Corona-Test bei einem "Drive-In".
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Corona-Test bei einem „Drive-In“.

Pandemie

Corona-Tests im Blickpunkt: Wer soll getestet werden? Und wo?

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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In Kelkheim sind Corona-Tests das Thema der Stunde. Die Fragen sind, wer getestet werden soll und vor allem wo.

Kelkheim – Die CDU regt ein Schnelltestzentrum in der Stadt an, der Bürgermeister hat die niedergelassenen Ärzte in einem Schreiben um Unterstützung gebeten, ein Mediziner erklärt seine Motivation deutlich und ein Kelkheimer denkt hier an Drive-In-Tests: Corona ist mehr denn je allgegenwärtig bei Politikern, Bürgern und Unternehmern.

Zur letzten Gruppe zählt Arzt Robert Kraschinski, der eine Praxis in Fischbach hat. Doch er sieht das Thema Corona-Tests weniger von der wirtschaftlichen Seite. Ihm sei „ultimativ wichtig“, dass die Schulen und Kindergärten offen haben. Und deshalb bietet er Tests explizit für Lehrer und Erzieher an. Zuletzt hat er Bürgermeister Albrecht Kündiger das Angebot gemacht, die Mitarbeiter im Rathaus könnten kommen. „Private Testzentren sprießen ja wie Pilze aus dem Boden“, weiß Kraschinksi. Sie hätten oft „betriebswirtschaftliche Interessen“. Das könne bei ihm beim großen bürokratischen Aufwand gar nicht im Vordergrund stehen. Für Erzieher und Lehrer müssten zum Beispiel vom Land vorgegebene Labors bedient und eigene Akten angelegt werden. Auch müsse unterschiedliches Testmaterial besorgt werden, so der Mediziner, der das „als typisches, deutsches hausgemachtes Problem“ bezeichnet. Aber der Tests weiter anbietet, „dass die Eltern arbeiten gehen können“, um einer „gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden“.

CDU in Kelkheim schlägt Corona-Schnelltestzentrum in der Stadt vor

Die sieht auch die Kelkheimer CDU. Sie regt in einer Anfrage an den Magistrat an, über ein Corona-Schnelltestzentrum oder eine Schnellteststation in der Stadt nachzudenken. Das könnte sehr im Interesse der Kelkheimer sein. Es gebe auch einen Interessenten, der „offenbar leider vergeblich“ versucht habe, die Stadt dazu zu kontaktieren. Das hält die CDU für „völlig unverständlich“ und klopft beim Magistrat an. Sie fragt, ob ein solches Zentrum vorstellbar sei und die Stadt dafür derzeit ungenutzte Liegenschaften zur Verfügung stellen könnte. Das Engagement von Arzt Kraschinski ist der CDU nicht verborgen geblieben. Es wäre also wünschenswert, Informationen zu bekommen, so Fraktionschef Dirk Hofmann. Kurze Wege zu Tests wären hilfreich, „um im schlimmsten Fall nicht an den Flughafen fahren zu müssen“.

Bürgermeister Kündiger begleitet das Thema schon einige Zeit. Ende 2020 hat er einen Brief an die Ärzte in Kelkheim geschrieben und dort um Unterstützung mit kostenlosen Corona-Tests für rund 400 Mitarbeiter in der Kita- und Grundschul-Betreuung gebeten. Die Erzieher hätten berichtet, es gebe in der Stadt kaum Ärzte, die das anbieten. Trotz des administrativen Aufwandes hat Kündiger an die Mediziner appelliert, Möglichkeiten zu prüfen.

„Drive-In“ in Kelsterbach: 30 bis 60 Bürger machen täglich einen Corona-Test

Tests für jedermann, wie in einem Zentrum von der CDU gewünscht, seien weiter bei vielen Ärzten möglich, betont der Bürgermeister. Mit Zelten oder Containern vor Praxen seien Voraussetzungen geschaffen worden. Kündiger bestätigt auch das Angebot einer Firma, eine Teststelle einzurichten. Diese Mail sei an alle Bürgermeister im Kreis gegangen - sie hätten sich darauf verständigt, darauf nicht einzugehen. Es gebe ja Alternativen, zudem viele Unternehmen, die mehr „auf den schnellen Euro aus“ seien, betrachtet Kündiger die allgemeine Situation. Letztlich dürfe die Stadt die Koordination durch den Kreis „nicht aus den Augen verlieren“. Der habe zwei Testzentren in Hofheim und Eschborn eingerichtet. Kelkheim habe sich auch angeboten, aber letztlich nicht den Zuschlag bekommen, weil Eschborn den Ostkreis abdeckt, so Kündiger. Letztlich habe er „gutes Zutrauen in den Kreis“ und die gemeinsame Richtung der Bürgermeister.

Das ist also eine Absage an die CDU-Anfrage. Und an Oliver Boetto, der auch Kelkheim das Angebot eines Testcenters gemacht hat. Der Kelkheimer betreibt eine Firma, die in Hessen Filmproduktionen unterstützt. Da seien viele Corona-Tests nötig gewesen, erzählt der Unternehmer. So habe sich die Firma dort eingearbeitet und inzwischen zwei Standorte eingerichtet: einen am Firmensitz in Sulzbach, einen als „Drive-In“-Test in Kelsterbach, der täglich von 30 bis 60 Bürger angefahren werde. Für Kelkheim hätte sich Boetto so etwas am Freibad vorstellen können. Seine Motivation: „Je mehr Leute sich testen lassen, umso mehr Klarheit gibt es.“ Hier könne die Firma einen „Beitrag leisten“, möchte er, dass die Stationen keinesfalls als „reine Profit-Center“ gesehen werden. Das Projekt stehe unter Leitung eines Medizin-Professors aus Mainz und werde von Rettungsassistenten sowie Medizin-Studenten nach dem 1. Staatsexamen begleitet, so Boetto. (Frank Weiner)

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