Schmuseeinheit für die kleinen Hunde: Tierheimleiterin Nadine Bahr, Tierärztin Katja Feuerbacher, die eine Spendenaktion gestartet hat, und Vorsitzende Rosemarie Hippel (von links).
+
Schmuseeinheit für die kleinen Hunde: Tierheimleiterin Nadine Bahr, Tierärztin Katja Feuerbacher, die eine Spendenaktion gestartet hat, und Vorsitzende Rosemarie Hippel (von links).

Soziales:

Kelkheim: Eine Spendenaktion aus Liebe zu Hund und Katz

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
    schließen

Tierärztin Katja Feuerbacher bietet Erste-Hilfe-Kurse für gute Sache, das Tierheim-Jahr war sonst fast normal.

Münster. Mischlungshund Piefke huscht zuerst aus dem Hundezwinger im Tierheim. Sein Foto hängt an der Tür, schon das hat es Katja Feuerbacher angetan. Als sie den Hund auf dem Arm hält, ist es fast um sie geschehen. Am liebsten würde ihn die Tierärztin aus Ruppertshain mit nach Hause nehmen. Sie hat einen erst neun Wochen alten Sohn und findet: "Babys müssen doch auch mit Welpen groß werden." Doch aus der spontanen Vermittlung wird nichts: Denn Piefke ist schon vergeben, zudem ist Feuerbacher ja aus einem ganz anderen Grund hier ins Tierheim gekommen.

Es fehlen Einnahmen aus Veranstaltungen

Die Tierärztin gibt Leiterin Nadine Bahr und der Vorsitzenden Rosemarie Hippel bekannt, dass sie eine Spendenaktion für die Einrichtung starten möchte. "Wegen der Corona-Pandemie brechen bei vielen Tierheimen die Einnahmen weg. Besonders ungünstig ist das für Tierheime, die nicht in städtischer Hand sind. In Kelkheim zum Beispiel fehlen rund 5000 Euro", weiß die Tierärztin, die ihre Praxis am Zauberberg führt. Veranstaltungen wie der Tag der offenen Tür oder der Stand beim Weihnachtsmarkt Münster mussten ausfallen.

Es hat einen Grund, weshalb Feuerbacher Gutes tun möchte. In der Schwangerschaft sei es ihr gesundheitlich einige Zeit schlecht gegangen. Sie habe da so "wahnsinnig viel Unterstützung" erhalten, dass sie nun etwas im sozialen Bereich zurückgeben wolle. Wie gut, dass die 45- Jährige Tierheimleiterin Bahr kennt und früher selbst freiberuflich als Ärztin im Tierheim Mainz engagiert war. Daher fiel die Wahl auf den Tierschutz, denn Feuerbacher weiß: Diese Aufgabe der Ehrenamtlichen ist eine große Herausforderung. Gerade falsch verstandene Tierliebe als Familienersatz sei ein Problem. Sie habe zudem schon viele Schicksale erlebt, wie Tiere in einem Messi-Haushalt. Oder einen Obdachlosen, der sich eine Tumor-Operation für seinen Hund nicht leisten konnte.

Feuerbacher hat sich nun für eine Spendenaktion entschieden, bei der sie online "Erste-Hilfe-Kurse" für Hunde anbietet. Im einstündigen "Zoom"-Seminar will sie alle notwendigen Maßnahmen für den Hund bei Unfällen, Vergiftungen, Blutungen vermitteln und sagt: "So kann wertvolle Zeit gewonnen werden, bis der Tierarzt da ist." Die Kosten betragen 39 Euro pro Person, das Geld wird komplett dem Tierheim zur Verfügung gestellt.

Der Verein um Hippel und Bahr freut sich über diese Aktion. Insgesamt sei das Corona-Jahr mit Ausnahme der finanziellen Schwierigkeiten aber nicht so problematisch gewesen, betonen sie. Um die Tiere zu vermitteln, werden Termine vergeben. Nur eine Person oder ein Haushalt dürfen auf das Gelände an der Zeilsheimer Straße. Das sei mit "weniger Stress" verbunden, sieht Bahr einen Vorteil. Vermittelt wurden 2020 zum Beispiel gut 70 Hunde - nicht mehr oder weniger als in den Jahren zuvor. Es gebe aber "wesentlich mehr" Anfragen. In den ruhigen Zeiten denken gerade Familien über ein Haustier nach. Hier müssen Bahr und Hippel etwas bremsen. Einen Hund als "Zeitvertreib" oder "Spielzeug" haben zu wollen, "das kommt nicht so gut an", macht die Vorsitzende deutlich. Deshalb schaue das Team genau hin, wer warum welchen Vierbeiner haben wolle. Immerhin: Wegen Corona sei kein Tier ans Heim zurückgegeben worden, betonen die Helferinnen. Aktuell sind zwölf Katzen und sechs Hunde untergebracht. Luft ist auf jeden Fall noch. Gar keine Nager, also Meerschweinchen und Kaninchen, sind derzeit zu bekommen. Hier sei das Interesse in der ganzen Region hoch.

Zauberberg-Praxis entwickelt sich

Auf Kleintiere hat sich auch Katja Feuerbacher in Ruppertshain spezialisiert. Der Beruf wurde ihr in die Wiege gelegt, sie stammt aus einer Jäger-Familie und wollte schon als Kind Tierärztin werden. Sie hat selbst den Jagdschein und verfolgt die Philosophie der Eltern: "Ein Tier so gut zu treffen, dass es nicht leidet." Die gebürtige Hanauerin hatte früher eine mobile Praxis, war dann in Gelnhausen aktiv und ist nun mit ihrem Start am Ruppertshainer Zauberberg sehr zufrieden. Natürlich hat auch Feuerbacher Tiere: eine 17 Jahre alte Katze und einen Hund.

Erlebt hat sie schon einiges: etwa einen verstörten Hund in Liederbach, der stundenlang vor einem Mauseloch ausharrte und keinen an sich ran ließ. Oder eine Katze mit einem Leber-Problem, die sie auch an den Wochenenden in der Praxis durchfütterte und ihr so das Leben rettete.

Im Tierheim Kelkheim springt sie bei der Betreuung gerne für die zuständigen Kollegen ein. Das Duo Bahr und Hippel freut der gute Kontakt. Und sie sind erleichtert, dass die Menschen an das Heim denken. Es habe 2020 viele Futterspenden gegeben, zudem Hilfsaktionen von Märkten in der Region.

Drei Jahre besteht das neue Tierhaus nun schon im Gewerbegebiet Münster. "Es gibt nix Schöneres", schwärmt Bahr. Rund 80 Helfer, vor allem Gassigeher, umfasst das Team. Sie bekommen nun noch eine kleine Fläche als Auslauf für die Hunde hinzu.

Kurs-Infos und Kontakt

Die Kurse von Katja Feuerbacher für den guten Zweck sind immer am Donnerstagnachmittag geplant, der Starttermin ist noch offen. Das Tierheim stellt eine Spendenquittung aus. Weitere Infos und Anmeldung unter info@kleintierpraxis-kelkheim.de oder 01 79 / 4 41 50 93.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare