Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel (links) mal nicht im Talar. Er macht sich mit einer munteren Runde sportbegeisterter Radler von Fischbach auf zum Glaskopf am Feldberg.
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Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel (links) mal nicht im Talar. Er macht sich mit einer munteren Runde sportbegeisterter Radler von Fischbach auf zum Glaskopf am Feldberg.

Kirche und Sport:

Kelkheim: Fahrrad-Pfarrer hofft auf mehr Miteinander

  • vonEsther Fuchs
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Mit Andreas Schmalz-Hannappel per Mountainbike zum Gottesdienst: Seine Predigt mahnt zur Rücksicht im Wald.

Fischbach. Die Sonne scheint. Andreas Schmalz-Hannappel steht in blauer Radlerhose und passendem T-Shirt vor der evangelischen Kirche St. Johannes. Der Pfarrer ist seit Jahren begeisterter Mountainbiker. Biken mit der Bibel im Rucksack ergänze sich gut, findet Schmalz-Hannappel. Seit sieben Jahren macht er sich mit anderen sportbegeisterten Mountainbikern von Fischbach aus bis zum Glaskopf am Feldberg auf, um dort am Andachtsplatz einen Mountainbike-Gottesdienst abzuhalten. "Es gibt ja auch Gottesdienste für Motorradfahrer. Warum sollte es das nicht auch für Radfahrer geben?", erklärt der Kirchenmann mit Sportler-Gen.

Gut 100 Kilometer quer durch die Region

Pünktlich zum Glockengeläut treffen Biker von nah und fern am Paradiesweg in Fischbach ein. Von dort soll die Reise zunächst zum Rettershof über Ruppertshain, Königstein und dann weiter durch den Wald hinauf zum Glaskopf führen. Einige der Radler sind feste Größen der Tour. Andere kommen zum ersten Mal, wie das Ehepaar Carmen und Martin Helfenstein. Sie haben sich in den Morgenstunden aus Rödermark aufgemacht. "Wir sind mit dem Zug bis nach Eppstein gefahren und danach hier her geradelt", erklärt Martin Helfenstein. Das Ehepaar erkundet in der Freizeit gerne die Region. Auch nach dem Mountainbike-Gottesdienst haben die Sportler noch einiges vor. Geplant ist, die Reise bis nach Wiesbaden fortzusetzen. Nach einem Mittagsimbiss soll bis zum Abend noch einmal kräftig in die Pedale getreten werden. "Wenn alles nach Plan läuft, werden wir heute Abend 100 Kilometer geradelt sein", verrät Martin Helfenstein.

16 Kilometer davon nimmt die Fahrt zum Glaskopf in Anspruch. 450 Höhenmeter müssen Pfarrer Schmalz-Hannappel und seine Begleiter in den nächsten zweieinhalb Stunden überwinden. Den Pfarrer eingeschlossen, machen sich 20 Leute auf den Weg. Darunter auch einige Fischbacher. "Wer hier wohnt, weiß, dass man auf dem Rad viele Berge nehmen muss", sagt eine Fischbacherin in freudiger Erwartung auf die Tour. Ein Herr neben ihr erklärt, dass er dieses Jahr endlich mal Zeit zum Mitfahren findet. An dieser Jungferntour sei Covid-19 nicht ganz unschuldig. Er habe seit dem Ausbruch der Pandemie mehr Freizeit und wolle nach den schrittweise erfolgten Lockerungsmaßnahmen wieder mal in Gemeinschaft sportlich tätig sein. Die Argumentation teilen auch andere Radler der Runde. Die Zahl der Teilnehmer sei jedes Jahr unterschiedlich. "Es sind aber immer so zwischen 10, 15 Personen. Die Teilnehmerzahl hängt auch erheblich vom Wetter ab", berichtet Pfarrer Schmalz-Hannappel.

Auch einige treue Glaskopf-Fans dabei

Zudem machten sich aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen und Ortschaften alljährlich Radfahrer auf zum Mountainbike-Gottesdienst. Der Pfarrer weiß zum Beispiel von einer Gruppe Langenhainer Bikerfreunde, die am Glaskopf hinzustößt. Auch zufällig vorbeifahrende Radfahrer und Wanderer sind willkommen, so dass bei gutem Wetter weit über 20 Besucher auf Abstand zusammenkommen.

Dieses Mal steht der Gottesdienst unter dem Titel "Fair fahren". Schmalz-Hannappel betont in seiner Predigt, wie wichtig gegenseitige Rücksichtnahme ist. Auch unter Radfahrern sowie im Umgang mit Wanderern im Wald. "Es erschreckt mich, wenn ich lese oder höre, wie sich manche Menschen im Wald benehmen." Er wünsche sich ein einvernehmliches Miteinander aller Wald-Nutzer. "Vorfälle häufen sich leider auch in unserer Region", so der Pfarrer besorgt. Er appelliert an den gesunden Menschenverstand und das Wort Gottes. Auf einen persönlichen Segen der Besucher muss er aufgrund der einzuhaltenden Hygienemaßnahmen verzichten. Doch der Geistliche erinnert an den alten und verbreiteten Grundsatz der praktischen Ethik als goldene Regel: "Wie sagt man doch: ,Was Du nicht willst, was man Dir tu, das füg auch keinem andern zu!'"

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