Im Herbst 2020 gab's einen Ortstermin am "Wäldchen". Da war die Zukunft noch unklar.
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Im Herbst 2020 gab's einen Ortstermin am "Wäldchen". Da war die Zukunft noch unklar.

Stadtentwicklung:

Kelkheim: Das "Wäldchen" soll nicht angetastet werden

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Politische Mehrheit ist gegen eine Bebauung.

Kelkheim. Naturschützer Manfred Guder und diese Zeitung hatten den gleichen Gedanken: Was wird aus dem umstrittenen "Wäldchen" an der Gundelhardtstraße? Warum nicht den Fraktionen vor der Bürgermeister- und Kommunalwahl eine klare Aussage zur Bebauung der Fläche entlocken? Guder über die "Wahlprüfsteine" (Text rechts) und das Kreisblatt nach Gesprächen kommen zum Ergebnis: Das "Wäldchen" soll unangetastet bleiben und derzeit nicht bebaut werden.

"Das ,Wäldchen' ist theoretisch gerettet", sagt Guder unter Vorbehalt. Denn auch er weiß nie, welche Wendung diese Sache nehmen kann. Im Flächennutzungsplan stehen die rund 650 Quadratmeter als Wohnfläche, der aktuelle Bebauungsplan sieht aber keine Häuser vor. Das würde der Eigentümer, die Münsterer Projektgesellschaft Horn, gerne ändern. Deshalb gab es mal wieder Gespräche, und Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) hatte die Sache in die Fraktionen gegeben. Er legte zunächst kein Veto ein, sagt aber nun auf Anfrage: "Ich habe keine Veranlassung, es voranzubringen." Er wolle in der Stadt erst Baulücken schließen. UKW-Fraktionschefin Doris Salmon betont: Das "Wäldchen" sei durch den B-Plan geschützt, "wir möchten das nicht ändern". Die CDU hat es sogar im Wahlprogramm festgeschrieben: "Keine Bebauung des ,Wäldchens'", heißt es. Parteichef Alexander Furtwängler erinnert an gut 3000 Unterschriften, die vor rund 15 Jahren gegen Häuser gesammelt worden waren. "Das war damals klarter Bürgerwille. Politik gegen Menschen funktioniert nicht." Die FDP steht den Plänen laut Fraktionschef Michael Trawitzki "offen gegenüber". Denn die Bäume seien wohl langfristig kaum zu retten, die Pläne "würden passen" - kein bezahlbarer Wohnraum. Die SPD betont: "Grundsätzlich haben wir nichts dagegen, wenn jemand auf seinem Grundstück bauen will und damit das Angebot an Wohnraum erhöht. Zumal es hier nicht um ein Randgebiet geht, sondern um einen Platz der von Einfamilienhäusern, inklusive Einfahrten und Stellplätzen, umsäumt ist", sagt Parteichef und Bürgermeisterkandidat Michael Hellenschmidt. Die Freien Wähler wollen das "Wäldchen" laut Guder ebenso erhalten. Wobei von einem Wald kaum zu reden sei, so die Fraktion. In die Angelegenheit des Privateigentümers wollen sich die FW aber letztlich ungern einmischen.

Über die derzeitige Rettung freuen sich auch die Anwohner, die als Bürgerinitiative "Rettet die Gundelhardt 2.0" zuletzt erneut mobil gemacht hatten. Mitglied Gerald Söhlemann ist erleichtert, dass die Mehrheit zu dem "Schluss gekommen ist, dass es unsinnig ist". Dass der Bürgermeister es nach dem Protest 2006/2007 wieder aufs Tapet gebracht hatte, sei schon ein "Fettnapf" gewesen, findet er und kündigt an: "Wenn wieder irgendetwas hochkocht, sind wir dran." Eine solche Aktion komme zur "Unzeit", so Söhlemann, bei aktuellen Fragen wie: "Wo kriegen wir neue Bäume her?" Zudem regt die BI an, die Stadt solle erstmal einen Gesamtplan machen, wo es bauliche Entwicklung geben könne. Ein "nachhaltiges Bestreben" sei wichtig. Der Anwohner weiß aber auch: "Die Bäume sind nicht die Attraktion der Stadt." Das Forstamt hatte den Mini-Wald nicht als krank eingestuft, würde ihn aber zur Entwicklung weitgehend sich selbst überlassen.

Guders Wahlprüfsteine zum Golfplatz und "Schlämmer"

Alle Jahre wieder ist der Kelkheimer Naturschützer Manfred Guder zur Kommunalwahl aktiv. "Wahlprüfsteine" nennt er sein kleines Projekt, das sich aber um "große" Themen kümmert. Die Fragen stellt er für den Ortsverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Zum Naturschutz fühlt er dann den Fraktionen des Parlaments auf den Zahn - das schon seit 1981.

Nun sind es drei Themen, die ihm unter den Nägeln brennen. Gemeinsam mit dieser Zeitung hat er ein Meinungsbild bekommen, dass das umstrittene "Wäldchen" an der Gundelhardtstraße nicht bebaut werden soll (Text links). Die beiden anderen Themen haben eine deutlich größere Dimension. Auf rund 34 Hektar beziffert Guder das Areal für die einmal angedachte Erweiterung des Golfplatzes zwischen Hofheim und Münster. Sie sei noch immer im Flächennutzungsplan (FNP) verankert und müsse daraus endlich einmal verschwinden, fordert Guder. Die Politik sieht das fast genauso. UKW, CDU, FDP und SPD wollen das aufheben, nur die Freien Wähler den Status beibehalten.

Anders sieht es bei der Fläche "Schlämmer" in Münster aus. Die rund 5 Hektar liegen im Grünzug, haben eine besondere Klimafunktion. Deshalb hatte der Regionalverband sie gestrichen, später als Wohnbaufläche wieder in den FNP aufgenommen. Nichts wie raus damit, fordert Guder. UKW und SPD können ihm folgen, CDU, FDP und Freie Wähler sind dafür, das dies künftige Generationen entscheiden sollten.

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