Dirk Hofmann (CDU) soll neuer Erster Stadtrat in Kelkheim werden.
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Dirk Hofmann (CDU) soll neuer Erster Stadtrat in Kelkheim werden.

Politik:

Kelkheim: Erster Offizier soll den Kapitän unterstützen

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Mehrheit setzt Ersten Stadtrat durch

Kelkheim. Stephan Laubereau, der neue Fraktionschef der CDU, machte einen Ausflug in die Seefahrt. Das Schiff "Stadt Kelkheim" sei bei einem Haushaltsplus von 47 auf 66 Millionen "deutlich größer geworden", die Ansprüche stiegen, das Ehrenamt sinke. Da sei es gut, wenn Kapitän und Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) auf der Kommandobrücke Unterstützung durch einen Ersten Offizier oder Offizierin bekomme. Ausgesprochen wurde es am Montag im Parlament nicht: Es soll ein zweiter Mann auf dem Schiff werden: CDU-Vertreter Dirk Hofmann, der gar nicht anwesend war. Mit der Personalie wolle die neue Koalition aus CDU, SPD und FDP "ein Zeichen setzen, dass wir Kelkheim in diesen stürmischen Zeiten voranbringen", betonte Laubereau. Das sei keinesfalls zu verstehen als "Angriff auf den Kapitän, sondern als Unterstützung beim Steuern".

Und so kam es: Die Koalition setzte die Belebung der Stelle des Ersten Stadtrats durch, sie soll ausgeschrieben und zum 1. Oktober besetzt werden. Hofmanns Wahl durch das Parlament dürfte Formsache sein. Auch die Freien Wähler schlossen sich an, die UKW stimmte dagegen. Deren neuer Teil der Fraktions-Doppelspitze, Maximilian Alter, begründete das "Nein" zunächst mit den hohen zusätzlichen Kosten, mit Vorzimmer rund 200 000 Euro im Jahr, 1,2 Millionen für die sechs Jahre Wahlzeit. Aber er machte auch einen Ausflug in die Politik, zählte das Wahlprogramm der UKW auf und kritisierte die Koalitionsvereinbarung mit vielen bekannten Themen, ohne Finanzierungsvorschläge und Prioritäten.

Stadtverordnetenvorsteherin Julia Ostrowicki (SPD), die in ihrer ersten kompletten Sitzung viel Arbeit auch bei einem Scharmützel zwischen Bürgermeister Kündiger und Altbürgermeister Thomas Horn hatte (Bericht folgt), musste Alter auffordern, zu fortgeschrittener Stunde zum Punkt zu kommen. "Wir sehen keine gemeinsame Grundlage für diesen Posten", so der UKW-Chef. Die Fraktion werde aber den Bewerber der Koalition gerne anhören. Seine Kollegin an der Fraktionsspitze, Doris Salmon, ergänzte: Es sei in dieser Zeitung zu lesen gewesen, die Koalition erhoffe sich die Kämmerei für den Ersten Stadtrat. "Ausgerechnet das Dezernat, das keinen Anlass zur Kritik gibt." Der Bürgermeister habe in seiner Amtszeit nur ausgeglichene Haushalte vorgelegt, "als Kämmerer kann man ihm wirklich gar nichts vorwerfen", so Salmon. Alter äußerte die Hoffnung, dass der Erste Stadtrat nicht "eine Art Gegenbürgermeister, der dem Bürgermeister Steine in den Weg legt", werde, und bot der Koalition ein Gespräch zum künftigen Miteinander an - das sei von der Gegenseite bisher leider nicht erfolgt, bedauerte er.

Mit dem Geld zu argumentieren, "das kann man machen", sagte der neue SPD-Fraktionschef Michael Hellenschmidt. Doch in der Stadt "haben wir einen Stau an Sachen, die umzusetzen sind". Deshalb sehe auch die SPD "den Bedarf, eine zusätzliche Stütze im Rathaus zu installieren". Ähnlich geht es dem dritten Koalitionspartner, der FDP. Der Bürgermeister könne jemanden, "der das eine oder andere Projekt mit der nötigen Durchsetzungskraft anschiebt, sehr gut gebrauchen", erklärte Patrick Falk. Und das gelte für alle Bereiche der Stadt.

Auf versöhnliche Töne in Zukunft hoffen die Freien Wähler. "Keine Blockade, eine gute Zusammenarbeit", wünscht sich die Fraktionschefin Ivaloo Schölzel. Beim Ersten Stadtrat hätten die FW ohnehin keine Wahl: In der CDU/SPD/FDP-Koalition soll Hofmann den Posten bekommen, bei einem Bündnis von UKW, SPD und FW wäre Julia Ostrowicki Rathaus-Vize geworden, plauderte sie aus dem Nähkästchen.

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