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Die Vorbereitungen für den Blitzer an der B 519 sind mit dem Leerrohr getroffen. Foto: wein

Verkehrsmaßnahme nach tödlichem Unfall

Kelkheim: Blitzer an der B 519 musste Umleitung nehmen

Es gab viele Hürden zur Stromleitung: Kontrollsäulen könnten ab Juni betriebsbereit sein

Kelkheim -Viele Autofahrer haben bereits jetzt Respekt und halten sich auf der B 519 in Höhe der Ausfahrt Kelkheim meist an das seit Anfang 2019 in beide Richtungen geltende Tempo 30. Zuvor galt das Limit nur aus Königstein kommend, nach einem schrecklichen Unfall mit einem toten Motorradfahrer setzte ein Umdenken ein. Schon bald waren sich Stadt, Kreis, Landesstraßenbehörde Hessen Mobil und die Polizei einig, dass hier etwas passieren muss. Die Polizei hatte auch das Tempo gemessen und viele, zum Teil gravierende Überschreitungen festgestellt. Als Lösung wurde im Sommer ein Blitzer auserkoren, der in beiden Richtungen kontrollieren soll. In der Kelkheimer Politik wurde auch ein Kreisel diskutiert, dieses aber zumindest vorerst verworfen.

Auf den Blitzer wartet die Stadt nun viele Monate. Vor genau einer Woche der Durchbruch im wahrsten Sinne des Wortes: Die Arbeiten für die Anlagen haben begonnen - auch mit dem Durchdrücken eines Leerrohres per Spezialmaschine unter der B 519 in zwei Metern Tiefe. Aktuell sind die Arbeiter der Firma ARS Vivendi aus Weilrod dabei, einen Kabelgraben in Richtung Hauptfriedhof zu buddeln. Zu sehen ist oben an den erneuerten Leitplanken die Notiz, wo Blitzersäulen und Lichtschranke stehen sollen.

Es gebe kaum jemanden, der über die Verzögerung so verärgert sei wie er, sagt Bürgermeister Albrecht Kündiger. "Ich bedauere, dass es so lange gedauert hat." Der Rathaus macht noch einmal deutlich: "An der Notwendigkeit dieses Blitzers "besteht nach diesem tragischen Unfall kein Zweifel". Umso erleichterter ist er, dass die Arbeiten begonnen haben und die Anlage zeitnah in Betrieb genommen werden kann.

Das hofft auch Torsten Kleipa, der als Leiter der Ordnungsamtes dieses Projekt betreut. Die Blitzer könnten im Juni betriebsbereit sein, sagt er, schränkt aber ein: Die Gehäuse für die Geräte werden in Frankreich gefertigt. Wegen Corona gebe es womöglich Probleme mit der Lieferung. Doch noch hofft er auf Entspannung der Lage und die rechtzeitige Ankunft der Säulen. Wie er erläutert, gibt es solche Anlage im Kreis zum Beispiel in Hofheim (Ortsausfahrt in Richtung Münster sowie Langenhain) und auf der B 455 bei Niederjosbach.

Installiert werden zwei Blitzer auf beiden Seiten sowie eine Lichtschranke. In die Gehäuse soll die mobile Messanlage der Stadt eingebaut werden. Es könnten Frontfotos (für die Gesichter) und Heckbilder (für Motorräder, die nur hinten Kennzeichen haben) gemacht werden. Die Stadt führt weiterhin auch mobile Messungen mit der Anlage durch. Wer nun glaubt, die neuen Blitzer seien selten "scharf", der irrt. "Die Anlage wird die überwiegende Zeit dort montiert sein und ,schläft' da drin", betont Kleipa.

Er erläutert auch den komplizierten Weg bis zur Umsetzung, was am Strom gelegen habe. Zunächst wollte die Stadt das Ortsnetzkabel der Syna gerne um rund 250 Meter verlängern, doch da spielte der Energieversorger nicht mit - zu hoher baulicher Aufwand für wenig Stromabnahme der Blitzer, hieß es laut Kleipa. So nahm die Stadt das in die Hand, wollte den Auftrag an eine Baufirma vergeben, mit der ein Jahresvertrag besteht. Als deren Angebot mit Kosten in niedriger sechsstelliger Höhe kam, verschlug es Kleipa und Kündiger die Sprache. "Das war indiskutabel", so der Ordnungsamtschef. Also musste das Projekt ausgeschrieben werden - intern war das nicht möglich, so wurde ein Ingenieur eingeschaltet. Im Januar war das Leistungsverzeichnis fertig, erst nach der Genehmigung des Haushalts durch den Landrat konnte zuletzt der Auftrag erteilt werden. Denn das Projekt ist teurer geworden. Die Politik hatte erst 60 000 Euro bereitgestellt, das wurde später um 30 000 Euro aufgestockt. Kleipa geht aber davon aus, dass diese Summe reichen wird. Und er weiß, dass sich die Blitzer dann künftig "gravierend auf das Fahrverhalten auswirken". Denn die Stadt wolle damit "keine Einnahmen erzielen", sondern die Stelle deutlich sicherer machen. Frank Weiner

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