Bei der Bürgermeisterwahl im März war die Welt noch in Ordnung: Ivaloo Schölzel (li.) und Robert Wintermayr freuen sich mit Tina Bender über Platz drei. Nun geht das Trio getrennte Wege.
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Bei der Bürgermeisterwahl im März war die Welt noch in Ordnung: Ivaloo Schölzel (li.) und Robert Wintermayr freuen sich mit Tina Bender über Platz drei. Nun geht das Trio getrennte Wege.

Politik:

Kelkheim: Fraktion der Freien Wähler löst sich auf

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Tina Bender und Robert Wintermayr verlassen Trio, behalten aber Mandat - FW-Chefin sieht auch Chance.

Kelkheim. Acht Monate ist es her, da machte diese Zeitung ein Foto bei der Bürgermeisterwahl. Es zeigt Tina Bender, Kandidatin der Freien Wähler (FW), gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Robert Wintermayr und Ivaloo Schölzel, die zusammen wiederum fünf Jahre lang die Mini-Fraktion bildeten. Auf dem Bild demonstrieren sie Freude über Platz drei bei der Bürgermeisterwahl, aber auch Zuversicht für die kommenden Aufgaben. Diese im Foto dokumentierte Aufbruchstimmung ist jetzt aber der Ernüchterung gewichen: Denn die neue Fraktion der Freien Wähler mit genau diesem fotogenen Trio wird es nicht mehr geben.

"Unüberbrückbare Differenzen"

"Aufgrund unüberbrückbarer Differenzen in der Zusammenarbeit innerhalb der Fraktion der FW Kelkheim, haben sich die Mandatsträger Robert Wintermayr und Tina Bender für den Austritt unter Beibehaltung ihrer Mandate entschieden", teilte das Duo gestern Mittag mit. Mit diesem Austritt werde die Fraktion aufgelöst. Im Kelkheimer Stadtparlament wird es nunmehr nur noch vier Fraktionen geben (CDU, FDP, SPD, die eine Koalition bilden, und die UKW) sowie künftig drei fraktionslose Mandatsträger.

In einer Mitteilung erläutert das Paar die Gründe für seinen Rückzug: "Die FW Kelkheim kamen in der bestehenden Dreier-Konstellation leider nicht zu einem gemeinsamen Konsens zu den wichtigen Themen im Stadtparlament." Konkret genannt werden allerdings keine Punkte. Auf Nachfrage betont Wintermayr, es gehe nicht um konträre Meinungen zu einzelnen Projekten, sondern vielmehr um die Art der Zusammenarbeit. Schölzel habe eine "eigene Definition" der Fraktion gewählt und dazu stets die von ihr eingeladenen Mitglieder der "Interessengemeinschaft FW" eingeschlossen. Diese hätte dann unter der Leitung von Schölzel den Fraktionsstandpunkt bestimmt, "unabhängig von der Anwesenheit oder der Meinung der beiden weiteren Mandatsträger". Ihm kam es vor wie ein "Debattierclub im Verein", so Wintermayr. "Man kann nicht immer alles mit allen diskutieren." Die CDU zum Beispiel frage ja auch nicht alle Parteimitglieder zu einem Thema in der Fraktion. Es habe mehrere "erfolglose Versuche" gegeben, dass eben nur diese drei von den Bürgern gewählten Mandatsträger der FW die Fraktionsmeinung final abstimmen und repräsentieren. Zudem hätte sich das Duo gewünscht, mit den übrigen Fraktionen in der Rolle der kleinen Oppositionspartei statt "Zünglein an der Waage" anders aufzutreten.

Die kritisierte Fraktionschefin Schölzel bedauert diesen Schritt. "Mit fehlen da schon die Antworten. Sie haben es versäumt, mit uns über dieses Anliegen zu sprechen. Es hätte eine Lösung gegeben", findet sie. Einem Gespräch mit beiden hatte sie allein nicht zugestimmt, mit Unterstützung von Magistratsmitglied Kay Möller schon. Dazu kam es nicht. Beide Seiten betonen, es sei ein Aus mit Ansage gewesen. Sie erklären zudem, die Kommunikation habe jeweils nicht gestimmt.

Die Fraktionschefin räumt ein, eine Presseerklärung zum Gebiet "Hornau-West" ebenfalls auf Anfrage dieser Zeitung vielleicht nicht ausreichend abgestimmt zu haben. Aber den anderen Vorwurf, dass nur die Fraktion entscheiden sollte, kann sie nicht verstehen. Die Meinung des Magistratsmitgliedes müsse immer mit einfließen, habe es doch viele Informationen zuerst. Und Schölzel hält es auch für richtig, Vorstandsmitglieder mit einzubinden. Schließlich hätten sie ja alle gemeinsam den Wahlkampf im Team bestritten.

Auch wenn Schölzel die ganze Sache für überzogen hält und mit Gesprächen aus ihrer Sicht Dinge zu retten gewesen wären, so blickt sie doch zuversichtlich nach vorn. Eine heilende Trennung? "So würde ich es mal sehen", sagt die 67-Jährige, die sich als Ruheständlerin ohnehin intensiver einbringen wollte. "Entweder man ergreift die Chance in der Krise oder man hat die Krise." Sorgen um die Zukunft der Freien Wähler in Kelkheim hat sie nicht. "Wenn wir bei der Kommunalwahl verloren hätten, dann hätten wir ja auch nicht hingeschmissen. Das entspricht nicht unserem Wesen." Sie selbst sei schon Jahre in der Opposition gewesen, "und ich mache trotzdem Politik". Schölzel gibt sich kämpferisch: "Wir müssen uns jetzt für die Zukunft aufstellen."

Kein Sitz in den Ausschüssen mehr

Was das für die drei Fraktionslosen nun in der Politik bedeutet? Einen Sitz im Ausschuss haben sie nicht mehr. Wobei diese Regelung erst nach der Neuberechnung und nicht in dieser Woche gilt. Schölzel hofft aber zumindest auf Rederecht. Es sei ihr wichtig, Fragen stellen und Themen ansprechen zu können. Im Vergleich zur bisherigen Rolle der kleinen Oppositionsfraktion "wird es so viel schwerer für mich nicht werden", glaubt sie.

Auch Wintermayr sieht die Sache nicht wirklich dramatisch und hebt hervor, dass sie "nicht im Streit" auseinandergehen wollten. Sie werden sicher auch im Sinn der Freien Wähler weitermachen, denn inhaltlich seien sie ja meist auf einer Linie - nur der Weg dorthin, der war dem Duo zu anstrengend. "Ehrenamt soll ja auch Spaß machen." Wintermayr und Bender wollen nun schauen, welche Möglichkeiten sie als Einzelkämpfer haben. Es sei möglich, dass sie sich vielleicht einer anderen Fraktion anschließen. Doch dazu sei es noch zu früh, betont der Hornauer, der auch aus der FWG in Stadt und Land ausgetreten ist. Wintermayr kann sich sogar vorstellen, dass es für ihn und seine Partnerin unterschiedliche neue "Häfen" sein könnten. Und verrät: Beide hätten einer möglichen Koalition aus CDU, FDP und FW damals auf jeden Fall zugestimmt.

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