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Schulleiterin Marion Polydore und Direktor Bernhard Heinz vor dem Privatgymnasium Dr. Richter. Sie weisen auf den Mittelbau, wo eine einzig mögliche Aufstockung nicht viel neuen Raum bringen würde.

Grundstücksstreit

Erweiterung des Privatgymnasiums in Kelkheim sorgt weiter für Zündstoff

Am vergangenen Montag hat das Parlament die Verlängerung der Veränderungssperre für den Gagernring 5 beschlossen, um dem Privatgymnasium Dr. Richter eine Erweiterungschance zu erhalten. Die Privatleute können daher weiterhin nicht bauen. Diese Zeitung hat Kontakt mit beiden Seiten aufgenommen.

Kelkheim - „Wir sind nach wie vor an einer vernünftigen Lösung interessiert, wollen uns mit ihnen einigen.“ Das sagt Bernhard Heinz, geschäftsführender Direktor am Privatgymnasium Dr. Richter (PDR). Schulleiterin Marion Polydore stimmt ihm zu – eine friedliche Geschichte sei das, was die Einrichtung mit ihren mehr als 600 Schülern anstrebe. Aber Heinz betont auch: „Wir ziehen das durch.“ Und wenn es mehrere Jahre dauere, was der Schule in ihrer derzeitigen Situation sicher nicht weiterhelfe.

Der Knackpunkt ist in Kelkheim längst bekannt: Die Nachbarn des PDR, die Familie Möller (siehe Text rechts), wollten auf ihrem Grundstück neu bauen – der Antrag lag schon beim Kreis. Da die Schule eine Erweiterungsfläche sucht und dafür das Möller-Areal im Auge hat, wurde die Stadt aktiv. Sie schlug im Mai 2017 eine Veränderungssperre für das Areal und die Aufstellung eines Bebauungsplans vor – die Politik segnete das mit Mehrheit ab. Und bestätigte jetzt die Sperre für ein weiteres Jahr.

Staatlich anerkannt

Dafür ist die Schule dankbar. Heinz verweist trotz Kritik einiger Stadtverordneter darauf, dass die Privatschule sehr wohl ein öffentliches Interesse darstelle. Sie sei per Gesetz anerkannt, werde von Land und Kreis finanziell unterstützt. Dass sie nur auf Gewinnmaximierung aus sei, weist er zurück. Natürlich werde Geld für Investitionen zurückgelegt, aber die Vorstandsmitglieder der Stiftung als Schulträger seien ehrenamtlich tätig.

Polydore sieht das PDR mit als einen „wesentlichen Standortfaktor“ in der Kelkheimer Schulwelt. „Wenn wir uns nicht erweitern können, wird irgendwann die Nachfrage nachlassen. Und wenn wir nicht wettbewerbsfähig bleiben, haben wir ein Strukturproblem.“ Zwar wolle das Haus nicht über 650 Schüler wachsen, doch weiter konkurrenzfähig und ein guter Arbeitgeber bleiben. Deshalb muss die Erweiterung laut Heinz und Polydore sein. Der Schulhof sei zu klein, die Anfahrtsituation nicht optimal, das Lehrerzimmer für mehr Köpfe aufgrund Teilzeit-Regelungen zu klein, ein Medienbereich solle mit der Zeit gehen, ein schallgedämmter zweiter Musikraum müsse her. Zudem sei es das Ziel, Schüler auch mal in getrennten Räumen arbeiten zu lassen.

Keine „Filiale“ bauen

All das sei nur am Gagernring möglich, betont die Schulleitung. Die Familie Möller hingegen führte in einem Schreiben an die Politik an, das PDR habe mehrere Chancen auf andere Flächen verstreichen lassen. Dazu erklärt Heinz: Ein Areal weiter oberhalb hätte höchstes für die nötige Turnhalle gereicht, die nun schräg gegenüber entstanden ist. Den Parkplatz am Charlottenweg zu bebauen, sei wenig hilfreich, denn die Stellflächen würden ja benötigt und eine Tiefgarage wäre baulicher „Wahnsinn“. Eine Aufstockung wäre nur über dem mittleren Gebäude rechtlich möglich und würde nicht viel bringen, so Polydore. Und ja, das PDR besitze rund 20 000 Quadratmeter im möglichen Baugebiet „Hornau-West“ hinter der Bahnlinie. Doch es sei fraglich, „ob da jemals gebaut wird, das ist in den nächsten Jahren nicht zu erwarten“, erklärt Heinz. Die Schule wolle keine „Filiale“ bauen, sondern am Standort erweitern.

Auch die Schüler würden sich mehr Platz wünschen. Es sei zu eng, es fehle eine richtige Aula, für Veranstaltungen müsse der Theatersaal genutzt werden, sagt Lukas. Einige Klassenräume seien schon eng, die Tische zu klein, findet Katharina. „Es ist eine Sache, die jeder weiß“, spricht Nils für viele Schüler und erhofft sich wie die Kollegen insgesamt mehr Platz.

