Hauptdarsteller Ben Kermer.
+
Hauptdarsteller Ben Kermer.

Kultur:

Kelkheim: Er mag Musik, auch wenn sie laut ist

  • vonEsther Fuchs
    schließen

Studenten-Team mit besonderem Filmprojekt.

Kelkheim/Darmstadt. Er spürt den Bass, weil er so laut ist. Die pinkfarbene Federboa sitzt. Mit blau verspiegelter Sonnenbrille rockt Aron Papas Wohnzimmer. Der Zwölfjährige mag Musik - auch wenn sie laut ist. Aron heißt eigentlich Ben Kermer, ist Jungschauspieler und taub. Aron ist die Schlüsselfigur im Film vom Kelkheimer Leonard Mink gemeinsam mit Laura Kobisch, Laura Köhler und Jorin Gundler. Die vier sind Kommilitonen an der Filmhochschule Darmstadt.

Abschlussarbeit der Filmhochschule

Ihre Abschlussarbeit, ein "Tremolo", also ein Musik-Kurzfilm, der sich einem Inklusionsthema widmet, zeigt als knapp zweiminütiger Werbefilm, auch "Teaser" genannt, wie Gehörlose Musik wahrnehmen. Mink schrieb das Drehbuch und führte Regie. Die Produktion übernahm Laura Kobisch. Die Kameraführung hatte Laura Köhler. Jorin Gundler war für den Schnitt verantwortlich.

Produziert wurde das Ganze von "Seehund Media", einer 2015 von Leonard Mink, Sebastian Rieker und Jonathan Thiemeier gegründeten Kreativagentur. Die drei kennen sich seit der Schulzeit. Leonard Mink und Sebastian Rieker besuchten die Eichendorffschule in Münster.

Musik gehört bei Mink zum Leben. Er spielt Schlagzeug, Klavier und hat einmal in der Kelkheimer Band "Murder, they wrote" gesungen. Der zunächst aus Eigenmitteln der Studenten finanzierte "Teaser" beschäftigt sich mit einem Thema, das in den Augen der Filmcrew mehr Aufmerksamkeit verdient. "Gehörlose fühlen Musik. Sie erkennen Bässe und Beats und mögen deshalb auch häufig gerne Techno", verrät Mink, der für die Dreharbeiten Kontakte zur Frankfurter Gehörlosenszene knüpfte. Es sei sehr schade, dass Hörende und Gehörlose zu oft in separaten Welten nebeneinander her leben.

Er und seine Kommilitonen wollen mit ihrer Abschlussarbeit gegensteuern. Dem Auftakt soll ein 25-minütiger Kurzfilm zum Thema folgen. Ben Kermer wird auch hier die Hauptrolle spielen. Der Film soll ab Anfang 2022 auf möglichst vielen Filmfestivals laufen. Die Dreharbeiten werden, "wenn uns Corona keinen Strich durch die Rechnung macht, voraussichtlich Ende Mai beendet sein", berichtet Mink.

Zur Finanzierung musste die Filmcrew aufgrund fehlender Eigenmittel eine Crowdfunding-Kampagne starten. Noch bis Ende Februar können Internetnutzer Kleinstbeträge spenden und so die zu deutsch benannte Schwarm- oder Gruppenfinanzierung vorantreiben. Viele kleine Investoren finanzieren das Projekt.

Im Film ist Arons Vater Berufsmusiker. Er kann hören. Aron wächst eigentlich bei seiner Mutter auf. An einem Wochenende besucht er den Vater, dem die Welt des gehörlosen Sohnes zunächst fremd ist. Ohne Gebärdensprache kommt es daher erst zu einigen Missverständnissen. Doch das Zusammentreffen zeigt schließlich, dass Vater und Sohn in der Musik eine gleiche Sprache finden.

Das Storyboard ist spritzig geschrieben. Die Geschichte hat jedoch einen tiefgründigen Hintergrund. Die Soundanlage, das Schlagzeug, das Klavier: Aron kann auch die sanften Töne "hören". Seine vier Sinne gleichen den fehlenden fünften Sinn aus. Das Team habe sich bewusst für einen gehörlosen Hauptdarsteller entschieden, erklärt Mink. "Das war uns wichtig. Niemand könnte die Message besser vermitteln."

Die Dreharbeiten waren für alle sehr spannend. Die Corona-Pandemie erforderte besondere Maßnahmen. "Wir haben beim Dreh durchsichtige Visiere getragen, damit Ben Mund und Mimik sehen konnte. Mit den üblichen Masken kann man ja nicht die Lippen lesen. Das ist für Gehörlose dann schon echt belastend." Der Beitrag ist bewusst mit Untertiteln versehen. Auch der geplante Kurzfilm soll Untertitel haben.

Eine Kampagne zur Unterstützung

Das erste Crowdfunding-Ziel von 15 000 Euro hat das Quartett bereits erreicht. "Damit können wir die Grundkosten decken", erklärt Mink. Für einen professionellen Kurzfilm brauchen die vier Studenten aus Darmstadt jedoch mehr. Mink: "Dafür sind dann schon 25 000 Euro nötig." Eine professionelle Produktion habe die Chance zu internationalem Erfolg, erklärt der Kelkheimer.

Beitrag und Kontakt

Der Teaser kann im Internet bei Youtube angeschaut werden. Informationen zum Beitrag und Crowdfunding gibt es unter www.startnext.com/tremolo-kurzfilm .

Regisseur Leonard Mink.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare