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Kelkheim: Diese Firma hat ein Herz für die Feuerwehr

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Von: Frank Weiner

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Geschäftsführer Timo Hartmann (vorne links) mit seinen aktiven Feuerwehrleuten und Mitarbeitern vor dem Auto und dem Firmeneingang (v. l.): Patrick Seng, Stephan Hauck, Jan Homann, Philipp Trautmann, Stefan Kunisch, Lucas Piscator und Florian Volk.
Geschäftsführer Timo Hartmann (vorne links) mit seinen aktiven Feuerwehrleuten und Mitarbeitern vor dem Auto und dem Firmeneingang (v. l.): Patrick Seng, Stephan Hauck, Jan Homann, Philipp Trautmann, Stefan Kunisch, Lucas Piscator und Florian Volk. © wein

Bei Althen sind 7 von 32 Mitarbeitern Brandschützer - Anerkennung der Stadt, Auszeichnung vom Verband

Münster. Es gab schon Tage, da ist bei der Feuerwehr im Stadtteil ein komplettes Auto mit den Kollegen der Firma Althen zum Einsatz ausgerückt. Das liegt nicht nur an der Lage des Unternehmens für Mess- und Sensortechnik direkt oberhalb des Gerätehauses. Sondern auch daran, dass Althen gerne Feuerwehrleute einstellt. Die Quote kann sich sehen lassen: Von 32 Mitarbeitern sind 7 ausgebildete Brandschützer und können tagsüber für die Kelkheimer Retter zur Verfügung stehen.

„Gut, wenn Leute sozial engagiert sind“

Stadtbrandinspektor Stefan Kunisch ist diese Offenheit nicht entgangen. Natürlich nicht, denn er arbeitet seit gut zehn Jahren im Produktmanagement bei Althen. Die Geschäftsführung sei schon damals offen gewesen, Fachkräfte einzustellen, die auch Feuerwehrleute seien. Kunisch war der erste Brandschützer im Team. Inzwischen sind ihm Jan Homann (Entwicklungs-Ingenieur), Lucas Piscator (Qualitätsmanagement), Patrick Seng (Auftragsabwicklung), Philipp Trautmann (Online-Marketing) und ganz neu Stephan Hauck sowie Florian Volk (beide Vertrieb) gefolgt. Ein Quintett ist bei der Feuerwehr in Münster aktiv, Hauck nicht weit weg in Hornau, Volk bei den Helfern in Reiskirchen in Mittelhessen. Einige haben schon früh bei den „Mini-Löschern“ angefangen - und stehen tagsüber in Kelkheim im Ernstfall bereit.

Für diese Unterstützung hat sich Kunisch jetzt quasi selbst und den Kollegen „Danke“ gesagt. Denn die Firma Althen wurde als „Partner der Feuerwehr“ in Kelkheim ausgezeichnet. Viele Unternehmen in der Stadt mit diesem „Titel“, den der Landesfeuerwehrverband auf Antrag der Kommunen verleiht, gebe es nicht, weiß der Stadtbrandinspektor. Damit soll einerseits die Offenheit der Firma anerkannt, aber auch bei anderen Betrieben für eine stärkere Einbindung der Feuerwehr geworben werden, so Kunisch. Denn er weiß ebenso wie Kollege Seng, seit 2021 Wehrführer in Münster, dass bei den Kelkheimer Unternehmen in dieser Sache noch einige Luft nach oben sei. Es habe mal den Versuch gegeben, über die Vereinigung Kelkheimer Selbständiger für die Feuerwehr zu werben. Kunisch ist überzeugt, dass viele Geschäftsführer und Firmeninhaber sicher noch offener wären, wenn ihnen die Thematik erklärt werden würde. Ein „Partner der Feuerwehr“ sei lange nicht mehr ernannt worden.

