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Das Kelkheimer Kloster außen . . .

Vortrag

Eine Entbindungsstation unterm Glockenturm

Kulturreferat, Stadtmuseum und Autor Thomas Berger starten zum Jahresbeginn eine Vortragsreihe rund um die Klosterkirche St. Franziskus. Der erste Vortragsabend überraschte mit interessanten Informationen und zahlreichen Gästen.

Kelkheim - „Wir haben nicht damit gerechnet, dass so viele Gäste heute Abend vorbeischauen würden“, freut sich Beate Matuschek, Kulturreferentin der Stadt. Die neue Vortragsreihe um das Kloster Sankt Franziskus in Kooperation mit Kulturreferat, Museum und Autor Thomas Berger, findet rege Nachfrage. 

„Wir haben zunächst 30 Stühle gestellt. Dann wurden es immer mehr. Mittlerweile sind es 100 Plätze“, so Matuschek. Mit Berger hat das Kulturreferat einen seit vielen Jahren geschätzten Fachmann gewinnen können. Gemeinsam wurde die Idee entwickelt „die Klosterkirche St. Franziskus als Wahrzeichen Kelkheims genauer vorzustellen“. 

Franziskaner Mönchen prägten die Stadt

Berger ist studierter Theologe und hatte sich nicht nur beruflich dem Thema gewidmet. „Ich interessiere mich seit meiner Jugend für Theologie und habe schon öfter Klöster besucht“, sagt er. Neben der Architektur geht es dem ehemaligen Archivleiter sowie Religions- und Lateinlehrer an der Kelkheimer Richter-Schule insbesondere um die Historie der Klostermauern. Wichtige Hinweise darauf vermitteln Kunst und Symbolik. Auch die bis 1996 in Kelkheim angesiedelten Franziskaner Mönche prägten die Stadt.

Neue Aspekte über Kelkheim

„Ich bin gespannt, was ich heute Neues erfahren werde“, so eine Kelkheimerin. Sie wohne seit 1960 hier und wisse viel über die Stadt. „Doch man erfährt immer wieder andere Aspekte. Die Vortragsreihen sind sehr interessant“, sagt sie. Dies bestätigt eine andere Zuhörerin und ergänzt: „Manche Dinge vergisst man ja auch wieder. Da ist es gut, wenn man das Angebot nutzt.“

. . . und eine Innensicht.

In einem einstündigen Vortrag entführt Berger die Gäste in die Vergangenheit. „Ursprünglich sollte die Anlage am Gimbach gebaut werden“, so Berger. Doch der damalige Bischof – der behördliche Bauschein für das Kloster wurde am 20. März 1908 ausgestellt – wollte den Burgen Eppstein, Königstein und Falkenstein ein geistliches Gegengewicht geben. Der Gipfel des Mühlbergs wurde nach Grundsteinlegung im Jahr 1909 in Klosterberg umbenannt.

Neoromanischer Stil für 300 000 Mark

Begründet wurde der Bau durch die wachsende Zahl Katholiken, die in der bisherigen Kirche an der Hauptstraße nicht mehr genug Platz fanden. Hinzu kommt, dass der Franziskanerorden seinerzeit beliebt war und „sich damals eines ansehnlichen Zulaufs“ erfreute, so Berger. Damit wurde die Unterbringung für acht Ordensleute, quasi als Repräsentanten im Rhein-Main Gebiet von oberster Stelle, dem Berliner Ministerium für Kultur und Inneres erlaubt. 

Die Planungen des Frankfurter Architekten Friedrich Günther wurden von der Frankfurter Baufirma Wagner und Struth in neoromanischem Stil für Kosten von 300 000 Mark verwirklicht. Eine großherzige Spenderin, Julie Gräfin von Quadt zu Wykradt und Isny, gab mehr als die Hälfte.

Eine architektonische Schlichtheit in Kelkheim

Die Kirche besteche durch ihre architektonische Schlichtheit, so Berger. Ein Kriterium, das dem Ideal des franziskanischen Bettelordens entspricht. Das mit Rundbögen ausgestaltete Hauptportal ziert nicht nur ein längliches Glasfenster, sondern auch eine lebensgroße Franz von Assisi-Skulptur. Die Fenster der Kirche waren ursprünglich weiß. Von 1931 bis 36 wurden auf Anregung des damaligen Pfarrers von Kelkheim-Mitte, Ivo Trauscheidt, bunte Fenster eingesetzt. Schäden daran aus dem Zweiten Weltkrieg wurden 1954 behoben.

Das Kloster als Entbindungsstation 

Auch die 1942 zu Kriegszwecken beschlagnahmten drei Glocken, wurden 1949 durch vier neue ersetzt und erfüllen seither den 37 Meter hohen im romanischen Stil gebauten Glockenturm mit Klang. Das Dach des Glockenturms ist rautenförmig gestaltet. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde das Kloster geschlossen. Nach dem Krieg wurden leere Räume zu einem Hilfskrankenhaus mit Entbindungsstation. „Von 1946 bis 1974 wurden hier mehr als 3200 Kinder geboren“, so der Referent. Seit 1996 befindet sich im Klostergebäude das Rentamt des Bistums Limburg.

von ESTHER FUCHS

Wie ein Kloster in Marxheim Platz für neue Wohnungen bietet, können Sie hier nachlesen.

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