Rund 3400 Euro erbeuteten die beiden Räuber bei ihrem Überfall.
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Rund 3400 Euro erbeuteten die beiden Räuber bei ihrem Überfall.

Gerichtsverfahren:

Kelkheim: Gauner rauben Getränkehändler die Einnahmen

  • vonMatthias Gerhart
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Duo aus Kelkheim und Liederbach lauert am Geldautomat.

Kelkheim. "Warum denn in die Ferne schweifen?" Das wird sich ein 24 Jahre alter Kelkheimer gedacht haben, als er im Februar 2018 zur Lösung gravierender finanzieller Probleme gemeinsam mit einem zwei Jahre jüngeren Komplizen einen Raubüberfall plante. Das Duo blieb vor Ort und kundschaftete einen gut gehenden Getränkemarkt in der Nähe in Kelkheim aus. Nach Ladenschluss war es üblich, dass der Inhaber zur nahen Bank fuhr und die Tageseinnahmen an einem Bankautomaten einzahlte. Diesen Zeitpunkt mussten beide also genau abpassen.

Schreckschusspistole im Einsatz

Und so kam es, dass am frühen Abend des 2. Februar der Kelkheimer und sein in Liederbach wohnhafter Kumpel vor einem Geldautomaten lauerten. Als der Geschäftsmann vom Getränkemarkt schließlich kam, ging alles sehr schnell. Der Mann wollte sich nicht unnötig in Gefahr begeben und händigte die Tageseinnahmen, wie von den Männern verlangt, umgehend aus. Rund 3400 Euro fielen ihnen dabei in die Hände.

Viel Vergnügen hatten sie gleichwohl nicht mit dem Geld. Schon kurz nachdem die Polizei benachrichtigt worden war, wurde eine öffentliche Großfahndung initiiert. Und da Kelkheim eine immer noch eine recht überschaubare Kommune ist, führte die Spur bald auf den Mitbürger. Für eine Festnahme reichte es gleichwohl noch nicht. Erst mussten noch umfangreiche Mobiltelefon-Konversation sowie Chat-Kontakte ausgewertet werden. Bei dem älteren Angeklagten kamen auch noch drogenrechtliche Verstöße dazu. Mehr als zwei Jahre zog sich das Ermittlungsverfahren hin, bis die Männer im Februar dieses Jahres festgenommen und inhaftiert werden konnten.

Prozessbeginn am Frankfurter Landgericht

Nun begann der Prozess gegen sie vor einer Großen Strafkammer des Frankfurter Landgerichts. Schwere räuberische Erpressung ist kein Kavaliersdelikt - fünf Jahre Mindeststrafe sind es im härtesten Fall. Zum Einsatz kam bei dem Raubüberfall eine Schreckschusspistole - ein Umstand, der sich möglicherweise strafmildernd auswirken wird. Von ihren Verteidigern waren die beiden Angeklagten jedenfalls gut beraten, als sie gleich nach Prozessbeginn umfangreiche Geständnisse ablegten. Mittlerweile sind sie wohl auch davon überzeugt, dass die Idee mit dem Raubüberfall eher eine Schnapsidee gewesen war. Jedenfalls steht die Höhe der Beute in keinem Verhältnis mit der zu erwartenden Strafe. Hauptmotiv seien Schulden in Drogenhändlerkreisen und auch der erhöhte Geldbedarf für den Eigenkonsum. Das ist mit den Früchten legaler Arbeit kaum zu stemmen.

Die Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz aber räumte der ältere Angeklagte vorerst nicht ein. Vor diesem Hintergrund wird die Jugendstrafkammer (der jüngste Angeklagte war zum Tatzeitpunkt noch Heranwachsender) möglicherweise alle bislang terminierten fünf Verhandlungstage benötigen. Ein Urteil ist für Ende August geplant. ge

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