Oldtimer-Freunde und Tüftler vom Ro80-Club mit ihrem Herzensprojekt: Ronald Werner (macht Fotos), Andreas Skowronnek (mit Sitzbank), Andreas Schmidt (am Steuer) und Jürgen Rusch.
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Oldtimer-Freunde und Tüftler vom Ro80-Club mit ihrem Herzensprojekt: Ronald Werner (macht Fotos), Andreas Skowronnek (mit Sitzbank), Andreas Schmidt (am Steuer) und Jürgen Rusch.

Oldtimer-Fans tüfteln an RO80

Kelkheim: Die Wankel-Schrauber von der Hauptstraße

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Faszinosum in schrillem Orange: Andreas Skowronnek. Jürgen Rusch, Andreas Schmidt und Ronald Werner vom Ro 80-Club tüfteln an einem besonderen Vehikel. Über die Begeisterung für Oldtimer - und warum einer der Ro 80-Wagen von Werner ein schnelles und brutales Ende im "Tatort" gefunden hat.

Kelkheim -"Können die Sitze einfach rausgeschoben werden?", fragt Andreas Skowronnek. Jürgen Rusch nickt, während er gerade an der anderen Seite des Autos Einzelteile abschraubt. Sein Gegenüber fackelt nicht lange, hat ruckzuck den ersten Autositz des Ro 80 aus seiner "Umklammerung" befreit. Nun versucht Skowronnek, ihn hinten in den Kofferraum einzupassen. Wenig später ist auch der zweite Sitz nebendran platziert. Zwar noch etwas schief, aber dass Skowronnek daraus ein ganz spezielles Sofa basteln will, kann der Betrachter durchaus erahnen. Das Heck des Oldtimers in der damals schon schrillen Farbe "Targa Orange" werde er dafür abflexen, kündigt der bekannte Kelkheimer an.

Sie sind die "Wankel-Schrauber" von der Hauptstraße, die sich hier im Hof von Andreas Schmidt im Ortskern treffen. Hier ist das geballte Wissen über ein Auto versammelt, das vor rund 50 Jahren seiner Zeit schon weit voraus war. Der Ro 80 von NSU war mit dem seltenen Wankelmotor und seiner speziellen Form damals Sensation und Schrecken zugleich. Denn ganz günstig war der Wagen nicht, konnte sich letztlich bei insgesamt nur wenigen gebauten Exemplaren auch nicht auf Dauer durchsetzen.

Doch natürlich hat der Ro 80 eine Fangemeinde - und ein Zentrum der Experten liegt in Kelkheim und Liederbach. "Das ist hier ein richtiger ,Hotspot'", sagt Rusch. Er kommt zwar aus Frankfurt, ist aber Kassenwart im NSU- Ro 80-Club, der seinen Sitz beim Vorsitzenden Ronald Werner in Liederbach hat. Der Kelkheimer Schmidt ist wiederum Schriftführer und sein Kumpel Skowronnek inzwischen Mitglied der Gruppe.

Schnäppchen

für nur 700 Euro

"Ich fand den Ro 80 schon immer schön", sagt der Neuzugang, der in der Stadt als Organisator von Stadtmarkt und Wäldchestag bestens bekannt ist. Auch dorthin hat er gerne schon Oldtimer eingeladen - seine weitere Leidenschaft. Skowronnek hat einen alten VW-Bus, einen Käfer von 1963 und inzwischen einen Ro 80. Das aber reichte ihm zuletzt nicht. Er und Schmidt wurden bei einer alten Dame in Bad Homburg fündig und erwarben für nur 700 Euro den nächsten alten Ro, der nun im Hof bereitsteht.

"Für die Transplantation vorbereitet", wie Rusch sagt. Er arbeitet beim TÜV, ist an diesem Abend der Haupt-Schrauber. Vereinschef Werner ist aus Liederbach gekommen - mit dem alten Bauer Sport, seinem Rad aus der Jugendzeit. Der "Motor" des Ro 80-Clubs dokumentiert die Schrauber-Aktion und lobt: "Mit Ausnahme der Türen sieht er noch ganz gut aus." Schmidt schwärmt vom besten Schweller aller Zeiten, jenem wichtigen Karosserieteil unter den Türen. Und Kollege Rusch hat sich schon das sehr gut erhaltene Dach für seinen eigenen Ro 80 ausgesucht. Gerade hat er eine Dichtung abmontiert, "die kann man fast noch benutzen". Skowronnek wiederum läuft bereits mit dem Armaturenbrett herum, das er sich zu Hause auf den Schreibtisch stellen will.

Der Neuling in "Targa Orange" sei fast zu schade dafür, um jetzt so ausgeschlachtet zu werden, finden die vier Tüftler. Doch jeder hat sich schon Teile ausgesucht. Schmidt nimmt den Auspuff und die Bremsen für seine beiden Modelle, wovon er eins mit einem selten Schiffsmotor ausgestattet hat. Die Bremsen seien heute noch im Audi TT eingebaut, erklärt er. "Dieses Auto hat mich schon als Kind fasziniert", erzählt der Kelkheimer. Schmidts erster Ro 80 sei zwar ein Fehlkauf gewesen - doch die Leidenschaft ließ ihn nicht mehr los. Das Design sei wirklich Geschmackssache, doch die Technik etwa mit dem Wankelmotor und einer Halbautomatik einfach klasse. Es sei ein schönes Hobby, er sei zum Tüfteln da so reingewachsen, erzählt Schmidt, in dessen Scheune auch alte Fahrräder und Tandems zu finden sind.

Oldtimer-Club

hat 70 Mitglieder

Ganz in der Nähe saniert Kumpel Skowronnek jetzt auch einen alten Hof, dort sind ebenfalls Oldtimer auf zwei Rädern zu finden. Gleich fünf alte Autos besitzt der Liederbacher Werner, der den Ro 80-Club vor mehr als 40 Jahren initiiert hat. Und der mit fast 70 Mitgliedern trotz Corona eine stabile Größe hat. Kein Wunder: Schrauben und Tüfteln in kleinen Gruppen geht ja immer.

Was die Oldtimer-Freunde so an ihrem Hobby fasziniert? "Diese Autos haben Charakter, die haben Geschichte und etwas erlebt", schwärmt Skowronnek. Sie seien damals ein "Produkt aus Zufall und den Möglichkeiten der Firmen" gewesen, weiß Rusch. Heute sei alles sehr einheitlich geworden, "vielleicht besser, aber langweiliger". Er sei mit den Wagen älter geworden, betont Werner. Er habe den "Drang, technische Gegenstände lang leben zu lassen" und damit etwas gegen die "Wegwerfgesellschaft" zu tun.

Einer der Ro 80-Wagen von Werner hat allerdings ein schnelles und brutales Ende gefunden. Der Hessische Rundfunk hat ihn für den "Tatort" gekauft. Es ist der Dienstwagen von Kommissar Murot. In einer Folge wurde er allerdings von Schüssen durchlöchert. Im letzten Fall, "Die Ferien des Monsieur Murot", hat Werner dann ein anderes seiner Modelle mit auf die Straße geschickt.

Infos und Kontakt

Kontakt zum NSU-Ro 80-Club gibt es über Ronald Werner, Telefon (0 69) 38 38 63, oder unter www.nsu-ro80-club.de.

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