Es geht in allen Kommunen um die Einsatzbereitschaft tagsüber. Etwa 220 aktive Feuerwehrleute gibt es in Kelkheim. Aber nur rund 20 Prozent könnten am Tag mit ausrücken. Die anderen Kameraden arbeiten außerhalb und seien nicht oder kaum verfügbar. Es seien zwar einige Kollegen im Industriepark Höchst zum Beispiel beschäftigt - doch sie könnten nur bei größeren und längeren Einsätzen rechtzeitig mit dabei sein, weiß Seng. Umso wichtiger ist es, dass in den Kelkheimer Firmen selbst ausreichend Feuerwehrleute beschäftigt sind. Und bei der Stadt, die bei Einstellungen in bestimmten Bereichen ebenfalls darauf achtet. Bevorzugt behandelt werden dürften die Brandschützer aus Gründen der Gleichberechtigung allerdings nicht, erklärt Kunisch.

Bei Althen hat sich das bisher immer so ergeben. Die Kollegen haben sich auf der Suche nach Jobs schon auch durch ihren Kontakt zur Feuerwehr im Unternehmen beworben. Geschäftsführer Timo Hartmann ist da sehr offen. „Wir finden das sehr gut, wenn die Leute sozial engagiert sind.“ Das wirke sich auf die allgemeine Einstellung aus. Zudem wolle die Firma damit Verantwortung an ihrem Standort übernehmen. Ein Vorteil sei auch, dass die Feuerwehrleute Kenntnisse im Bereich Brandschutz, Sicherheitstechnik und Erste Hilfe mitbringen. So könnten sie etwa mit dem Zertifikats-Kontrolleur fachsimpeln, wenn dieser im Haus prüfe.

Feuerwehrleute „bringen schon einiges mit“, betont auch Kunisch und zählt Eigenschaften wie „Zuverlässigkeit und Improvisationsvermögen auf“. Kollege Hauck findet, dass die Kombination Beruf und Ehrenamt vieles vereinfache, er das aber andererseits gut trennen könne. Die Teamarbeit als Brandschützer übertrage sich durchaus in den Job und umgekehrt. Wobei es der 46-Jährige als einziger Hornauer unter Münsterer Wehrleuten nicht so leicht habe, wie er schmunzelnd sagt. Doch wenn alarmiert wird, ist aller Flachs schnell vergessen.

Hoffnung, dass dieses Beispiel Schule macht

„Die Technik und die Kameradschaft“ begeistern Piscator (26) an seinem Hobby. Kunisch (46) findet es wichtig, „im Team zu arbeiten“, Homann (28) kann sich keine abwechslungsreichere Freizeitbeschäftigung vorstellen. Und Seng (29) hebt hervor, dass gerade tagsüber qualifiziertes Personal sehr wichtig sei. So bildet er mit Kunisch zusammen für Kelkheim auch am Tag das Duo für den Einsatz-Leitdienst.

Und was passiert mit der Arbeit? Es müsse natürlich mit dem Job aktuell vertretbar sein, so Kunisch. Wer in einem wichtigen Treffen oder einem Kundengespräch stecke, rückt nicht zwingend sofort mit aus. Ist das Sextett im Einsatz, helfen die Kollegen natürlich aus, oder die Sache wird nachgearbeitet. Finanziell entstehen Althen durch das Ehrenamt keine Nachteile. Laut Chef Hartmann ist die Firma, die seit 2006 zur niederländischen Broadporte-Gruppe gehört, nach schwierigen Corona-Jahren wieder im Auftrieb. „Wir blicken jetzt in eine gute Zukunft“, sagt er.

Den Standort im Gewerbegebiet in direkter Nachbarschaft zur Feuerwehr haben sie 2016 bezogen - der Wechsel aus den beengten Verhältnissen im Ortskern von Münster habe „gut getan“, wissen Hartmann und Kunisch. Ebenso der Kooperation mit der Feuerwehr, die nun auf die Ergebnisse einer Umfrage in den Mannschaften wartet. Hier ist ein Ziel die Mitgliederwerbung. Vielleicht finden sich noch weitere Firmen wie Althen, die feuerwehrfreundlich dieses Ehrenamt stärken.

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