut worden, „dass er uns heute Probleme bereitet“.

Aus den Reihen der Politiker gab es vereinzelt erste positive Reaktionen. UKW-Fraktionschefin Doris Salmon ist „begeistert von dem Konzept“, weil auch der Autoverkehr „zurückgenommen“ werde. Doch es gab auch kritische Stimmen: „Ich habe viel Theorie gehört, aber die Praxis ist mir zu kurz gekommen“, so ein Bürger. Kündiger sagte zu, dass diese Arbeit für alle zugänglich gemacht werden soll. Und eine Fischbacherin fragte sich, was davon schon kurzfristig umgesetzt werden kann? „Machen Sie doch was mit Grün“, riet ihnen Professor Berchtold. Vielleicht ein Programm nach dem Motto „1000 Bäume für Kelkheim“. Da mussten viele lachen, den Antrag für 300 neue Bäume gibt es bereits. Nun müsse die Politik entscheiden, in welche Richtung sie beim Bahnhof gehen will, so Kündiger: „Ich bin sehr froh, dass wir innovative Ideen bekommen haben.“ (Von Frank Weiner)

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