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Um dieses Areal zwischen Gagernring und Fischbacher Straße geht es. In „Hornau-West“ könnte auch der Wehrstützpunkt entstehen.

Was tun wenn's brennt?

Kelkheimer Feuerwehr hat tagsüber kaum genug Personal für den Ernstfall

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In Kelkheim schlägt die Feuerwehr Alarm. Sie fordern dringend die Aufstockung der hauptamtlichen Feuerwehrleute. Sonst könnte es im Ernstfall problematisch werden. 

Kelkheim - Die Alarmglocken schrillen bei den Feuerwehren fast täglich. Einen „Alarm-Brief“ hat der Wehrführerausschuss bisher selten verfasst. Doch ein solches Papier hat zuletzt den Bürgermeister, den Feuerwehrdezernenten und die Fraktionen erreicht. Damit will die Spitze der rund 270 aktiven und engagierten Brandschützer ein Zeichen setzen und fordert Maßnahmen, um die Zukunft zu sichern.

Freiwillige Feuerwehr Kelkheim: Tagsüber nicht genug Personal für den Ernstfall

Stadtbrandinspektor Alexander Kolata nennt im Gespräch zwei Problemfelder, die dem Team unter den Nägeln brennen. Da ist zum einen die Einsatzstärke am Tag. Hier fordert der Ausschuss hauptamtliche Verstärkung. Aktuell beschäftigt die Stadt drei Feuerwehrleute, die unter der Woche tagsüber zur Verfügung stehen. Vor zwei Jahren hatte Kolata von drei weiteren notwendigen Hauptamtlichen gesprochen.

Im neuen Brief ist von sieben bis neuen Kräften insgesamt die Rede. Die erste Forderung sei ein „Zwischenziel“ gewesen. Inzwischen seien weniger Feuerwehrleute in Kelkheim beschäftigt, könnten also im Ernstfall mit ausrücken, weiß Kolata und nennt ein Beispiel: Reifenhersteller Nexen Tire hat seinen Sitz nach Münster verlegt, doch unter den 100 Mitarbeitern sei nicht ein Feuerwehrmann. Kolata verweist auf das Ausland, wo es kaum Ehrenamts-Strukturen gebe. Natürlich sei eine reine Berufswehr in Kelkheim eine Vision, aber in die Richtung will er schon gehen. Es sollte möglich sein, tagsüber einen Löschzug mit 22 Helfern los zu schicken. Die Zahlen hat die Wehr dazu ausgewertet. Dass es personell meist kritisch ist, sei „nicht nur ein Bauchgefühl“, betont Kolata.

Neuer Feuerwehrstützpunkt für die freiwillige Feuerwehr Kelkheim?

Das zweite Thema ist der neue Feuerwehrstützpunkt. Im Herbst 2016 hatte diese Zeitung zuerst über eine mögliche Zusammenlegung der Wehren aus Kelkheim-Mitte, Hornau und Fischbach im Gebiet „Hornau-West“ berichtet. Es folgten ein Grundsatzbeschluss und nun eine Verkehrsuntersuchung. Der Truppe geht das zu langsam. Deshalb fordert sie, dass es in den nächsten sechs Monaten ein Workshop mit Wehrführerausschuss, Magistrat und Fraktions-Spitzen gibt, um vorzeigbare Ergebnisse zu den Themen zu erhalten.

Dass etwas passieren muss, hat die Wehrführung schon bei ihrer Klausurtagung Ende 2018 erkannt. Mit dem Schreiben will sie nun den Dialog anstoßen. „Da passiert viel zu wenig“ – dieser Satz ist laut Kolata immer wieder zu hören. Wenn weiterhin der Schwung fehle, „dann müssen wir überlegen, wie wir mehr Druck aufbauen“. Er stellt aber klar: „Im Moment setzen wir auf Dialog.“ Für diese Gesprächsrunde wünscht sich die Wehr einen externen Moderator.

CDU: „Das Thema ,Feuerwehr‘ brennt – im wahrsten Sinne des Wortes.“

Diskussionsstoff gibt es aktuell ohnehin genug. Denn ein Gutachten liegt vor: Es zeigt auf, dass eine neue Straße, die als „Gagern-Spange“ den Stützpunkt anschließen muss, bei Öffnung für alle mehr Verkehr anzieht. Und der Gagernring durch ein zusätzliches Neubaugebiet „Hornau-West“ noch stärker belastet würde. Grundsätzlich sei eine Zusammenlegung von der Politik ja positiv beäugt worden, weiß Kolata. Als ehemaliger CDU-Stadtverordneter weiß er aber auch, dass einige Taktik dahinter steckt: „Die Frage ist: Wer zuckt zuerst bei der Verkehrsproblematik?“ 

Eine Ausrede könne das nicht sein: „Irgendwann muss man halt auch mal Probleme angehen.“ Die erste Resonanz auf den Brief war durchwachsen, wie Kolata weiß. Die CDU hat aber gleich eine Pressemitteilung verschickt. Darin begrüßt sie das Schreiben der Wehr, die Zukunftsfähigkeit „muss langfristig gesichert werden“, sagt Parteichef Georg Schrage. „Das Thema ,Feuerwehr‘ brennt – im wahrsten Sinne des Wortes.“ So sollte dar Workshop „besser heute als morgen“ sein, wünscht sich die CDU.

Der überwiegende Teil der drei betroffenen Wehren sei weiterhin für eine Zusammenlegung, so Kolate. Doch der Rückhalt wackele umso mehr, je länger sich das Verfahren hin ziehe. Bis 2022 will Kolata auf jeden Fall greifbare Ergebnisse sehen. Denn dann läuft seine Amtszeit ab, und er wird aufhören. Das möchte der Chef sicher nicht mit lauter ungelösten Problemen . . .

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