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So war es Ende 2017: Flohmarkt an der Jahrhunderthalle, Sascha Weiß (Mitte) und Christian Mansch kassieren Platzgeld.

Wirtschaft:

Kelkheim: Flohmarktbetreiber fordert "klare Aussagen"

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Wie geht es weiter mit den Märkten? Firma Weiß betroffen.

Kelkheim -"In einem normalen Jahr hätten wir heute am Tag der Arbeit viele tolle Märkte für euch." So hat sich die Kelkheimer Firma Weiß Veranstaltungsservice vor wenigen Tagen bei ihren Kunden zurückgemeldet. Denn die wissen: Das Unternehmen hätte in diesen Monaten Hochbetrieb, bietet mehr als 300 Märkte im Jahr - vor allem Flohmärkte - in der ganzen Region an. Doch Corona hat auch die seit fast vier Jahrzehnte bestehende Firma aus der Möbelstadt ausgebremst. An das Handeln an den Marktständen ist derzeit nicht zu denken.

Hygienekonzepte sind umzusetzen

Juniorchef Sascha Weiß hingegen denkt Tag und Nacht an dieses Thema. In der vergangenen Woche hat das Land Hessen zahlreiche Öffnungen und Erlaubnisse angekündigt. Doch der Kelkheimer Flohmarkt-Betreiber hängt immer noch in der Luft. "Es will momentan keiner diese Entscheidung fällen", sagt Weiß. Er sei mit Behörden in Kontakt - doch eine klare Aussage zur Zukunft dieser Branche fehlt ihm.

Flohmärkte fallen nach seiner Angabe unter Veranstaltungen. Diese sollen für bis zu 100 Personen wieder möglich sein - in genehmigten Ausnahmefällen auch für mehr Menschen. Auf eine solche Chance hofft der Weiß Veranstaltungsservice. Rund 30 Standorte für Märkte nutzen die Kelkheimer. Bei gut der Hälfte sei ein vernünftiges Hygienekonzept umsetzbar, betont der Unternehmer. Abstandregelungen seien zum Beispiel auf dem Platz an der Jahrhunderthalle besser einzuhalten als auf manchem engen Wochenmarkt, die alle geöffnet haben. Wenn das Gelände eingezäunt sei, könnten Ein- und Ausgänge für Flohmärkte geschaffen werden, samt einer notwendigen Registrierung. Es sei auch möglich, über das Internet Karten zu verkaufen für ein bestimmtes Zeitfenster. So könnten bis zu 3000 Besucher an einem Tag sicher auf einige Hundert gesteuert werden, ist Weiß überzeugt.

"Wir arbeiten zur Zeit unter Hochdruck an geeigneten Konzepten für unsere Märkte", teilt der Unternehmen offiziell den Kunden mit. "Dies bedeutet natürlich auch, dass wohl nicht alle Märkte im gewohnten Rahmen stattfinden können. Es wird einige Einschränkungen geben, diese sind aber auch notwendig, um die Ansteckungsgefahr auf ein minimales Risiko zu reduzieren." Händler und Kunden wiederum müssten sich zu Hundert Prozent an diese Vorgaben halten.

Rund 80 Minijobber derzeit ohne Aufgabe

"Wir sind jetzt in die Endphase gekommen. In den nächsten ein, zwei Monaten muss etwas passieren", sagt Weiß zur wirtschaftlich schweren Lage der Veranstaltungs-Firma. Die drei festangestellten Mitarbeiter, zu denen er auch zählt, sind in Kurzarbeit. Die etwa 80 Minijobber haben keine Aufgabe mehr. Und auch die Händler haben natürlich Probleme - etwa der Senior, der sich etwas zur Rente dazu verdienen wolle, bedauert Weiß.

Die Kelkheimer Firma bietet daher jetzt Online-Flohmärkte an. Das sei aber mehr eine nette Alternative für die Kunden und können die Umsatzeinbußen nicht abfangen. Deshalb stellt Sascha Weiß klar: "Wir wünschen uns einfach klare Aussagen." Er wolle sein Konzept vorstellen und ein deutliches "Ja oder Nein" bekommen. "Es sollte uns, wie den Geschäften, die Möglichkeit gegeben werden, es zu zeigen." Weiß betont, das Unternehmen habe in den fast 40 Jahren viel Erfahrung gesammelt. "Wir wissen schon, wie man Besucherströme kontrollieren kann." Etwa in Wallau, wo Pendelbusse zum Ikea-Parkplatz fahren und sieben Tonnen Absperrmaterial bei den großen Flohmärkten verwendet werden.

Joachim Weiß fing 1982 als Student der Betriebswirtschaft mit einem Nebenjob klein an. Mit Freund Achim Sommer organisierte er eine Jugenddisco mit 1000 Besuchern in der Stadthalle Kelkheim. Inzwischen ist er mit seiner Firma Weiß Veranstaltungsservice einer der größten Anbieter von Flohmärkten im Rhein-Main-Gebiet. Diese Erfolgsgeschichte hat zum großen Teil seine Frau Mahta mitgeschrieben.

Sohn Sascha mischt längst kräftig mit. Das Team ist auch in schweren Zeiten offen für neue Ideen. So habe er bei vielen Kommunen angefragt, ob nicht vielleicht die Lebensmittelhändler eine Ergänzung zu den Wochenmärkten anbieten könnten. So gut 20 Stände mit Obst, Gemüse, Fleisch, Käse an der Jahrhunderthalle - auch das hätten sich die Kelkheimer vorstellen können. Doch bisher gab es nur Absagen.

Und so rechnet der Juniorchef hoch, dass an die 100 Weiß-Märkte in den beiden Corona-Monaten schon ausgefallen seien. "Das ist die Hauptsaison eines Jahres." Jeden Dienstag und Donnerstag gibt es normalerweise einen, jeden Samstag mindestens drei organisierte Märkte.

Eine weitere Veranstaltung musste Sascha Weiß schon früh absagen. Mit Andreas Skowronnek organisiert er seit einigen Jahren das beliebte Wäldchestag-Fest in Kelkheim. Die zeitige Absage sei richtig gewesen, das Aus "die kleinste Sorge", so der Unternehmer. Er denkt trotz aller Unsicherheiten positiv: "2021 könnte das Veranstaltungsjahr werden." Wenn die Leute nach Corona wieder nach draußen strömen. Mit Partner Skowronnek hat Weiß da auch noch das Kelkheimer Weinfest erstmals in der Planung. wein

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