Stefan Kunisch an seinem Spind in Münster. Er ist nicht nur für die Brandschützer im Stadtteil aktiv, sondern auch für die Tierrettungsgruppe des Main-Taunus-Kreises.
+
Stefan Kunisch an seinem Spind in Münster. Er ist nicht nur für die Brandschützer im Stadtteil aktiv, sondern auch für die Tierrettungsgruppe des Main-Taunus-Kreises.

Brandschutz:

Kelkheim: Feuerwehrchef? "Träum' mal weiter"

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
    schließen

Stefan Kunisch wurde für die Aufgabe schon früh empfohlen, nun steht er vor vielen Herausforderungen.

Kelkheim. Irgendwann, Stefan Kunisch muss wohl so Anfang 20 gewesen sein, kam Münsters Wehrführer Jürgen Freund zu ihm und prophezeite: "Du wirst mal Stadtbrandinspektor." Die Reaktion des heute 46-Jährigen fiel deutlich aus: "Träum' mal weiter" oder so ähnlich habe er beim Ausblick des Feuerwehrkollegen nur abgewunken. Hätte Kunisch mal besser auf Freund, neben Josef Kilb eines der Vorbilder unter den Brandschützern, gehört. Denn der sollte Recht behalten: Seit Ende April ist der Vater von zwei Töchtern - Ellie ist viereinhalb Jahre, Livia fünf Monate alt - neuer Stadtbrandinspektor (SBI) in Kelkheim.

Klassische Karriere bei Brandschützern

Nach der Geburt des zweiten Kindes, vielen Aufgaben im neuen Ehrenamt und einem Job als Vertriebsleiter der Mess- und Steuerungstechnik-Firma Althen in Münster, finden Kunisch und diese Zeitung Zeit für ein Gespräch. Natürlich bei der Feuerwehr Münster - dort, wo alles angefangen hat. Mit zehn Jahren wollte der Bub eintreten - und zog frustriert von dannen, weil das Eintrittsalter Zwölf war. Er kam wieder und blieb. Schon zeitig machte Kunisch als Jugendbetreuer mit, belegte die ersten Lehrgänge, wurde Gruppenführer, folgte als Jugendwart auf Christian Kopp. Dann der Schritt aus Münster heraus als Stadtjugendfeuerwehrwart - und wieder der Gang zurück, als Kopp den Wehrführer-Posten vorzeitig abgab. Stellvertreter Kunisch sollte ran - und holte sich mit Patrick Schütz einen starken "Vize" ins Boot, mit dem er in neun Jahren viel bewegte. Das neue Gerätehaus wurde geplant und eingeweiht, der Fuhrpark fast einmal komplett erneuert. Dann seien auch die ersten Gedanken an den SBI und das Interesse da gewesen, erinnert sich Kunisch.

Als sein Vorgänger Alexander Kolata seinen Abschied wegen des Umzugs nach Nordenstadt ankündigte, landete sein Hut schnell im Ring. Der Wahlvorbereitungsausschuss sprach sich für ihn aus. Harald Prokasky aus Eppenhain wollte die Chefrolle nicht übernehmen, aber sein Freund Patrick Schütz stieg als Bewerber ein. Bei der Wahl erhielt Kunisch 90 Stimmen, der Kompagnon 48. Weshalb beide dort nur Gewinner sehen. Er sei zufrieden. Und Patrick mit dem Ergebnis "eine Option für die Zukunft", betont Kunisch.

Beim Personal sieht der neue SBI seine erste wichtige, zeitnah zu lösende Aufgabe. Denn seine Stellvertreter Frank Darmstadt und Benjamin Liebenthal hören Anfang 2022 auf. Hier wolle er mit "einem Team ins Rennen gehen", vorher mit allen Kandidaten Gespräche führen. Ein neu formiertes Führungstrio an der Spitze der Wehrführerausschusses ist für Kunisch die Grundlage für alle weitere Aufgaben. Und da stehen eine Menge an - vom gemeinsamen Feuerwehrstützpunkt (Text rechts) über die Hauptamtlichen bis zum Perspektiv-Plan.

