Am Wertstoffhof in Münster bildeten sich zuletzt lange Staus.
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Am Wertstoffhof in Münster bildeten sich zuletzt lange Staus.

Entsorgung:

Kelkheim: Ein eigener Müllplatz für Privatleute?

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Umstellung am Wertstoffhof ist geplant.

Kelkheim. Die Bürger aus Kriftel kennen das schon ewig: Sie fahren den Wertstoffhof an, bekommen meist schnell einen Parkplatz und entsorgen ihren getrennten Müll in den jeweiligen Großcontainern. Ganz reibungslos läuft das. Nicht so zuletzt in Kelkheim: Dort müssen die Entsorger erst durch ein Nadelöhr, die Einfahrt der Entsorgungsfirma Kilb im Gewerbegebiet Münster. Bis alle Autos und Abfälle kontrolliert und weitergeleitet sind, das kann dauern. Gerade in den vergangenen Corona-Monaten, als die Kelkheimer zu Hause tonnenweise Krempel entsorgten, kam es am Samstagmorgen zu erheblichen Staus und viel Unmut.

Das soll sich nun ändern. Die Stadt muss die Abfallentsorgung jetzt ohnehin europaweit neu ausschreiben. Denn der Vertrag inklusive Verlängerungsoption läuft Ende 2021 aus. Dabei geht es auch um Behälter für Papier und Biotonnen, um die Einsammlung von Altpapier, Biomüll und Elektrogeräten. Und um eine Vertretungsregelung, falls es bei der Müllabfuhr, die von der Stadt noch selbst gestemmt wird, zu Engpässen kommt. Das alles soll aber nicht geändert werden.

Noch kein Votum im ersten Ausschuss

Im Ausschuss für Infrastruktur stellte Bürgermeister Albrecht Kündiger vor allem aber die geplanten Umstellungen beim Wertstoffhof in der Ausschreibung vor. Zugleich wurde ein Antrag der Koalition aus CDU, SPD und FDP behandelt, in dem Veränderungen gefordert und um Alternativprüfungen gebeten werden. Da noch Fragen offen sind, soll eine Empfehlung über das neue Wertstoffhof-Konzept erst morgen im Haupt- und Finanzausschuss gegeben werden. Das letzte Wort hat das Parlament am 5. Juli.

Der Bürgermeister kündigte "erhebliche Veränderungen" an. Bisher hätten die Kelkheimer samstags alles anliefern können. Künftig sollen nur sortenreine unbelastete Wertstoffe bis maximal einen Kubikmeter pro Haushalt und Öffnungstag möglich sein. "Eine Menge, die überschaubar ist und in ein Auto passt", so Kündiger. Kostenpflichtige Mehrmengen sollen zu diesen Zeiten nicht mehr angenommen werden. Auch soll es eine getrennte Zufahrt zum kommunalen Wertstoffhof für die Kelkheimer geben. So wie in anderen Kommunen im Kreis. Bisher rollen sie mit gewerblichen Anlieferern und sogar "Kunden" aus anderen Orten gemeinsam an. Auch die Abrechnungsart wird von Volumen auf Gewicht umgestellt.

Für Bürger schneller, für Stadt günstiger

Wenn die Firma Kilb ihre neue Müll-Halle fertig gebaut hat, könne die Stadt das getrennte System dort vielleicht testen, so Kündiger. An den Öffnungszeiten samstags mit der Grünabfallstelle soll sich nichts ändern. "Es wird sehr viel schneller gehen", sagte Kündiger. Und die Stadt spare "eine Menge Geld". Die Kosten für die Entsorgung in Corona-Zeiten hätten sich zum Teil verzehnfacht.

Die Koalition wollte dezentrale Alternativen geprüft sehen. Doch davon riet die Stadt für das Papier ab. Wieder überall Container aufstellen, führe zur Vermüllung dieser Standorte, so die Erfahrungen früher. Auch habe sich die Lage entspannt, so dass der angeregte zweite Entsorgungstag wohl nicht mehr nötig sei, so Kündiger. Aktuell könnte das die Firma Kilb wegen ihrer Betriebsabläufe auch gar nicht anbieten. Sollte die Papiertonne nicht alle vier Wochen, sondern häufiger geleert werden, würde es teuer. Zwischen 15 000 und 20 000 Euro koste so ein Vorgang, erläuterte die Verwaltung. Aber jeder Haushalt könne sich für wenig Geld noch bei Bedarf eine zweite blaue Tonne bestellen.

Der Ausschuss führte noch kurz eine Grundsatzdiskussion. Durch die vielen Online-Bestellungen fällt aktuell so viel Papier und Pappe an. Das müsse sich ändern, "sonst haben wir in Kelkheim bald keine Geschäfte mehr", mahnte Sigrun Horn (UKW). Fabian Beine (CDU) erklärte, die Stadt müsse "den Müll erst einmal akzeptieren, wie er anfällt". Und im Sinne der Bürger sollten Alternativen zumindest geprüft werden. Ein Hinweis von Gerd Schulz (UKW): Die Firma Kilb nehme täglich Papier an, und Elektroschrott müsse sogar von größeren Technikmärkten angenommen werden.

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