Corona-Krise

Hilfe für Kelkheim: Flüchtling näht Masken mit  Nähmaschine vom Sperrmüll

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Ein Flüchtling näht in Kelkheim für Flüchtlinge Hunderte Schutzmasken. Sie werden auch an Bedürftige Bewohner des Orts verteilt. Die Nähmaschine hat er repariert. 

  • Ali Javadi näht Masken
  • Das ist sein Beitrag zur Bewältigung der Corona-Krise
  • Seine Arbeit ist komplett ehrenamtlich 

Kelkheim -"Ich bin einfach sehr gerührt. Das ist echt eine ganz wunderbare Familie, wie sie denken, wie sie handeln, sie sind einfach beispielhaft für viele." Mafalda Pinto-Schneider hat als Vorsitzende des Ausländerbeirats und sehr engagierte Flüchtlingshelferin schon viel erlebt. Doch bei dieser "tollen Story", wie sie sagt, kommt sie ins Schwärmen.

Es ist ein menschlicher Lichtblick in einer schweren Zeit der Corona-Krise. Schon seit knapp zwei Wochen wird Mundschutz* empfohlen, schickt Pinto-Schneider voraus. So hat der Verein "Miteinander leben in Kelkheim" eine Nähaktion begonnen. Die Gruppe hat Ali Javadi kontaktiert, er wohnt in der Gemeinschaftsunterkunft Kelkheim und ist Schneider. Er kam 2017 aus Afghanistan nach Deutschland, hat eine Frau und ein zwei Jahre altes Kind.

Corona-Krise: Flüchtling näht ehrenamtlich Masken 

"Er war sofort bereit, für uns Alltagsmasken zu nähen", lobt Pinto-Schneider. Ganz ohne Bezahlung. Über einen Aufruf wurden Stoff und Nähgarn organisiert. "Ich musste aber bei Ebay Gummiband ersteigern", schildert sie. Bei der Geschichte des tapferen Schneiderleins Javadi geht ihr das Herz auf: "Die Nähmaschine hat er vor einiger Zeit auf dem Sperrmüll entdeckt. Der Motor war kaputt. Er hat Flohmärkte besucht und einen Motor und Pedal gefunden. Er konnte die Nähmaschine reparieren, hat sie dann richtig eingeölt. Dann lief alles gut." Der ehemals Geflüchtete hat bereits 130 Masken genäht. In den nächsten Tagen erwartet Pinto-Schneider weitere 100. "Ob es die letzten sind?", fragt sie sich. Wohl kaum, wenn ab Montag die Maskenpflicht auch in Kelkheim beim Einkaufen in Läden und in öffentlichen Verkehrsmitteln gilt.

Diese Masken nährt Ali Javid. Sie sind sein Beitrag zur Bewältigung der Corona-Krise.

Viel Unterstützung: Ali Javadi näht Corona-Schutz-Masken 

Doch Javadi hat Unterstützung bekommen: Eine Helferin brachte ihm jetzt eine fast neue Nähmaschine. "Ali und seine Frau Samira sind sehr froh, dass sie diesmal uns helfen können. Sie möchten vieles als Dankbarkeit zurückgeben", so Pinto-Schneider. Die Familie sei den "Helfern, die sie begleiten und unterstützen, sehr dankbar, deshalb bekommen sie auch Masken genäht", hat Javadi jetzt betont. Er bedanke sich, dass sie "hier sein dürfen und in Frieden leben können". Sie leben sehr gerne in Kelkheim. "Und das wiederholen sie immer wieder", hat die Koordinatorin für den Arbeitskreis Mitte erfahren.

Corona in Kelkheim: Masken werden verteilt

Mit ihren Kolleginnen Conny Fette, Koordinatorin im Arbeitskreis Fischbach, und Salome Korschinowski, Leiterin des Arbeitskreises Ruppertshain, verteilt sie nun die Masken an die Geflüchteten. "Eine Beschreibung liegt bei, und wir erklären natürlich auch, was wichtig zu beachten ist." Die Abnehmer seien sehr dankbar für das "Geschenk", nachdem sie zum Teil selbst in Apotheken von hohen Preisen für Masken erfahren haben. "Natürlich verteilen wir auch an die hilfsbedürftigen Kelkheimer Alltagsmasken, soweit sie uns bekannt sind", sagt Pinto-Schneider, die selbst schon einige Personen kontaktiert hat.

Corona-Krise: Viel Anerkennung für Maskennäher 

Als Dank für seine Hilfe soll Ali Javadi Gutscheine für Lebensmittel bekommen. Das sei das Mindeste mit Blick auf den Einsatz des Mannes, denn Pinto-Schneider weiß: "Er näht immer nachts, weil er am Tag mit der kleinen Tochter und Frau und Haushalt beschäftigt ist." Der engagierte Schneider Javadi sucht schon lange eine Arbeitsstelle. "Sei es als Schneider, als Schweißer oder anderes. Er ist ein Mann für alles. Die Bereitschaft ist da. Einen Führerschein besitzt er auch", wirbt die Helferin und sagt: "Das wäre ein tolles Geschenk für ihn." 

Von Frank Weiner


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