Nicht verstehen können Heinz und Polydore die Motivation der Privatleute. Sie haben in den Mediationsgesprächen jenseits der Klage eine deutlich größere Alternative auf dem alten Feuerwehrgrundstück in Münster angeboten bekommen. Zudem zahle das PDR bei Kauf den vollen Verkehrswert und komme bei den bisherigen Planungskosten entgegen. „Wir wissen nicht, warum sie dagegen sind“, sagt Heinz und betont: Hier stehe das öffentliche Interesse der Schule gegen das private Interesse, Wohnungen zu bauen. Wenn es die Tradition der Familie sei, dann gebe es weitere Möglichkeiten – etwa bei der Namensgebung, so Heinz. Ein Umzug sei „kein Nachteil für die Firma Möller“. Und hier von einer „kalten Enteignung“ zu sprechen, das passe für ihn auf keinen Fall.

Eigner wollen sich „mit allen Mitteln“ gegen Enteignung wehren

Natürlich hat diese Zeitung auch die betroffenen Privatleute Kay Möller und ihren Mann Bernd Garlipp-Möller um eine Stellungnahme zur Verlängerung der Veränderungssperre für ihr Grundstück an Gagernring sowie eine perspektivische Einschätzung der Situation gebeten. Klar und deutlich teilt Kay Möller in der Antwort mit: „Wir werden uns mit allen Mitteln gegen eigentumsentziehende Maßnahmen und die angedrohte Enteignung unserer Familie wehren.“

Zum weiteren Sachverhalt verweisen die Kelkheimer, die in der Stadt seit 70 Jahren die Firma Hans Möller & Sohn GmbH für Holzbearbeitungsbedarf führen, auf die von ihren erstellte und persönlich bewertete Chronologie der Ereignisse hin. Es habe Ende 2010 begonnen mit einem angedachten Grundstückstausch. Die Stadt sollte rund 20 000 Quadratmeter Fläche im Gebiet „Hornau West“ hinter dem Berliner Ring erhalten, das Privatgymnasium Dr. Richter (PDR) gut 9100 Quadratmeter am Gagernring gegenüber der „Künstlerwiese“. Diese Fläche war immer mal auch für eine Turnhalle des Gymnasiums im Gespräch, heute stehen dort Wohnhäuser. Dieses Thema ist also inzwischen vom Tisch, für die Möllers wäre das aber eine gute und mögliche Alternative zur Schulerweiterung gewesen.

Kaufgespräche beendet

Dann liefen 2013/14 die Verhandlungen zwischen PDR und Privatleuten. Laut Möllers in vier Gesprächen und mit nicht zufriedenstellenden Ergebnissen. „Wir entschließen uns, keine Gespräche mit weiteren Interessenten zu führen und beschließen, unser Betriebsgelände zu behalten.“ 2015 dann der Verkauf der städtischen Flächen am Gagernring an die Kelkheimer Projektgesellschaft Horn für Wohnbebauung. Hier wäre das Tauschgeschäft noch möglich gewesen, so die Familie. Sie überlegt, warum dann schon zwei Jahre später das Interesse an einer Erweiterung wieder so groß geworden sei. Die Privatleute bringen die Parkplatzfläche am Charlottenweg direkt gegenüber als weitere Alternative ins Gespräch. Dort in der Nähe, hinter der SG-Halle, wird im Herbst 2016 eine zweite Halle für das PDR und den Verein eingeweiht.

Es sei Anfang 2017 zum ersten Kontakt mit Bürgermeister Albrecht Kündiger in der Sache gekommen – das PDR sei weiterhin am Kauf interessiert. Aber auch ein Gespräch mit der Schulleitung habe kein Ergebnis gebracht. Die Privatleute reichten ihren Bauantrag im Mai ein, das Parlament reagierte im Juni mit dem Beschluss der Veränderungssperre. Von diesem Plan haben sie nichts mitbekommen, betonen Möllers.

G 9 kein Argument?

Sie bringen erneut jene 20 000 Quadratmeter ins Spiel, die dem PDR hinter dem Berliner Ring gehören. Sie nennen das „Alternativplanung zur Schulerweiterung ohne kalte Enteignung“. Eine weitere sei die Aufstockung des Bestandsgebäudes. Am 30. Juni reichen die Privatleute die Normenkontrollklage gegen die Veränderungssperre ein. Drei Mediationstermine bringen kein Ergebnis, diese Schlichtung wird beendet. Auch eine PDR-Begründung für mehr Räume sehen sie skeptisch – die Rückkehr zu G 9. Das sei früher mit dem gleichen Platz erreicht worden – „sogar mit mehr Schulkindern“.

von Frank Weiner

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