Vorbereitung für die Lounge im Gewerbegebiet: Joachim Schorb (links) und Tim Fliege vom City-Club am Sandhaufen.
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Vorbereitung für die Lounge im Gewerbegebiet: Joachim Schorb (links) und Tim Fliege vom City-Club am Sandhaufen.

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Kelkheim: Discothek tauscht Räume gegen Freiluft-Bar mit Sand

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Unternehmen hat nie ans Aus gedacht und möchte nun mit Sommer-Alternative durchstarten

Kelkheim. Joachim Schorb und Tim Fliege beobachten die vielen Heinzelmännchen zufrieden. Einige Arbeiter werkeln an einer Holzhütte, auf der noch etwas unpassend das Wort "Glühwein" steht, andere holen Holzbretter heran, und ein riesiger Kran hievt Platten auf die Fläche an der Lise-Meitner-Straße im Gewerbegebiet in Münster. Schorb, der mit seiner Partnerin Judith Moog die in der Region bekannte Kelkheimer Discothek "City-Club" betreibt, und ihr designierter Nachfolger Fliege sind angetan vom Fortschritt.

Essen, Trinken, Liegestühle, Musik

Hier soll das neue Projekt der Disco entstehen: eine große Außengastronomie mit Hütten für Essen und Trinken, einen Beach-Platz mit Liegestühlen, kleinen Lauben als separate Sitzgelegenheiten und an Wochenenden einem Live-Discjockey. Am Freitag, 11. Juni, um 16 Uhr wird eröffnet. Reservierungen sind nicht nötig, der Eintritt ist frei.

Die Stadt und Bürgermeister Albrecht Kündiger hätten die Idee sehr unterstützt, lobt das Duo. Denn um die Discothek letztlich abzusichern, haben die Chefs nach Alternativen gesucht. Das Konzept mit der Beach-Lounge draußen kam bei der Stadt gut an, die dazu ihre Fläche im Gewerbegebiet gerne verpachtete. Mittelfristig ist hier aber die Ansiedlung einer weiteren Firma vorgesehen.

Einschränkungen für "City-Club"

Für Discotheken wie den seit 47 Jahren in Kelkheim bestehenden "City-Club" ist die Lage trotz aller Lockerungen weiterhin schwierig. "Nach vielen Überlegungen haben wir entschieden, dass die Tür noch zu bleibt", schrieb das Team zuletzt in den sozialen Medien und ergänzte mit einem Seitenhieb auf die Vorgaben: "Testpflicht, Tanzverbot und Abstand sind keine guten Grundlagen für einen schönen Abend." Fliege ergänzt noch : "Für einen Club fehlt da einfach was."

Deshalb verlegt die Disco nun ihre Aktivitäten nach draußen. Das Konzept für ihren "Beach-Club Chill-Out Snackpoint" war schnell fertig. Dank ihrer Kontakte, Fliege ist in besseren Zeiten als Dienstleister für Werbetechnik und Einkaufscenter unterwegs, war auch die Logistik nicht das große Problem. Geplant ist es, dienstags bis sonntags zu öffnen. Zwei Hütten für die Verpflegung und eine Toilettenanlage wird es geben. Am Wochenende ist Live-musik geplant, unter der Woche Hintergrundklänge vom Band.

Schorb führt den "City-Club" schon gut 20 Jahre, seine Lebensgefährtin ist noch deutlich länger dabei und als gute Seele an der Bar bekannt. Eine solche Tradition wollten sie nicht so einfach wegwerfen. "Den Gedanken, zu schließen, hatten wir nicht", betont Schorb. Aber natürlich sei die Corona-Zeit sehr schwierig gewesen. Von den Discotheken wurde immer erst am Ende geredet, auch die Staatshilfen seien verspätet gekommen. Am 16. März sei geschlossen worden, erinnert sich Fliege noch genau. Er selbst stellte sich danach an die Plattenteller im Club in der Stadtmitte und legte Musik für Online-Partys auf. Natürlich nicht mit dem großen Erfolg. Später konnte die Einrichtung als "Bar" ohne Tanzen im Sommer noch mal kurz öffnen. "Das hat mehr gekostet, als es etwas gebracht hat", weiß Schorb inzwischen. Und daher bleibt der eigentliche "City-Club" jetzt trotz der erneuten Möglichkeit einer Bar weiter zu. Statt drinnen mit Corona-Test bis zu 100 Leute begrüßen zu können, bevorzugt das Team die Variante mit seinem Club draußen für bis zu 200 Gäste, die noch dazu ohne Test kommen dürfen.

Nachfolger ist schon im Blick

Schorb bezeichnet Fliege liebevoll-flapsig als seinen "Lehrling". Was natürlich nicht passt, denn der Liederbacher ist schon selbst lange im Geschäft. Deshalb ist es auch geplant, dass er den "City-Club" vom Duo Schorb/Moog übernehmen soll. Eigentlich wäre das jetzt vorgesehen, weiß Flieger.

Doch nun soll erst einmal wieder der Betrieb anlaufen, um in wenigen Jahren dann die Nachfolgeregelung anzugehen. Der Anfang für den Neustart wird auf Holzplatten mit Livemusik im Sand gemacht.

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