Bürgermeister Albrecht Kündiger hat dem Ersten Stadtrat Dirk Hofmann im Stadtparlament die Ernennungsurkunden überreicht. Vom 1. Oktober an arbeiten sie im Rathaus zusammen.
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Bürgermeister Albrecht Kündiger hat dem Ersten Stadtrat Dirk Hofmann im Stadtparlament die Ernennungsurkunden überreicht. Vom 1. Oktober an arbeiten sie im Rathaus zusammen.

Politik:

Kelkheim: Das Tandem startet auf einer kniffligen Strecke

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Erster Stadtrat Dirk Hofmann legt am Freitag los.

Kelkheim. Am Freitag um 8 Uhr will Dirk Hofmann erstmals in seinem neuen Büro im Rathaus sein. Er bezieht den Raum, den vor sechs Jahren sein "Vorgänger" Dirk Westedt (FDP) verlassen und den seitdem niemand in der Rolle als Erster Stadtrat genutzt hat. Denn die Stelle war seitdem unbesetzt. Hofmann wird sie nach der Entscheidung des Stadtparlaments - er holte eine Stimme mehr, als die Koalition aus CDU, SPD und FDP an diesem Abend Mandatsträger hatte - nun neu beleben. Um 8.30 Uhr steht bereits eine Vorstellung an. Der CDU-Mann wird seinen Posten mit einer Portion Anspannung, "aber nicht nervös" antreten.

Zusammenarbeit soll nicht getrübt starten

Die Kollegen im Rathaus erwarten kein vollkommen neues Gesicht. Der 49-Jährige sitzt seit 1996 im Stadtparlament, war in den vergangenen sechs Jahren Fraktionschef. Mit Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) hat er sich auf seine bekannt ruhige und sachliche Art schon manche Diskussion geliefert. Das wird künftig eher hinter den Kulissen passieren. Doch beide betonen, eine gute Zusammenarbeit anzustreben. Auch wenn für Kündiger die "aktuellen Probleme" im Hintergrund schwelen. Damit meint er vor allem den Streit um das Baugebiet "Vor dem Schlämmer", wo die Koalition trotz vorheriger Signale der Zustimmung nicht dem Vorschlag des Bürgermeisters gefolgt war und das Vorhaben erst einmal auf Eis legte. Für Kündiger war vor allem die CDU Treiber. Das solle aber einem guten Start mit Hofmann nicht im Wege stehen, wie er betont.

Auch der neue Erste Stadtrat sieht das so. Die Zusammenarbeit sehe er dadurch keinesfalls getrübt. Die "kleine Pause" beim Baugebiet sollte die Politik nun nutzen, um mit den kritischen Anwohnern und Eigentümern noch ins Gespräch zu kommen.

Interessant ist die Personalie auch wegen anderer Konstellationen. Hofmann und die CDU hatten ins Gespräch gebracht, der Steuerberater könne ja im Rathaus die Kämmerei übernehmen. Der neue Erste Stadtrat lässt keinen Zweifel daran, dass so etwas aufgrund seiner Qualifikationen wünschenswert sei - ebenso, wie vielleicht die städtischen Gesellschaften und ihre Finanzen unter die Fittiche zu nehmen. Doch letztlich entscheide der Bürgermeister, machen beide deutlich. Hier will Kündiger seine Entscheidung erst mit Hofmann und dem Magistrat besprechen. "Chef der Verwaltung bleibt der Bürgermeister", so viel könne er sagen. Bei den ehrenamtlichen Dezernenten hat er bisher nur Thomas Weck (CDU) frühzeitig wieder die Feuerwehr übertragen. Die anderen Stadträte werden wohl weniger Aufgaben erhalten, denn die Situation mit einem zweiten Hauptamtlichen im Magistrat "ist eine andere", betont Kündiger.

Hofmann wird bis Donnerstag noch in einem Kelkheimer Büro als Steuerberater arbeiten. Die Reaktionen auf seine Wahl haben ihn aber im Wechsel bestärkt. Viele Kelkheimer hätten ihn nicht nur beglückwünscht, sondern auch deutlich gemacht, dass die Stelle "von den Bürgern gewollt ist". Natürlich stehe er künftig "unter der Beobachtung von rund 30 000 Leuten", so Hofmann.

Mit einem Augenzwinkern kommentiert der Münsterer das Bewerberverfahren, in dem es neben ihm nur noch zwei weitere Kandidaten jeweils mit CDU-Parteibuch gab: "Das zeigt, für wie wichtig es empfunden wird, dass es einen Ersten Stadtrat von der CDU geben soll." Und fügt schon etwas kritischer an: "Unter Parteikollegen war das nicht die übliche Weise, ohne vorher mit dem CDU-Stadtverband Kontakt aufgenommen zu haben."

"Merkwürdiges" Bewerber-Vorgehen

Vor allem eine Bewerberin hatte Eindruck bei UKW und Freien Wählern hinterlassen, so dass sie die Dame zur Wahl vorschlagen wollten. Doch die ehemalige Bankerin zog wegen der letztlich geringen Aussichten zurück. Das alles sei ein wenig "merkwürdig" gewesen, findet Hofmann. Er selbst sei vor der Wahl zwar "etwas nervös", aber schon "sehr sicher" gewesen, "dass die Mehrheit stehen wird".

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