Graffiti-Künstler "Cesar One" bringt die letzte Farbe am "Simpson-Haus" in Münster an.
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Graffiti-Künstler "Cesar One" bringt die letzte Farbe am "Simpson-Haus" in Münster an.

Projekt:

Kelkheim: Der kultige Simpson-Clan grüßt jetzt Münster

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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PROJEKT Graffiti-Künstler darf Häuser bemalen - Bedauern über Vorurteile.

Münster. Wer kennt sie nicht, die Familie der "Simpsons", die regelmäßig über die TV-Bildschirme flimmert? Der Clan um Homer, Marge, Bart, Lisa und Maggie hat seit vielen Jahren eine große Fangemeinde. Auch "Cesar One" zählt dazu. Seinen richtigen Namen möchte der sympathische Graffiti-Künstler, der aus Hattersheim stammt und in Frankfurt wohnt, nicht sagen. In der Branche definieren sich die kreativen Köpfe nämlich über ihre Synonyme. "Cesar One" hat seinen Künstlernamen mal gewählt, als ein Engländer seinen Vornamen falsch verstand und ihn mit "Cesar" anredete.

Ortseingang von Okriftel gestaltet

Schon seit 22 Jahren ist der Künstler in der Szene aktiv. Auch im Main-Taunus-Kreis, wo er zum Beispiel Anfang 2020 den Ortseingang von Okriftel mit einer Berlin-Themenwand aufwertete. Auch habe er rund 25 Stromhäuschen im Kreis für den Energieversorger Syna im offiziellen Auftrag bemalt. So kommt "Cesar One" rum in der Gegend. Und eines Tages fuhr er an der Frankfurter Straße in Münster am Gelände der ehemaligen Baufirma Fritz & Sohn vorbei. Dort seien ihm in der Seitenstraße die wenig professionellen Graffitis aufgefallen. Und so habe er bei der Familie Fritz einfach mal geklingelt und ein Projekt angeboten, plaudert er munter drauflos. "Die waren ganz aufgeschlossen", freut er sich über die positive Resonanz.

Seitdem ist der Bereich der Frankfurter Straße seine neue Spielwiese, die an diesem Samstag fast fertig ist. "Cesar One" hat schon die Konturen für das letzte Mitglied der Familie, Bart Simpson, vorgemalt. Er muss nur noch mit Farbe gefüllt werden. Dann sind die vermutlich ersten Simpson-Häuser im MTK fertig.

"Cesar One" hatte mit dem Gebäude an der Ecke angefangen. Die Familie aus der US-Serie habe er gewählt, weil er sie cool finde und es davon viele Figuren gebe. Als er mit der ersten Runde fertig war, sei die Familie Fritz sehr zufrieden gewesen. Sie habe ihm gleich noch das Haus nebenan als Riesen-Leinwand angeboten und dafür sogar ein Gerüst gestellt. Er habe vorher alles überstrichen und später an einigen eigenen Stellen noch nachgebessert, um etwa Proportionen zu optimieren. Nun sind auch an diesem Gebäude Figuren der Simpsons rund um seinen "Cesar One"-Schriftzug gruppiert - darunter auch der überdimensionale "Tingeltangel Bob", auf den er besonders stolz ist. Ein witziges Detail: Selbst die Hausnummer hat der Künstler in verschiedenen, zum Motiv passenden Farben bemalt.

Auch der Nutzer des zweiten Hauses, der dort ein Sachverständigen-Büro betreibt, ist angetan. Gerade schaut er wieder vorbei und die Motive seines nun bunten Arbeitsplatzes zufrieden an. "Er hat alles dokumentiert, findet es mega gut", freut sich "Cesar One". Solche Komplimente sind für ihn ein Lohn der Arbeit. Natürlich sei es toll, wenn er die Materialkosten und vielleicht eine kleine Entschädigung bekomme. Doch für ihn ist es vor allem ein besonderes Hobby, denn beruflich ist der Frankfurter mit MTK-Wurzeln in der Beratungs-Branche tätig.

Noch während seiner Arbeit damals in Okriftel habe er sechs Anfragen für neue Aufträge erhalten. Hier in Kelkheim seien die Leute etwas zurückhaltender gewesen, aber immerhin könnten nun weitere ehemalige Stromhäuschen dazu kommen, die ihm von einem Privatmann angeboten wurden. Dass sein Kunstwerk an der Frankfurter Straße in vermutlich eineinhalb Jahren abgerissen wird, stört "Cesar One" nicht. "Es ist vergängliche Kunst." Die traditionsreiche Firma Fritz & Sohn hat Ende 2018 den Betrieb nach fast 140 Jahren weitgehend aufgegeben, der Bauhof wird nicht mehr genutzt. Er soll einer neuen Wohnbebauung weichen, ein Bebauungsplan der Stadt ist bereits in Arbeit.

Die Erlaubnis hat er immer dabei

In Kelkheim hat sich "Cesar One" auch schon am Zauberberg mit einem Gemälde zu Kult-Kater Garfield und seiner Familie verewigt. Auch dort habe ihn die Polizei schon mal besucht. Doch er könne stets eine Erlaubnis vorweisen, seine Arbeiten seien legal mit Auftraggebern. Durch einen Kommilitonen war der kreative Kopf 1999 zum Malen und Sprühen gekommen. Längst kennt er sich aus in der Szene, präsentiert sich im Internet unter www.snc-crew.de mit Kollegen.

"Schade, dass man es so negativ abtut"

Schade findet "Cesar One", dass es immer noch viele Vorurteile zu dieser Kunstform gibt. "Es gibt nichts Schlimmeres in Deutschland als Steuerhinterziehung und Graffitis", sagt er zur Stimmung im Land bei diesem Thema und macht deutlich: "Es ist schade, dass man es so negativ abtut." In der Tat: Wer jetzt an der Frankfurter Straße an den Häusern mit der Simpsons-Familie vorbeikommt, dem sollte in diesen tristen Monaten mal richtig zum Lächeln zumute sein.

Sogar die Hausnummer wurde farblich passend bemalt.
Vorne die bunten Comic-Figuren, hinten das Gelände vom alten Bauhof Fritz.

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