Einmal quasi zum Gipfel des Mount Everest in etwa 21 Stunden. Am ersten April werden Florian Gossenauer (links) zu Fuß und Jerry Leserer auf dem Rad insgesamt 8848 Höhenmeter absolvieren.
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Einmal quasi zum Gipfel des Mount Everest in etwa 21 Stunden. Am ersten April werden Florian Gossenauer (links) zu Fuß und Jerry Leserer auf dem Rad insgesamt 8848 Höhenmeter absolvieren.

"Everesting"-Aktion

Kelkheim: Den Mount Everest erklimmen für die gute Sache

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Der Kelkheimer Flo Gossenauer und sein Kumpel Jerry Leserer haben sich eine sportliche Herkulesaufgabe vorgenommen: das "Everesting", benannt nach dem höchsten Berg der Welt, dem Mount Everest. 8848 Meter misst der Gipfel im Himalaya-Gebirge. Das Duo will sämtliche Höhenmeter des Mount Everest auf den Strecken hoch zum Eppsteiner Kaisertempel und zum Staufen meistern - für einen guten Zweck.

Eppstein/Fischbach/Neuenhain -Gut zehn Prozent Steigung hat die Straße zum Kaisertempel im Mittel. So mancher Radler schafft die Strecke gar nicht oder muss schieben. Jeremias Leserer, besser bekannt als "Jerry", hat keine Mühe damit. Einen kleinen Gang auf dem Rennrad eingelegt - und dabei noch munter mit dem Reporter dieser Zeitung geplaudert: Für den 35-Jährigen aus Fischbach ist der Weg hinauf kein Problem.

Ebenso wenig für seinen Freund, Florian Gossenauer aus Neuenhain. Der 44-Jährige spaziert zeitgleich mit Trainerin Sibylle Gottschalk und dem Fotografen mühelos den steilen Wanderweg hoch. Ein solcher Spaziergang wird es für das Duo Flo und Jerry bald nicht. Sie haben sich eine sportliche Aufgabe vorgenommen, die in dieser Form bundesweit noch nicht viele Athleten gemeistert haben: das "Everesting", benannt nach dem höchsten Berg der Welt, dem Mount Everest. 8848 Meter misst der Gipfel im Himalaya-Gebirge; offiziell sogar noch einen Meter mehr, weiß Gossenauer. Doch auf den kommt es auch nicht mehr an. Denn das Duo will sämtliche Höhenmeter des Mount Everest auf den Strecken hoch zum Kaisertempel und zum Staufen meistern.

Eine Initiative

bekannter machen

Jerry ist der Mann für die Zahlen und weiß: Rund 20 Stunden werden sie unterwegs sein, eine Nacht "durchmachen". Er will als Radler sogar 10 000 Höhenmeter schaffen und würde bei einer Steigung von 10,5 Prozent wohl genau 70 Fahrten vom Edeka-Markt unten an der B 455 bis hoch zum Kaisertempel dafür brauchen. Sein Kumpel Flo wählt die steilere Strecke mit bis zu 13 Prozent und will bis hoch zum Staufen auf Fischbacher Gebiet laufen. Er müsste diese Höhenmeter dann 32 Mal bewältigen und wäre insgesamt mit den Bergab-Läufen 120 Kilometer auf den Beinen. Bei Jerry sollen das fast 200 Kilometer werden.

Das sei Flos Idee gewesen, erinnert sich Jerry. Der habe von verschiedenen "Everesting"-Versuchen gehört und entschieden: "Ich mache das jetzt." Der Freund war schnell mit im Boot. Er hatte ihn auch im Vorjahr bei einem 100-Kilometer-Lauf über den Feldberg nach Weilburg und wieder zeitweise unterstützt, bei dem immerhin 1000 Euro für die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und den Verein "Freunde fürs Leben" zusammenkamen.

Besondere Trainerin

ist mit im Boot

Nun will das Duo in einer schweren Zeit wieder gute Dinge tun. Offizielle Rennen sind weiter abgesagt, es ist meist jeder für sich unterwegs. Flo und Jerry aber möchten als Duo etwas bewegen. "Wir machen eine Nummer gegen Kummer", so soll das Motto des "Everesting" lauten. Unter 116 111 hat sich der Verein "Nummer gegen Kummer" zum Ziel gesetzt, Kindern, Jugendlichen und Eltern ein Ansprechpartner zu sein bei kleinen und großen Sorgen, Problemen und Ängsten. Schon 4,7 Millionen Menschen wurde so geholfen. Doch so bekannt sei die Initiative leider nicht, weiß Jerry. Das möchte er mit Flo und der Aktion ändern. "Ich hätte mir so etwas früher mal gewünscht", sagt der Fischbacher, der in der IT-Branche arbeitet, zu diesem Hilfsangebot. Gerade in der Corona-Zeit und Homeschooling sei es stressig in vielen Haushalten, wo die Nummer sicher helfen könne. Nun will er sie bekannter machen und Spenden dafür sammeln.

Gossenauer und Leserer haben nicht nur ein Herz für andere, sie lieben "nebenbei" auch Triathlon. Bei einer Trainingsfahrt hatten sie sich kennengelernt, waren beim Ironman 2019 in Frankfurt nach gut 12,5 Stunden und zum Teil 40 Grad Hand in Hand durchs Ziel gelaufen - ohne dass sie sich in diesem Moment als Bekannte registriert hatten. Das schweißt noch einmal mehr zusammen.

Für Flo ist das "Everesting" nun ein spezielles Training für seinen "Super-Mega-Lebenstraum", wie der frühpensionierte Polizist und Vater von zwei Kindern, die ebenfalls gerne laufen, schon ankündigt. Er will einmal den "Spartathlon" schaffen, einen Ultramarathon über 246 Kilometer, jener historischen Strecke von Athen nach Sparta, die in einem Zeitlimit von 36 Stunden zurückgelegt werden muss. Im Sommer will Gossenauer die Qualifikation in Deutschland laufen, 180 Kilometer in 24 Stunden sind gefordert.

Eine erfahrene Trainerin hat er. Sibylle Gottschalk ist Bundes-Coach für Triathlon, speziell für die lange Distanz vom Ironman. Sie hat viele Athleten weltweit bis nach Hawaii betreut. Da sie damit aber "nicht ganz ausgelastet" sei, so die Eppsteinerin, ist sie als Yoga-Lehrerin engagiert. Und sie hat hier Flo Gossenauer kennengelernt, ihn zum Triathlon gebracht. Gottschalk findet es klasse, wie kreativ ihre Schützlinge in Zeiten ohne offizielle Rennen sind. So habe Flo am Tag vor Heiligabend einen 24-Stunden-Lauf absolviert, sei jede volle Stunde vier Kilometer gelaufen - bei strömendem Regen. Nun geht das Trio professionell ans "Everesting". Für Jerry, der früher Leistungsschwimmer war und heute im Jahr bis zu 15 000 Kilometer auf dem Rad abspult, und Dauerläufer Flo mit 5000 Kilometern im Jahr ist dies noch mal eine ganz neue Herausforderung.

Der Spenden-Kontakt

Über Spenden unter dem Verwendungszweck "Everesting Eppstein" freuen sich die Sportler und der Verein "Nummer gegen Kummer": IBAN DE50370205000007213801. Spendenbescheinigungen werden ab 100 Euro ausgestellt, darunter per Kontoauszug vom Finanzamt akzeptiert.

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