Eine aktive Frau in der CDU: In den Wahlkämpfen hat Birgit Brause auch schon mal Ahoi-Brause passend für eine prickelnde Politik verteilt. Nun hat sie ihr Mandat zurückgegeben.
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Eine aktive Frau in der CDU: In den Wahlkämpfen hat Birgit Brause auch schon mal Ahoi-Brause passend für eine prickelnde Politik verteilt. Nun hat sie ihr Mandat zurückgegeben.

Kommunalpolitik

Kelkheim: "So halb gibt es für mich nicht"

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Nach 15 aktiven Jahren hört die stellvertretende CDU-Fraktionschefin Birgit Brause auf. Die Corona-Krise und wenig Fortschritt sind die Gründe.

Münster."Was willst du in der Politik? Du bist doch nicht diplomatisch genug." Dieser Satz ihres Vaters klingt Birgit Brause noch heute in den Ohren. Der Herr Papa habe zwar Recht, denn sie sage immer gerade heraus das, was sie denke, betont die 68-Jährige. Doch von einer immerhin 15 Jahren währenden "Karriere" in der Kommunalpolitik hat das die aktive Frau aus Münster auch nicht abgehalten. Sie hat es in der CDU bis in die erste Reihe gleich neben Fraktionschef Dirk Hofmann geschafft und eine wichtig Rolle in der Union gespielt.

Doch jetzt ist Schluss für die Mutter eines Sohnes und Oma von zwei Enkeln im Alter von elf und acht Jahren. Sie wollte ohnehin zur Kommunalwahl 2021 nicht mehr auf die Liste und "jungen Leuten die Chance geben, nachzurücken". Doch dann kam Corona. Da sie mit ihrem Mann zur Risikogruppe gehöre, wolle sie sich nicht mit einer großen Riege zu den Sitzungen in die Stadthalle versammeln. Zumal die Situation mit den Aerosolen so erforscht nicht sei. "Dieser Gefahr wollte ich mich nicht aussetzen." Auf der anderen Seite habe sie der Fraktion "nicht schaden" wollen, indem sie wegen der schwierigen Mehrheitsverhältnisse dauerhaft fehle. Deshalb hat Brause nun ihr Mandat niederlegt. Eicke Winter, der schon viele Jahre im Parlament saß, wird für sie nachrücken.

"Ich habe lange hin und her überlegt und das sehr gerne gemacht", schaut die CDU-Frau mit einem lachenden und weinenden Auge zurück. Vor 15 Jahren war das, als sie sich über die Partei, die ihr von der Grundhaltung am nächsten steht, erst einmal mächtig geärgert habe. Damals habe auch die CDU betont, es gebe in Kelkheim ausreichend Kindergarten-Plätze. Brause konnte einschätzen, dass dem nicht so war. Denn sie hat insgesamt 45 Jahre als Erzieherin gearbeitet, erst rund 10 Jahre in ihrer Heimat Weilburg, dann lange als Leiterin der Katholischen Kita St. Georg in Münster.

Und so rückte sie ins Parlament ein - um die CDU noch ein Stück sozialer zu machen. Denn die Haltung "Mütter sollen zu Hause bleiben" habe auch in der Union vorgeherrscht. Sie selbst habe arbeiten müssen und dieses anderen Frauen ermöglichen wollen. So entstand, auf ihre Initiative hin mit, ein zentrales Anmeldesystem in Kelkheim, wie sie erzählt. Und siehe da: Es fehlten Kita-Plätze in der Stadt, weshalb die Container-Einrichtung der "Großen Strolche" geschaffen werden musste. Inzwischen ist sie mit der Kinderbetreuung sehr zufrieden. "Es hat sich einiges geändert, wir haben sehr gute Kriterien erarbeitet", sagt sie etwa zu den gedeckelten Krippenpreisen nach den Elternprotesten über zu hohe Kosten.

Es gibt aber nun einen zweiten Grund, weshalb Birgit Brause dem Parlament den Rücken kehrt. "So halb gibt es für mich nicht", betont sie und ärgert sich darüber, dass zwar viel diskutiert, aber vieles zerredet werde. Oft würden immer wieder Gutachten gefordert. "Das macht mürbe", sagt sie etwa zu Dauerthemen wie das alte Feuerwehrgrundstück Münster, den Kelkheimer Bahnhof oder das Baugebiet "Vor dem Schlämmer". Brause: "Es geht einfach nicht voran." Dass manche Dinge "oft aus ideologischen Gründen" keine Chance hätten, frustriert sie.

Wunsch nach festen Mehrheiten

Birgit Brause betont, ihr Aus habe nichts mit der Fraktion und möglichen Problemen dort zu tun. Die CDU habe bei der Bürgermeisterwahl 2015 und der Kommunalwahl 2016 "schön einen auf die Klatsche gekriegt", sei aber nun wieder im Aufwind, findet sie. "Wir haben sehr gute, auch junge Leute." Sie hofft, dass Fraktionschef Hofmann den Bürgermeister-Chefsessel im Rathaus erobert, "als kompetenter, sehr bedachter" Mann. Und wünscht sich nach der Kommunalwahl wieder feste Mehrheiten, in welcher Konstellation auch immer. Die aktuelle Situation mit den Freien Wählern als Zünglein an der Waage sei nicht gut für Kelkheim.

Für Birgit Brause indes gibt es "auch ein Leben nach der Politik", wie sie festhält. Sie pflegt einen großen Garten mit viel Gemüse und Blumen und betreut dreimal in der Woche derzeit die Enkel. Da werden Birgit Brause und ihr Mann, der bekannte Kelkheimer Architekt Walter Fuß, schon mal beim "Homeschooling" zu Ersatzlehrern. Aus der Welt für die CDU sei sie allerdings nicht. Wenn mal ein Ratgeber gerade zu sozialen Themen gefragt sei, stehe sie gerne bereit.

"Ihr Wissen wird uns fehlen"

Fraktionschef Dirk Hofmann bedauert natürlich den Abschied. "Ihr Wissen wird uns fehlen", muss er nun auf eine Stütze vor allem im Sozialbereich verzichten. Natürlich warte nun neue Arbeit, müssten ihre Posten als stellvertretende Fraktionschefin und Mitglied im Sozialausschuss wieder besetzt werden. Doch Hofmann weiß das Angebot ihrer Unterstützung hinter den Kulissen sehr zu schätzen. Frank Weiner

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