Sehr groß ist das Interesse der Anwohner der Münsterer Straße und in den Quartieren drumherum an der Informationsveranstaltung mit Bürgermeister Albrecht Kündiger (links).
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Sehr groß ist das Interesse der Anwohner der Münsterer Straße und in den Quartieren drumherum an der Informationsveranstaltung mit Bürgermeister Albrecht Kündiger (links).

Verkehr:

Kelkheim: Der Testballon Münsterer Straße ist geplatzt

  • VonEsther Fuchs
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Anwohner sind nach Gerichtsurteil zur Rücknahme der Sperrung enttäuscht - Klägerseite will Recht für alle

Kelkheim/Münster. Die eine Gruppierung steht auf der rechten Straßenseite am kleinen Wäldchen der Münsterer Straße. Die anderen Interessenvertreter haben sich gegenüber postiert. Das Bild, das sich am Samstag am von Albrecht Kündiger vereinbarten Treffpunkt ergibt, zeigt die Stimmungslage der Bürger. Der Bürgermeister hat aufgrund eines brisanten Themas zum Bürgerinformationsgespräch eingeladen.

Im Eilverfahren hatte das Verwaltungsgericht Frankfurt entschieden, dem Antrag dreier Anwohner aus der Straße "Am Waldeck" und der Frankfurter Straße stattzugeben. Am vergangenen Donnerstag erreichte die Stadt Kelkheim die Nachricht, dass das Einfahrtverbot von der Parkstraße auf die Münsterer Straße wieder aufzuheben ist. Derzeit ist dort zwar ohnehin noch eine Baustelle, die die Einfahrt verhindert. "Sobald diese Arbeiten jedoch beendet sind, müssen die Schilder wieder abgebaut werden", berichtet Kündiger.

Das Thema mobilisiert nun die Bürger. Rund 80 Kelkheimer sind beim Treffen dabei. Frühzeitig sammeln sich die Stimmungs-Lager. Da sind zum einen die Anwohner der Münsterer Straße, die die gerichtliche Entscheidung mit Missmut aufnehmen. Anwohner der umliegenden Straßen, die seit dem neuen Einfahrtverbot mehr Verkehr spürten, stehen gegenüber. Die Stimmung ist angespannt. Die Mitglieder der BIMS, der Bürgerinitiative Münsterer Straße um Gaby und Thomas Laufer, hatten Bürgermeister Kündiger auch zur einjährigen Testphase mit beschränktem Einfahrtverbot motiviert. Das ließen Isabel Gondro, Anke Jung und andere Anwohner umliegender Straßen nicht auf sich sitzen, sammelten mehr als 1300 Unterschriften gegen die Sperrung und klagten.

Zwei Lager haben sich gebildet

Im Wäldchen blickt Kündiger jedoch keineswegs in triumphierende Gesichter. Die Streitfrage ist zum Spaltpilz der Bürger geworden. Und so scheitert auch das Bemühen der Streitschlichtung trotz Sonnenscheins. Der Rathauschef bedauert die Situation; "Das war nicht in meinem Sinn. Ich habe mir davon insgesamt eine Verbesserung der Verkehrssituation versprochen." Das als Testballon gestartete Projekt sollte mit "objektiven Daten", so Kündiger, Ergebnisse liefern, die in künftige Verkehrsplanungen einfließen sollten. Die Stadt habe ein Verkehrsbüro zur Erhebung dieser Daten beauftragt und "extra ein Zählgerät angeschafft". Die Erhebungsphase sei nun hinfällig. Ergebnisse "weder in die eine noch in die andere Richtung" konnten in der kurzen Zeit nicht abgeleitet werden.

Die BIMS ist enttäuscht. Gerne hätte sie den Testballon zu Ende "fliegen" lassen. "Das war einmal eine sehr ruhige Straße. Deshalb haben wir hier unser Haus überhaupt gekauft", sagt Hans Grimm, der Mitte der 60er an die Münsterer Straße zog. "Es ist schon bedauerlich, dass die Testphase abgebrochen wird", findet Ehepaar Blumenstein-Weyrich und ergänzt: "Wir sind sehr enttäuscht." Eine andere Anwohnerin wirft ein: "Uns hätte die Auswertung brennend interessiert. Wir haben Fotos, Dokumentationen und Zählungen." 600 Autos die Stunde passierten die Münsterer Straße "ohne Busse und Laster". Jürgen Peukert spricht ein Grundproblem an: "In den Navigationsgeräten ist der Weg durch die Münsterer Straße Alternativroute, wenn die Bahnschranken geschlossen sind. Da wird man automatisch so umgeleitet."

Der Bürgermeister betont, dass seine Entscheidung niemanden bevorzugen sollte. Die Zufahrt von Fischbach durch Kelkheim nach Hofheim habe schon immer Gemüter erhitzt. Er sei aber nun verpflichtet, die Verbotsschilder wieder abzubauen. "Ich bin zwar der oberste Leiter der Ordnungsbehörde. Doch, wie ich nun erfahren musste, sind solche verkehrsrechtlichen Anordnungen nur möglich, wenn es rechtliche Gründe gibt." Die Testphase sei kein tauglicher Grund.

Isabel Gondro, die am Waldeck wohnt, und Anke Jung aus dem Waldplateau haben wiederum Bürger mobilisiert, die ihrer gegenteiligen Meinung sind. Sie verstehe nicht, weshalb die Straße nach der Komplettsanierung, "die wir ja alle bezahlt haben, nicht mehr von allen genutzt werden darf", so Gondro. Die Sanierungsarbeiten hätten alle Anwohner geduldig mitgetragen. "Wir haben in den zwei Jahren Sanierung eine erhebliche Mehrbelastung gespürt", sagt sie und verweist ihrerseits auf Zählungen, "mit morgens 900 Autos mehr".

Kritik an der Kommunikation

Man habe die Mehrbelastung ohne Murren ertragen, doch nun wünscht sie sich mit ihren Mitstreitern die alte Verkehrsführung zurück. "Es geht nicht, dass alle leiden, nur weil einige Anwohner anderes im Sinn haben." Die Münsterer Straße sei laut Generalverkehrsplan bereits seit den Siebzigern eine "Wohnsammelstraße". "Die Anwohner wussten doch, als sie bauten, dass diese Straße den Verkehr zu größeren Straßen leitet." Die Stadt könne "nicht einfach mal Straßen dichtmachen. Wir haben hier in der Nähe Kindergärten, Schulen und Freizeitangebote." Othmar Tietz findet bedauerlich, dass ihn das Einfahrtsverbot so plötzlich traf. Er hätte sich eine "bessere Kommunikation" gewünscht. Kündiger entschuldigte sich öffentlich und appellierte an den Zusammenhalt aller Anwohner. Doch davon scheinen sie in dem Quartier derzeit weit entfernt.

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