So hat Kunisch die sechste Stelle einer bei der Stadt beschäftigten Kraft "noch nicht aufgegeben". Dieser Posten sei "einfach nötig aufgrund des Arbeitsaufkommens". Zwar seien unter seinem Vorgänger schon fünf Stellen geschaffen worden, doch die Wehr kümmere sich ja um sehr viel - von der Gebäudeunterhaltung bis zur Fahrzeugbeschaffung. Neue Aufgaben, etwa im Bereich Hochwasserschutz, kämen sicher hinzu. Mit Bürgermeister Albrecht Kündiger, der die Stelle aufgrund finanzieller Fragezeichen durch Corona auf Eis gelegt hat, ist er im Austausch und sagt augenzwinkernd: "Da werde ich hartnäckig bleiben und in die Fußstapfen meines Vorgängers treten."Die sind übrigens "groß", wie der neue Chef den alten Boss lobt. Kolata habe viel für die Wehr getan. Vielleicht manchmal "mit harter Hand", aber dabei den richtigen Weg etwa zur Hauptamtlichkeit eingeschlagen. Er habe die Truppe "aus dem Dornröschenschlaf erweckt" und die Kelkheimer "zu einer guten, soliden Wehr im Main-Taunus-Kreis gemacht". Kunisch: "Da lässt sich gerne darauf aufbauen."

Neue Leute und Firmen begeistern

Unter anderem im Bereich Ausbildung, der durch ausgefallene Lehrgänge in der Pandemie-Zeit gelitten habe. Möglicherweise könne die Kelkheimer Wehr intern etwas tun. Aktiv waren die Münsterer, in dem sie interessierte Bürger zu Online-Übungen einluden. Auch so könnten Quereinsteiger gewonnen werden. Und einen großen Aktionstag hat er noch auf dem Schirm. Rund 260 Aktive sind es derzeit. Gerade tagsüber wird es eng. Hier würde sich Kunisch noch mehr Aktivitäten bei der Einstellung von Wehrleuten in Firmen und der Stadt wünschen. Bei seinem Arbeitgeber Althen ist die Quote top: 5 von 35 Kollegen stehen als Brandschützer zur Verfügung.

Auch das Personal-Thema wird ein wichtiger Teil des Bedarfs- und Entwicklungsplans sein, den Kunisch nun vollenden darf. Es sei "fair" von Kolata gewesen, "den Abschluss mir zu überlassen". So könne er als neuer Chef mit dem Team noch eine "eigene Note" setzen, so Kunisch.

"Kontakt zu Bürgern sehr offen halten"

Interessant ist: Es gibt eine neue Satzung der Feuerwehr. Darin ist nicht nur die Kinderwehr jetzt fester Bestandteil. Es besteht nach einer Vorgabe des Landes die Option, einen hauptamtlichen SBI zu benennen. Für Kunisch ist das derzeit aber gar kein Thema.

Sehr wohl eine wichtige Sache ist die Öffentlichkeitsarbeit. Das Team, das auch die Sozialen Medien bespielt, bekommt ein Sonderlob. "Wir wollen den Kontakt zu den Bürgern so offen wie möglich halten." Auch wurden die Mitglieder zu ihrer Motivation befragt. Die von Kunisch ist ungebrochen hoch, das Aufgabengebiet hat sich aber von Münster aus verschoben. Und doch denkt der Elektrotechniker, der später noch BWL studiert hat, gerne an die Feuerwehr-Heimat. 2024 bestehe die Stadtteil-Wehr 100 Jahre, "da kann man sich einbringen", hat Kunisch, der sich ebenso stark in der MTK-Tierrettungsgruppe engagiert, die nächste Aufgabe schon wieder im Blick.

Dauerthema Stützpunkt

Die größte Aufgabe für den neuen Stadtbrandinspektor ist die Diskussion um einen gemeinsamen Feuerwehrstützpunkt der Wehren Kelkheim-Mitte, Hornau und Fischbach im Gebiet "Hornau-West". Eine konkretere Bebauung wurde jetzt nach langem Hin und Her in den Fraktionen diskutiert. Diesen Freitag steht laut Kunisch ein Gespräch im Rathaus an. Er hofft endlich auf einen Durchbruch, denn die Wehr stehe weiter hinter dem Projekt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare