Sprachcamp an der Eichendorffschule: Lehrerin Ina Schindler schaut den Schülern Ghaith, Komail und Jaslin (v. l.) zu, die gerade einen Stop-Motion-Film zum Buch "Emil und die Detektive" drehen.
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Sprachcamp an der Eichendorffschule: Lehrerin Ina Schindler schaut den Schülern Ghaith, Komail und Jaslin (v. l.) zu, die gerade einen Stop-Motion-Film zum Buch "Emil und die Detektive" drehen.

Bildung:

Kelkheim: Mit Emil und den Detektiven Deutsch üben

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Eichendorffschule bietet in den Ferien besondere Aktivitäten für junge Leute.

Münster. Sie haben eine Kulisse gemalt und Pappfiguren gebastelt. So kann sich Emil in einer Szene fortbewegen und Gustav treffen. In einer anderen sitzt die Hauptfigur aus Erich Kästners Buch "Emil und die Detektive" im Zug mit Frau Jacob und Herrn Grundeis. Stück für Stück bewegen die Schüler die Figuren und drehen mit Einzelbildern auf dem I-Pad den "Stopp-Motion-Film".

Im Sommer oft nur die Heimatsprachen

Die jungen Regisseure sind zufrieden - obwohl sie noch in den Ferien in die Eichendorffschule (EDS) gehen. "Wir machen viel Spaß. Ich habe schon viele Wörter gelernt", sagt Jaslin. Die Zwölfjährige ist eine von 20 Schülern beim Sprachcamp der EDS. Sie stammt aus Indien, ist drei Jahre in Deutschland und geht nun in die 6. Realschulklasse. Auch wenn ihr Deutsch okay ist, kann mehr Vokabular nicht schaden. Den Anderen geht es ähnlich. Ghaith hat in Kästners Buch zum ersten Mal das Wort "Professor" gehört und es verinnerlicht. Der 13-Jährige kommt aus Syrien, ist drei Jahre in Deutschland und geht nun in die Klasse H 6. Ebenso wie Komail (13) aus Afghanistan. Deijna hat eine andere Aufgabe: Die Bosnierin (11) gestaltet ihr eigenes Camp-T-Shirt mit einem persönlichen Logo. Bei ihr ist es das Bild eines Koffers. "Ich mag Reisen", sagt das Mädchen. In den Ferien war sie in Bosnien und Kroatien.

Das ist ein Grund für das Camp. Die Schüler gingen sprachlich "gepflegt" in die sechs Wochen, kämen aber weniger fit in Deutsch wieder, weiß Schulleiter Stefan Haid. In den Ferien werde oft in der Heimatsprache geredet. In den 14 Tagen Camp könnten sie "am Ball bleiben". Schließlich wollen sie aus den Integrationsklassen bald auf die Zweige der Gesamtschule einbiegen. Der "erste große Schwung" schaffe dies nach der Flüchtlingskrise nun beim Neustart (siehe Text rechts) in den H- und R-Zweig.

Ina Schindler, Lehrerin einer I-Klasse, leitet das Camp mit drei Kollegen. "Emil und die Detektive" in leichter Sprache helfe. Für Schüler mit wenig Deutschkenntnissen gebe es noch einen Comic. Ein eigenes Buch, einen Film drehen, ein Shirt gestalten - das fänden die Jugendlichen "ziemlich abgefahren", weiß Schindler. Nur manchmal zuckt sie mit den Achseln: Im Camp wird zur Übung eben nur Deutsch gesprochen, "wir sagen, wir verstehen leider kein Englisch". Deutsch wird für die Jugendlichen zur Klammer - denn hier sind zig Nationalitäten vertreten: von Albanien bis nach Chile, von Ägypten bis Südkorea.

