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Kelkheim: "Er soll aufhören, er hat ja schon ein großes Land"

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Von: Frank Weiner

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Fleißige Steine-Malerinnen: Tanja, Susanne, Charlotte, Mari Luz, Sonia und Mary (v. l.).
Fleißige Steine-Malerinnen: Tanja, Susanne, Charlotte, Mari Luz, Sonia und Mary (v. l.). © privat

Wie Kinder zu Friedensbotschaftern werden: Sie bemalen Steine, basteln Armbänder und sammeln viel Geld.

Kelkheim -Mari Luz ist erst zehn Jahre alt. Matthea noch ein Jahr jünger. Und doch wissen die Mädchen aus Kelkheim schon sehr viel, was gerade in der Ukraine passiert. Vor allem über die Kinder-Nachrichtensendung Logo informieren sie sich, aber auch ihre Eltern reden viel mit ihnen darüber - und in der Schule wird schon mal in Religion oder Mathe darüber gesprochen. "Ich finde es schlimm, wenn die Kinder allein umherrennen und ihre Eltern vor ihren Augen sterben", sagt Matthea und hat eine klare Botschaft an Russlands Präsident Wladimir Putin: "Dass er aufhören soll. Er hat ja schon ein sehr großes Land." Die Menschen in der Ukraine und Russland seien ja vor dem Krieg glücklich gewesen. Mari Luz findet es schlimm, dass Putin "weiter macht, obwohl er weiß, dass es schlecht für die Ukraine ist". Es sei traurig, dass die Familien ihre Heimat verlassen müssen. Ihre Ansage an Russlands Präsidenten: "Er soll aufhören und mal verstehen, dass das, was er tut, keinem gut tut."

Doch die Mädchen haben für ihr junges Alter nicht nur schon eine klare Meinung, sie engagierten sich auch in der Ukraine-Hilfe. Matthea und Mari Luz haben in den vergangenen Tagen Hunderte Gegenstände gebastelt und bemalt und damit Tausende Euro zur Unterstützung der Menschen in der Kriegsregion gesammelt.

Mari Luz, die Klavier spielt und Flamenco tanzt, hat Friedenssteine mit ihrer Mutter Sonia Diaz Ansias und ihrer Freundin Charlotte bemalt und sie in der Stadtmitte an einem Stand verkauft. Knapp 2200 Euro sind so zusammengekommen, ein Großteil wurde bereits auf das Spendenkonto der Malteser überwiesen. Als Dankeschön dürfen die Mädchen sich jetzt die Wache der Hilfsorganisation anschauen.

Restbestände und ein Verkaufstag

Die Familie ist aktiv in der Gruppe "Taunus-Stones". Hier werden selbst bemalte Steine im Taunus abgelegt, die jeder nehmen darf. Es gehe darum, "die Leute glücklich und die Welt ein bisschen bunter zu machen", sagt Sonia Diaz Ansias. Ihre Tochter dachte mit Beginn der Ukraine-Krieges noch einen Schritt weiter: Sie habe gefragt, ob sie nicht Steine mit dem Friedenszeichen bemalen und verkauften dürfe. Schnell war die Produktion angeworfen, die Steine wurden auf eigene Kosten im Baumarkt gekauft, dann mit Hilfe von Vorlagen und Acrylstiften farbig verschönert. 550 Exemplare produzierten Mutter und Tochter an neun Tagen, die Freunde - Charlotte mit ihrer Mama Susanne sowie Mary und Tanja - steuerten weitere 130 bei. Eine Dame habe zum Beispiel gleich 150 Steine für 400 Euro genommen. Mehr als 600 davon sind jetzt verkauft. Aber Restbestände für mindestens 2 Euro das Stück gibt es noch, dafür eine Mail schreiben an Friedenssteine@gmail.com .

Bei Matthea gab es eine andere Initialzündung für ihre Spendenaktion. Die Neunjährige, die in der Fischbacher Karneval-Garde tanzt und Tennis spielt, saß mit ihrer Mama Katherina Rack zu Hause vor dem Fernseher und schaute "Let's Dance". Jurorin Motsi Mabuse, Kelkheimerin und selbst Initiatorin einer großen Ukraine-Hilfsaktion, habe eine Schleife in den Farben des gebeutelten Landes am Handgelenk gehabt, erinnert sich das Mädchen. So sei sie auf die Idee gekommen, selbst Armbänder zu basteln. Schon am nächsten Sonntag habe sie mit der Mama, die zwei Apotheken in der Stadtmitte betreibt, die Baumärkte und Bastelgeschäfte der Region abgeklappert. Zudem kam ihnen die Idee, Kerzen in Blau, Gelb und Weiß zu gestalten. Um die 40 Lichtquellen aus Wachs sowie mehr als 60 Armbänder sind bereits entstanden, wobei ihre Freundin Carlotta und eine Mitarbeiterin der Apotheken mithalfen. Der Erlös kann sich schon sehen lassen: 1000 Euro, die Matthea an die Aktion von "Miteinander leben" und Motsi Mabuse spenden will. Und die Produktion soll noch weiter gehen, kündigen die beiden bastelfreudigen Frauen im Hause Rack an. Matthea wird an diesem Samstag, 19. März, ihre kreativen Sachen von etwa 10.30 bis 12 Uhr in der "Grünen Apotheke" am Marktplatz verkaufen. Dort können sich Interessenten auch grundsätzlich melden. Katherina Rack findet die Aktion ihrer Tochter klasse. "Uns geht es allen so gut, da können wir alle ganz, ganz viel tun", betont sie und sieht in dieser Sache auch eine gute Möglichkeit für Kinder, das Thema zu verarbeiten.

Kelkheimer Verein sammelt

Wer noch für die Hilfstransporte spenden möchte: Kontoverbindung: "Miteinander leben in Kelkheim", IBAN: DE 61 4306 0967 6050 048800, GLS Gemeinschaftsbank eG, Stichwort "Ukraine".

Matthea Rack mit ihren Kerzen und Armbändern, die sie in der Apotheke verkauft.
Matthea Rack mit ihren Kerzen und Armbändern, die sie in der Apotheke verkauft. © privat

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