Die Tanzgruppen der TSG Münster hoffen: Die Abteilung Karneval plant die Kampagne.
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Die Tanzgruppen der TSG Münster hoffen: Die Abteilung Karneval plant die Kampagne.

Fastnacht:

Kelkheim: Das bunte Stimmungsbild der Narren

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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AKK und TSG planen Kampagnen, Frauengruppen sagen Saal-Sitzungen ab, SV ist spontan

Kelkheim. Der Fischbacher Carneval-Verein hat seine Fastnacht für 2022 komplett abgesagt, es gibt keine Sitzungen und keinen Umzug. Doch es sind ja noch weitere Narren in der Möbelstadt. Wie halten sie es mit der Kampagne? Eine Umfrage dieser Zeitung hat ergeben, dass es Gruppen mit der 2G-Regelung versuchen wollen oder diese erwägen. Die drei Frauengruppen hingegen sagen die Saalfastnacht ab.

"Wir machen eine Kampagne", kündigt Sachgruppenleiter und Sitzungspräsident Wolf Schultheiß vom Arbeitskreis Karneval der Kolpingsfamilie (AKK) in Kelkheim an. Der Vorstand habe das einstimmig bei einer Enthaltung so entschieden. Das Team will nach der 2G-Regel vorgehen, also Geimpfte und Genesene in den Saal des Franziskushauses lassen. Der AKK hat in den Gruppen die Stimmung und die Lage abgefragt. Dort sei kein Veto gekommen, zudem gebe es derzeit nur drei Personen, die aufgrund der Regel dann womöglich draußen bleiben müssten, sagt Schultheiß. Das könne die Gruppierung verantworten, zumal es bei diesen Mitgliedern vielleicht noch ein Umdenken gebe. "Der Verein muss das Ganze im Blick haben", betont der AKK-Chef.

"Zirkus ist vorbei, endlich wieder Narretei"

Und so soll es schon am 12. November mit dem üblichen Saisonauftakt losgehen, Schultheiß kündigt schon mal Bühnen-Asse "aus Funk und Fernsehen" an. Das Motto für diesen Abend und die drei Sitzungen 2022 steht bereits und spielt auf die Pandemie-Zeit an: "Der Zirkus ist vorbei, endlich wieder Narretei". Um doch etwas mehr Abstand zu ermöglichen, wird die Kapazität im Saal von 190 auf 150 Plätze reduziert. Zudem, so betont Schultheiß, gebe es vor dem Training und dann den Auftritten regelmäßige Tests. "Wir wollen keine Gefahr für alle Seiten. Aber man kann auch so feiern. Wir glauben, dass die Leute wieder kommen, wenn sie sehen, es ist ein vernünftiges Konzept." Im Verein sei viel "Überzeugungsarbeit" geleistet worden, bei den Eltern der Tanzkinder habe der AKK "große Zustimmung geerntet". Der Sitzungspräsident fasst zusammen: "Wir werden genau kontrollieren, uns keine Schwachstelle erlauben und erklären, warum es so ist. Das hat mit Ausgrenzen nichts zu tun."

Die Abteilung Karneval der TSG Münster sieht es ähnlich. Die Kampagne 2022 ist für den 11. und 12. Februar weiter geplant. "Sowohl der Vorstand als auch die Mitglieder glauben fest daran, dass diese Veranstaltungen durchführbar sind - und dies sowohl in einem gesellig attraktiven sowie wirtschaftlich vertretbaren Rahmen", betont Abteilungsleiterin Nina Kehl. Die Entscheidung über 2G sei aber noch nicht gefallen. "Grundsätzlich sind wir für diese Regelung offen, sofern sie die einzige Lösung für eine möglichst unbeschwerte Veranstaltung im Sinne der Fassenacht mit Tanz und Gesang und ohne Mund-Nasen-Bedeckung und mit ausreichend Publikum und somit bestmöglicher Stimmung und kostendeckenden Einnahmen ist", erklärt Kehl. Sollte doch abgesagt werden, sei ein Sommer-Open-Air-Konzept angestrebt. So könnten die Auftritte, die dann bereits seit zwei Jahren vorbereitet wurden, noch 2022 vorgeführt werden. Eine finale Entscheidung zur Kampagne, zur eventuellen Einführung einer 2G-Regelung und zum Umgang mit Kindern im Alter unter zwölf Jahren werde die Abteilung aber nicht vor Dezember treffen, kündigt Kehl an.

Beim monatlichen "11er-Treffen" der Fischbacher Weiberfassenacht waren sich die Mitglieder "einig, dass wir uns auch im kommenden Jahr leider noch keine Präsenzveranstaltungen im Pfarrsaal vorstellen können", teilt Sitzungspräsidentin Claudia Ungeheuer mit und betont: "Die Umstände sind einfach nicht so, dass wir Euch, uns und unsere Gäste gemeinsam auf engem Raum feiern und schunkeln sehen. Glaubt uns, es fällt uns auch nicht leicht." Es wurde aber nun bereits ein Konzept für eine Alternative der Saalfastnacht erarbeitet, Details sollen demnächst folgen.

"Fassenacht in 3G finden wir nicht schee"

Die Münster Fassenachtsfrauen haben den Humor nicht verloren und reimen zu ihrer Entscheidung: "Fassenacht möglich nur in 3G - das finden wir net wirklich schee. Drum fällt die Sitzung, oh weh, oh Graus, auch nächstes Jahr noch einmal aus." Die Gruppe habe sich in einer gemeinsamen Sitzung dazu entschlossen, die Kampagne 2022 noch einmal abzusagen, teilt Beatrix Müller mit. "Bei uns ist wie bei den meisten anderen Vereinen, wir wollen bei der 2G-Variante keine Mitglieder ausschließen und bei 3G mit Abstand kommt keine Stimmung auf." Deshalb freuen sie sich für Münster nun schon auf 2023.

Gertrud Müller von der Hornauer Frauengemeinschaft, die Fastnacht im Franziskushaus feiert, kündigt ebenfalls schon eine Absage an. Das sei unter den aktuellen Voraussetzungen noch nicht machbar, berichtet sie.

Eine große Sitzung, die Kinderfastnacht und einen Maskenball organisiert der Sportverein Ruppertshain stets in der "fünften Jahreszeit". Wie es Anfang 2022 sein wird, das ist laut dem Vorsitzenden Oliver Glomb noch offen. "Es gibt eine Tendenz der Absage, da auch der SVR seine Verantwortung in Zeiten der Pandemie wahrnehmen wird. Da aber das Kerngeschäft des Vereinslebens nicht der Fasching ist, sondern der Sport, können wir kurzfristiger reagieren", berichtet er. Der Verein sei sich einer seiner "sozialen Verantwortung" bewusst, müsse überlegen, ob Alternativen wie eine Online-Sitzung oder ein kleinerer Rahmen möglich sind. Aber eigentlich folge der SV lieber dem Motto "Ganz oder gar nicht". Die Lage ist laut Glomb gemischt: "Der Fasching wird natürlich vermisst, hat aber keinen Einfluss auf Mitgliederzahlen."

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