Bei Nicole Komma geht es in einem zweiten Sommercamp an der EDS auch, aber nicht nur um das Fach Deutsch. Die Leiterin des Haupt- und Realschulzweiges vereint mit vier Kollegen 40 Schüler aus den H- und R-Klassen drei Tage um sich. Nach der Corona-Zwangspause mit deutlich weniger Unterricht können die Schüler hier Dinge in Mathe, Deutsch und Englisch nachholen, vertiefen. Da habe die EDS doch einen "großen Bedarf festgestellt", sagt Komma. Normalerweise gebe es das Camp in den Osterferien als Prüfungsvorbereitung, wo es aber ausgefallen war.

Beide Camps beinhalten Bewegungsangebote und das Essen. Finanziell unterstützt wird das vom Land und dem Kreis. Landrat Michael Cyriax, der sich gerne ebenfalls umschaut, ist aber eine Sache wichtiger: "Dass sie sich einer Aufgabe verschrieben haben, eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu geben." Er ist überzeugt: Die meisten Schüler hätten ihre Schule "in den vergangenen Monaten schmerzlich vermisst", vor allem die Bildung und der Rhythmus habe gefehlt. So sieht er die Camps als einen "ganz wunderbaren Beitrag zur Integration".

Wo Petra Bliedtner, Leiterin des Amtes für Jugend und Integration der Stadt, nur zustimmen kann. Die Ferienaktionen der Kommune und die Camps seien jeweils "eine zusätzliche sprachliche Unterstützung". Wichtig sei es darüber hinaus, auch die Eltern zum Deutschlernen zu bringen. Diese Aufgabe könne nicht den Kindern aufgebürdet werden, so Bliedtner.

Noch mehr Hilfe für "Bildungsaufgabe"

"Mir ist das Miteinander so wichtig", freut sich Haid über das Zusammenspiel vieler Rädchen und blickt voraus: Solche Camps seien eine "Bildungsaufgabe", deshalb sollte das Land hier stärker mit ins Boot gehen. Eine feste Lösung bei der Unterstützung für das im MTK noch nicht alltägliche Projekt der EDS würde er sich daher wünschen.

Stefan Haid blickt gespannt und entspannt auf den Montag. Denn die Eichendorffschule hat laut dem Rektor zwar die Hausaufgaben gemacht, doch der Neustart mit allen rund 1270 Schülern nach gut sechs Monaten in der Corona-Krise ist auch eine Reise ins Ungewisse. Werden die Maßnahmen im Hygieneplan so greifen? Wie setzen die Lehrer das nach den Sommerferien um? Wie reagieren die Schüler, halten sie die Regeln ein?

"Wir können starten, aber nicht wie ein normales Schuljahr", weiß Haid. So seien fünf Lehrer nicht im Präsenzunterricht, weil sie persönlich oder familiär zur Risikogruppe zählen. Somit musste der Stundenplan "etwas schlanker" gestaltet werden, die Klassen seien nicht bei 100 Prozent. Dass bei Sport, Kunst oder Musik gespart werde, liege daran, dass aus diesen Bereichen Personal fehle. Das gemischte Fremdsprachenangebot solle es geben, kündigt Haid an. Zum Teil gibt es einen Wechsel zwischen Präsenz-Unterricht in der Schule und Distanz-Lernen durch den Lehrer zu Hause.

Die EDS hat den Schwerpunkt Musik - doch in Räumen ist Singen und Musizieren nicht möglich. Deshalb soll das Angebot nach draußen verlagert werden, kündigt Haid an. Doch was, wenn der Regen kommt? Dann müsse ein Schutz her. Insgesamt seien die Vorgaben des Landes in Ordnung, "wir konnten es gut planen", so der Schulleiter. Wenn die Infektionslage so bleibe, dürfte das Konzept greifen. "Dann, glaube ich, sind wir ein sicherer Ort, können Bildung im umfassenden Bereich anbieten."

Die Schutzmaske ist ein wichtiger Baustein. Sie muss auf dem Schulhof, auf dem Weg in die Klasse, bei Bewegung im Raum getragen werden. Am Platz müssen die Schüler essen, die Toilettengänge sollten während des Unterrichts ebenso sein. Von einer Maskenpflicht wie in Nordrhein-Westfalen hält Haid aktuell nicht viel. "Das erschwert den Unterricht."

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