Sie betreuen das Corona-Testzentrum (v. l.): Apothekerin Katherina Rack, Testerin Cornelia Clajus-Sprange, Mediziner Dieter Sprange, Geschäftsführer Christian Howaldt und Testerin Monika Holler.
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Sie betreuen das Corona-Testzentrum (v. l.): Apothekerin Katherina Rack, Testerin Cornelia Clajus-Sprange, Mediziner Dieter Sprange, Geschäftsführer Christian Howaldt und Testerin Monika Holler.

Pandemie:

Kelkheim: "Ein Zugewinn an Sicherheit für den Kreis"

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Apothekerin und Unternehmer initiieren eigenes Corona-Testcenter in der Möbelstadt.

Kelkheim. Michel Schulz hat sich am Freitagmorgen nicht wohl gefühlt. Erste Symptome in Richtung Corona? Um auf Nummer sicher zu gehen, möchte der Hornauer einen Schnelltest machen lassen. Doch wo? Schulz wollte sich schon auf den Weg nach Höchst machen, wo er von einer Möglichkeit wusste. Doch seine Frau wies ihn auf ein neues Testzentrum in Kelkheim hin.

Erster Kunde lobt und ist "negativ"

Punkt 11 Uhr steht er dort auf der Matte. Nachdem er sich vorher im Internet registriert hat (Text rechts), geht alles schnell. Mitarbeiterin Melanie Howaldt, eingehüllt in den Schutzanzug, bereitet ihn auf den Nasen-Abstrich vor. Ruckzuck ist der genommen. "Etwas unangenehm" sei das Stäbchen gewesen, findet Schulz. Den ganzen Prozess hier im ersten Kelkheimer Corona-Testzentrum bezeichnet er aber als "top". Und bekommt ein Lob der Testerin zurück: "Sie waren ein toller erster Patient." Noch toller ist das Ergebnis, das Schulz 15 Minuten später aufs Handy bekommt: negativ.

Es ist eine Menge los hier am ersten Vormittag in den Räumen der ehemaligen Kinderkrippe der "Kleinen Strolche". Was aber noch nicht am Andrang der Testpersonen liegt. Vielmehr stellen die Initiatoren und die Stadt das Projekt vor, das besonders ist. Eigentlich hätte Bürgermeister Albrecht Kündiger hier gerne schon Kinder unter drei Jahren spielen sehen. Die Stadt will nach dem Auszug des Vereins "Kelkheimer Perspektiven" ins Kinderhaus am Schwimmbad erstmals eine eigene Krippe betreiben. Da gebe es "dringenden Bedarf". Doch mit dem Personal und den Genehmigungen gehe es so schnell nicht, weshalb die Räume frei sind.

Da kam die Anfrage von Katherina Rack beim Bürgermeister gerade recht. Sie ist in Kelkheim als Betreiberin der Apotheken am Marktplatz und im Gesundheitszentrum bekannt. Es sei zwar bald möglich, in Apotheken Corona-Tests anzubieten, weiß sie. Doch wenn, dann wolle sie das nicht in kleinen Räumen nebenbei anbieten, sondern richtig. Wiederum passend war, dass die Racks mit Christian Howaldt gut bekannt sind. Der Wiesbadener ist Teil der Firma "Match IQ", die große Sportevents organisiert - wie das Abschiedsspiel von Weltfußballer Ronaldinho in Frankfurt. Das alles sei im Corona-Jahr weggebrochen, weshalb Howaldt nach einer Anfrage des Handball-Bundes zum Thema Tests im Herbst die Firma "Invitago" gründete. Sie bietet diesen Service im großen Stil an. Es gibt das Testzentrum in Dietzenbach, in dem laut Howaldt bereits 14 000 Bürger des Kreises Offenbach getestet wurden, und zwei mobile Labore. In ganz Hessen werden 40 Firmen regelmäßig angefahren.

Da machte Howaldt gerne beim Projekt von Katherina Rack mit. Ein solches Angebot nun in der Stadt zu haben, sei gut und wichtig, findet auch Kündiger. Sei es doch sonst beschwerlich, zum Beispiel zu Tests an den Frankfurter Flughafen zu fahren. Vor allem für die Erzieher in den Kitas und das Personal der Schulbetreuung wäre das eine gute Alternative, wenn hier die kostenfreien Tests für diese Gruppen möglich wären. Denn die Kelkheimer Ärzte "tun sich schwer damit", gerade wegen der Fülle an Bürokratie. "Das zu integrieren, wäre ein wichtiger Punkt", sagt Kündiger zu dem Projekt, das erst einmal bis Ende April befristet ist.

Die Stadt hatte schon ein Angebot, ein Testzentrum einzurichten. Das hatte sie abgelehnt. In diesem Fall tut sich der Bürgermeister deutlich leichter, stehen doch zwei bekannte Mediziner mit ihrem Namen dahinter. Wolfgang Drossard hat 35 Jahre seine Praxis, war Mitinitiator des Gesundheitszentrums Kelkheim und arbeitet gut mit Racks Apotheken zusammen. "Ich kann das aus ärztlicher Sicht nur unterstützen", betont er. Das Projekt mitten in der Stadt sei "ein goldener Griff", ein "Zugewinn an Sicherheit für den Main-Taunus-Kreis". Drossards Kollege Dieter Sprange war fast 50 Jahre Frauenarzt in Königstein, sei mit 84 Jahren gerne noch mal bereit, hier ärztliche Aufsicht mit zu führen.

Im Zentrum gibt es drei Plätze für Abstriche, bis zu 1000 Tests am Tag sind möglich - antigene Schnelltests und die umfassenderen PCR-Tests. Rack möchte nun "Frequenz" erreichen, um möglichst viel Sicherheit durch getestete Personen zu haben. Es geht auch schnell, wie im Fall einer Hornauer Kita am Freitag, wo Corona-Verdacht besteht. Das neue Zentrum kann die PCR-Auswertung im Labor in Dietzenbach noch bis zum Abend zusichern.

Kreis: Aufgabe gemeinsam meistern

Zufrieden schaut sich Kreisgesundheitsdezernentin Madlen Overdick um. Es gebe zwar Arztpraxen mit Testmöglichkeiten und ein Center in Eschborn, doch diese Alternative sei gut. Testen sei eine "Gemeinschaftsaufgabe". Gerade mit Blick auf Mutationen müsse schnell und umfangreich getestet werden. Overdick: "Jeder Test ist nur eine Momentaufnahme. Das kann am Abend wieder ganz anders aussehen."

Das neuer Kelkheimer Testzentrum, dessen Betreiber "Invitago" ist, befindet sich in der Stadtmitte Süd, Frankenallee 10. Es gibt dort die Möglichkeit für einen Antigen-Schnelltest, der 38 Euro kostet, und den umfangreicheren PCR-Test für 75 Euro. Interessenten können sich im Internet unter www.invitago.eu einen Termin buchen, eine E-Mail an info@invitago.eu schicken oder unter (0 21 31) 7 18 60 16 anrufen. Derzeit ist eine Bezahlung per Rechnung möglich. Das Ergebnis gibt es beim Schnelltest 15 Minuten danach verschlüsselt und digital. Der Test an sich dauert nur rund zwei Minuten. Das PCR-Ergebnis gibt es innerhalb von 24 Stunden. wein

Der erste Kunde: Michel Schulz aus Hornau lässt sich von Testerin Melanie Howaldt einen Abstrich nehmen. 15 Minuten später bekommt er die erlösende Nachricht auf das Handy: Der Schnelltest ist negativ.

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