FCV-Chef Harald Oehm, hier beim Protokoll dieses Jahr, winkt ab: Eine Kampagne 2021 kann er sich kaum vorstellen.
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FCV-Chef Harald Oehm, hier beim Protokoll dieses Jahr, winkt ab: Eine Kampagne 2021 kann er sich kaum vorstellen.

Fastnacht

Kelkheim: FCV-Chef tendiert "klar zu einer Absage"

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Noch ist die Entscheidung nicht getroffen. Aber auch Fischbachs großer Narrenclub wird wegen Corona wohl auf eine Kampagne verzichten.

Fischbach -Harald Oehm ist Optimist, aber auch Realist. Jedes Jahr nimmt er als Protokoller des Fischbacher Carneval Vereins (FCV) das Kelkheimer Geschehen als Protokoller treffend, pointiert und wortgewandt auf die Schippe. Dabei trifft er stets die richtigen Themen und weiß, was den Menschen in der Möbelstadt wichtig ist. Doch Oehm ist im Verein in einer Doppel-Rolle, die dem FCV vermutlich bald selbst eine wichtige Schlagzeile bescheren wird. Der aktive Fastnachter wird als Vorsitzender an vorderer Stelle mitentscheiden, ob es eine Kampagne in der "fünften Jahreszeit" 2021 geben wird oder nicht.

Meinungsbild der Mitglieder einholen

Das Votum sei noch nicht getroffen, sagt Oehm auf Anfrage dieser Zeitung. Dafür wolle er sich in einer größeren Runde im Vorstand und auch bei der vorerst wegen Corona verschobenen Jahreshauptversammlung noch ein Meinungsbild im gesamten Verein einholen. Vermutlich spätestens im September wolle der FCV seine Entscheidung getroffen haben. Für Oehm geht "die grundsätzliche Tendenz relativ klar zu einer Absage". Vielleicht wird dem größten Fastnachtsclub in der Stadt geholfen: Die Sulzbacher haben ihre närrische Kampagne zuerst abgesagt, jetzt hat der große Krifteler Karneval Klub (KKK) mit seinem Aus ein weiteres Signal in diese Richtung gegeben. Es sei gut möglich, "dass uns die Entscheidung durch andere Vereine mehr oder weniger abgenommen wird", sagt er mit Blick auf die närrischen Kollegen im Main-Taunus-Kreis.

Er betont: "Ich habe keinen blassen Dunst, wie man so etwas sinnvoll machen könnte." Im Vergleich zum KKK, der in einer Krifteler Sporthalle auftritt, habe es der FCV sogar noch gut mit dem kleinen, feinen Bürgerhaus. Sicher könnte der Verein aufgrund der stets großen Nachfrage den Kartenverkauf sehr spät noch starten. Auch könnte der Verein im Saal Besuchergruppen bilden und dazwischen Abstände einrichten. Doch es dürfe dann auch niemand schunkeln, sich umarmen, nicht mal berühren. Ganz zu schweigen vom Gedränge auf der Bühne, wenn Elferrat, Band und eine Tanzgarde gleichzeitig oben seien, sieht Oehm viele Fragezeichen ohne passende Antworten. Hier könne wohl einzig ein "medizinisches Wunder" in Form eines Medikaments gegen Corona noch helfen, an Antikörper sei so kurzfristig gar nicht zu denken.

Und so sieht der Vorsitzende die Kampagne mehr als skeptisch, was den großen Rosenmontagszug durch Fischbach einschließen würde. Auch hier ist eine Absage die wahrscheinliche Folge der Situation. Er habe mit vielen in und um den Verein gesprochen, die das insgesamt ähnlich sehen. Wenn die drohende Absage dann bestätigt wird, wolle der FCV aber wenigstens etwas für seine Mitglieder veranstalten, kündigt Oehm an.

Auf die Pandemie hat der Verein bereits vor wenigen Wochen reagiert. Der närrische Auftakt am 14. November mit der Senatorensitzung wurde einstimmig abgesagt. In einem Schreiben an die Mitglieder erklärte der Vorsitzende: "Eine Fastnachtssitzung unter Berücksichtigung von Abstandsregelung und Hygienevorgaben ist sowohl auf und hinter der Bühne als auch im Saal völlig sinnbefreit, natürlich auch vom finanziellen Aspekt her." Das Geld indes bereitet dem FCV-Chef eher weniger Sorgen. Aktuell habe der Verein ja noch keine Ausgaben für eine neue Kampagne, benötige also auch keine Einnahmen aus dem Kartenverkauf. Seit Ende Mai können die Gruppen wieder im Bürgerhaus trainieren. Es sei aber kaum möglich, mit Abstand die Tänze einzustudieren.

Verein ist trotzdem "voller Energie"

Auch einen Weihnachtsmarkt im Ort sieht der Verein kritisch, deshalb hat er seine Teilnahme bereits abgesagt, so Oehm. "Alles in allem sicher keine extrem positiven Nachrichten", schreibt Oehm an die Mitglieder. "Dennoch haben wir in den letzten Wochen das Gefühl, dass dieser Verein auch in diesen schweren Zeiten sehr umtriebig ist, über verschiedene Wege miteinander Kontakt hält und voller Energie ist." Frank Weiner

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